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07.09.2008
 

Schelte

Sascha Hehn schämt sich für angeblich miese ARD-Produktion

Lieber wolle er künftig für 15 Euro Rasenmähen gehen, als sich als Schauspieler lächerlich zu machen: Schmonzetten-Star Sascha Hehn teilt kräftig aus gegen die ARD. Die gebe zwar jedes Jahr Milliardensummen aus, aber nicht für die Qualität ihrer Produktionen.

Wer bisher schon mit Spannung der ersten Folge des "Musikhotel am Wolfgangsee" am 18. Oktober entgegenfieberte, wird dies nun noch mehr tun: Folgt man den Worten des Schauspielers Sascha Hehn, könnte das ein ganz besonderes Erlebnis werden. Denn der ist ganz und gar nicht zufrieden mit der ARD-Produktion, in der er selbst als "egoistischer Geschäftsführer", respektive "intriganter Prokurist" mitwirkt - als eine Art J.R. Ewing des Salzkammerguts also.

Schauspieler Sascha Hehn: Fiel bisher nicht mit Brandreden gegen TV-Schmonzetten auf
DDP

Schauspieler Sascha Hehn: Fiel bisher nicht mit Brandreden gegen TV-Schmonzetten auf

Mit dem volkstümlichen Format will die ARD das Zielgruppen unter 60 schon gar nicht mehr geläufige Genre des Musikfilms neu beleben. Außer Hehn wirken weitere Stars mit - unter anderem Patrick Lindner als "gelernter Koch" (Zitat ARD-Werbung), Claudia Jung als "gefühlvolle Rezeptionistin", Mike Krüger als "unbeholfener Oberkellner", Francine Jordi als "das patente Stubenmädchen" und Semino Rossi als "der sympathische Sänger". Es geht um Liebe und Musik, Irrungen und Wirrungen, große schöne Träume und den unvermeidlichen Intrigenstadl, vermutlich abgeschlossen durch das ebenso unvermeidliche Happy End. Nebenfiguren wie der musikalische Bürgermeister Karl Moik und der Hund Joe runden die Sache ab. Der produzierende Hessische Rundfunk wirft sich schon stolz werbend in die Brust und hat dem herbstlichen Schmalz auf dem Programm-Brot einen eigenen Web-Auftritt gegönnt.

Klingt nach der üblichen Heile-Welt-Geriatrie-Bespaßung, entpuppt sich laut Hehn aber als Horror: Zunächst habe er gedacht, "das ist doch mal ein tolles Format", sagte Hehn dem Nachrichtenmagazin "Focus". Als er dann aber den fertigen Film auf DVD gesehen habe, habe er zunächst geglaubt, "die Tür geht auf und Frank Elstner tritt herein. Aber das war nicht 'Verstehen Sie Spaß?', das ist bitterer Ernst." Der Film sei billig produziert.

Hehn: Hartz IV will er nicht

Und das bringt den Mimen nun derart auf die Palme, dass er mit seinem einstigen Image als Traum-Schwiegersohn bricht: Er teilt kräftig aus.

Hehn im "Focus": "Wer Geld hat, mich zu bezahlen - und ich bin nicht der Billigste -, muss auch Geld haben, dem Produkt eine Chance zu geben. Ich erwarte da einen professionellen Regisseur, professionellen Ton. Ich mache doch kein Hartz-IV-Programm für den Fernsehnachmittag."

Doch damit nicht genug, Hehns Philippika gerät zu einer wahren Fundamentalkritik am öffentlich-rechtlichen System. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen nehme im Jahr zwar 7,3 Milliarden Euro an Gebühren ein, aber gebe nur einen Bruchteil davon für Produktionen aus. "In diesem Apparat herrscht ein Beamtenstatus", klagte der Schauspieler.

Für den Fall, dass der Sender den Film vor der Ausstrahlung noch nachbessern wolle, versicherte Hehn laut "Focus": "Ich stelle mich kostenlos zur Verfügung. Wenn das aber mein Abschied vom Fernsehen gewesen sein sollte: Ich mähe lieber für 15 Euro irgendwem den Rasen, bevor ich mich in meinem Beruf lächerlich mache."

Sascha Hehn, Jahrgang 1954, begann seine TV-Karriere bereits im Kindesalter. Mit fünf Jahren stand er für "Hubertusjagd" vor der Kamera, seitdem gehört er zu den präsentesten Gesichtern der deutschen TV-Szene. Seine Filmografie reicht von Heimatfilmen in den Sechzigern über zahlreiche Softsex-Rollen in den Siebzigern ("Mädchen beim Frauenarzt", "Schulmädchen-Report") bis zu den Kult-Schmonzetten "Traumschiff" und "Schwarzwaldklinik".

pat/AP

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