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31.08.2008
 

"Schatz der Nibelungen" bei RTL

Drachenblut tut Quote gut

Von Peter Luley

Wer "Indiana Jones" liebt, wird "Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen" mögen. Der RTL-Film plündert nicht nur den großen deutschen Mythos, sondern auch den Zitatenschatz des modernen Abenteuerkinos. Das Ergebnis: gut gelauntes Popcorn-Fernsehen.

Als Karl der Große "im eisigen Winter des Jahres 775" den Schatz der Nibelungen fand, wollte er mit den Reichtümern ein Heer von 20.000 Mann aufstellen, um, lange vor dem ersten Kreuzzug, ins Heilige Land aufzubrechen. Weil er aber merkte, wie sehr das Gold ihn blendete, beschloss er schließlich, die Pretiosen zu verstecken. "Ein weiserer Mann in weiseren Zeiten" möge sie finden. So befahl er, im Reich vier Schlüssel zu plazieren, mit denen der künftige Schatzsucher die Edelsteine aufspüren könne. So weit die kleine Geschichtsklitterung des RTL-Abenteuerfilms "Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen", die man akzeptieren muss, wen man dem Plot folgen will.

Wer das tut, bekommt aufwendig-fröhliches Popcorn-TV geboten, bei dem nicht nur der Nibelungen-Mythos von Edelsteinen, Drachenblut-Phiole und Tarnkappe geplündert wird, sondern auch der Zitatenschatz des modernen Abenteuerkinos.

"Indiana Jones" lässt grüßen, wenn sich in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts zwei konkurrierende Forscherteams aufmachen, die Rätsel zu knacken. Auch bei der Figurenzeichnung haben sich Autor Derek Meister und Regisseur Ralf Huettner ("Die Musterknaben") an Erprobtes gehalten.

In übersichtlicher Gut-Böse-Anordnung sind da der ambitionierte Archäologe Eik Meiers (Benjamin Sadler), sein lustiger Gehilfe Justus (Fabian Busch) und die strenge Museumswissenschaftlerin Katharina Berthold (Bettina Zimmermann). Ihnen gegenüber stehen der kranke Magnat Brenner (Hark Bohm) und sein fieser Handlanger André (Stephan Kampwirth). Parallel und mit wechselndem Wissensvorsprung versuchen die Teams die Schlüssel zu finden, die zum Schatz in die "Halle der Welt" führen sollen.

Chiffren wie "der Pfad des Glaubens", "Kaisers Schicksal", "das Auge Gottes" und "das Haupt des Reiches" bilden dabei einen effektvollen Kontrast zu sehr heutigen Phänomenen wie Fingerprint-Scannern. Natürlich öffnen sich ständig verborgene Türen, Gesteinsblöcke rollen beiseite, und Wasserfälle werden umgeleitet.

"Voll auf die Zwölf"

An fotogenen Handlungsschauplätzen werden Felswände auf Rügen, der Kölner Dom, die Stonehenge-artigen Externsteine im Teutoburger Wald, die Kaiserstadt Aachen und Schloss Neuschwanstein aufgeboten. Dazu dröhnt eine Musikuntermalung, die wohl auch einen Blinden fühlen ließe, wann gerade mal wieder jemand was gefunden hat.

Der Wummer-Score ist der besondere Stolz des Produzenten Stefan Raiser, der mit seinem Partner Felix Zackor die Firma Dreamtool Entertainment betreibt. Gern erzählt Raiser, der an der Filmakademie Ludwigsburg sowie in Kalifornien studiert hat, wie er den renommierten Komponisten Klaus Badelt ("Fluch der Karibik") zur Mitarbeit bewegen konnte. Und wie er dann bei der Ton-Mischung immer "lauter, lauter, lauter" gefordert habe, um ein "fettes" Ergebnis zu erzielen, das "voll auf die Zwölf" gehe.

Auch seine Direktive an die Kostümbildner gibt Raiser preis: "bunt, bunt, bunt, bunt, bunt!" statt "typisch deutsch schwarz-grau". Nicht mit dem Begriff Popcorn-TV hat der 36-Jährige ein Problem, sondern mit der hierzulande herrschenden Unterscheidung "zwischen U und E" und mangelnder Wertschätzung für guten Kommerz.

Raiser selbst, der Bernd Eichinger und Jerry Bruckheimer als Vorbilder angibt, hat eine amerikanisch anmutende Weltsicht verinnerlicht. So spricht nicht nur aus seinem Firmennamen eine gewisse Sehnsucht nach Hollywood. Wenn er den Prozess der Stoffentwicklung beschreibt, redet er vom "Writer’s Room" und der "Dreamtool Family" und schwärmt davon, welche "Locations" man in Deutschland noch "abfrühstücken" könne.

4,85 Millionen Euro schwere Schnitzeljagd

Erfrischend unverzagt formuliert er seine Quoten-Erwartungen an den Nibelungen-Event: "Meine Erwartung ist klar, dass in der Zielgruppe 25 Prozent her müssen. Nicht magere Gerade-noch-20-Prozent mit ’ner schmalen Zwei davor, sondern satte 25 Prozent. Wenn man von einem ganz großen Erfolg sprechen wollte, müsste eigentlich mal wieder die 'Tatort'-Hausnummer in der Gesamt-Millionenzahl der Zuschauer angekratzt werden. Mit so einem Film muss man der Leuchtturm sein."

Für die 1999 gegründete Firma Dreamtool Entertainment ist die 4,85 Millionen Euro schwere Schnitzeljagd mit der Lauflänge von 120-Minuten (Raiser: "Wenn 'Armageddon' oder sonst ein amerikanischer Blockbuster ausgestrahlt wird, geht der auch über diese Länge") eine Feuertaufe. Schließlich entwickelt man gemeinsam mit dem kanadischen Sender CBC, RTL und Jan Moijtos Eos Entertainment die Model-Serie "Fashion Week", die nächstes Jahr für den internationalen Markt gedreht werden soll. Und das Buch für eine Fortsetzung der Nibelungenschatzsuche hat Raiser auch schon in der Schublade. "Wir haben noch was gefunden, was man finden kann", erklärt er.

Jetzt muss nur noch das Publikum mitsuchen.


"Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen", Sonntag, 31.8., 20.15 Uhr, RTL

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insgesamt 38 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.09.2008 von Rollvieh: Vergleich

Das dann aber auch zum Vergleichen bei Hollywood-Krachern oder Brit-Coms. Ohne Ton und ohne dramatische Musik überzeugen die logischerweise auch weniger als mit. Ich hab's nur teilweise gesehen, hat auch gereicht. Darauf, [...] mehr...

05.09.2008 von Zephira: Was macht deutsche Filme deutsch?

Interessante Frage. Wenn man deutsche Filme deutsch synchronisierte (im Stile der Synchronisation amerikanischer Filme), merkte man dann noch, dass sie deutsch sind? Das nächste Mal werde ich den Ton abschalten und schauen, [...] mehr...

05.09.2008 von Claudia_D: .

Ich habe mir das jetzt mal angeschaut, beim Online-Angebot von RTL, und der Redakteur hat recht: es ist amüsante Popkorn-Unterhaltung. Die ganzen Meckerer hier würden auch gar nicht merken, daß es sich um eine deutsche [...] mehr...

02.09.2008 von DJ Doena: Synchro

Ich wollte mit meiner Darlegung nicht ausdrücken, dass ich Synchro gut finde, sondern lediglich erläutern, warum man Synchro besser versteht. mehr...

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