Montag, 23. November 2009

Kultur



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12.09.2008
 

Vize-Kandidatin Sarah Palin

Ur-Weib mit Jagdgewehr

Von Anjana Shrivastava

Kinder, Kirche, Karibu-Schießen: Die tiefgläubige, fünffache Mutter Sarah Palin ist das Antibild einer klassischen Feministin - und ganz anders als alle mächtigen Frauen der US-Politik vor ihr. Gerade das macht sie so gefährlich für Barack Obama.

Bisher waren Frauen in der US-Politik dann mächtig, wenn sie neben ihrer starken Persönlichkeit auch über einen hohen Bildungsgrad verfügten. Doch Sarah Palin, John McCains Vize-Kandidatin, hat auf ihrem Weg zur Macht einen großen Bogen um die Institutionen der Elitenbildung gemacht. Statt Harvard oder Yale weist ihr Lebenslauf folgende Stationen auf: Schönheitskönigin, Elternsprecherin - und Karibu-Jägerin. Fallen die amerikanischen Frauen mit Palin in eine archaische Zeit der Jäger und Sammler zurück?

Klar ist: In wenigen Wochen entscheiden vor allem die Frauen, wie die US-Wahl ausgeht. Und im Moment zieht John McCain wegen der Nominierung Palins viele Frauenstimmen auf sich, obwohl bisher meist die Demokraten von einem großen Frauenvorteil profitierten. Doch für welches Frauenbild werden Amerikas Frauen dann am Ende mehrheitlich stimmen?

Die wichtigsten Frauen in der Geschichte des Weißen Haus waren Feministinnen. Von Anfang an war ihr Ehrgeiz entwickelt, für diese Macht auch adäquat gebildet zu sein.

Die Urmutter des Feminismus im Weißen Haus ist Abigail Adams, Frau des zweiten amerikanischen Präsidenten John Adams, den sie 1764 heiratete. Sie stammte aus einer berühmten politischen Familie aus Boston, genoss nur eine informelle Bildung, strebte aber stets eifrig nach mehr.

Trotz ihrer – ihr selbst stets bewussten - Bildungslücken pflegte sie einen regen Briefwechsel mit ihrem Mann, der noch heute wegen seiner politischen und literarischen Brillanz gelesen wird.

Abigail Adams, die das Weiße Haus in Washington als erste First Lady quasi trocken gewohnt hat, war eine frühe Philosophin des amerikanischen Geschlechterkampfes - und trat dennoch für Kooperation ein.

Adams bejahte eine öffentliche Rolle der Frauen, sie sollten mehr als nur attraktive Begleiterinnen ihrer Männer sein. Sie wollte gleiche Bildungschancen für alle damals nicht wahlberechtigten Menschen, also für Frauen und für Schwarze. Ihr Appell an ihren Mann, "Vergiss die Frauen nicht!" liest sich in der heutigen Vorwahlzeit wie ein Menetekel.

Befreiung durch Bildung - Abigail Adams zeigte damit eine Art Königsweg für alle benachteiligten Bürger auf. Und bis heute gilt eben dies aus demokratischer Perspektive als wesentlicher Teil des amerikanischen Traums.

Alle engagierten First Ladies der USA standen in dieser Tradition. Und auch die nächste First Lady, egal, ob sie Cindy McCain aus Arizona oder Michelle Obama aus Chicago heißt, wird sich dem verpflichtet zeigen.

Doch Sarah Palin kommt aus Wasilla, Alaska. Nicht einmal 7000 Einwohner hat das Örtchen.

Für sie ging es nie um akademische Abschlüsse oder intellektuelle Diskurse. Sarah Palin selbst hat sich einmal mit einem Pitbull mit Lippenstift verglichen, und ihre feministischen Kritikerinnen stimmen ihr darin beherzt zu. "Die falsche Frau mit der falschen Botschaft," giftet die Urfeministin Gloria Steinem in der "Los Angeles Times". Palin sei eine Frau, die mit Hillary Clinton außer zwei X-Chromosomen nichts gemeinsam habe.

Lob bekommt Sarah Palin dagegen von Menschen wie dem rechten Talk-Radio-Star Rush Limbaugh, weil sie seiner Ansicht nach folgendes verkörpert: "Guns, babies, Jesus."

Das ist eine primitive Amerikanisierung der einstigen deutschen Leitidee von "Kinder, Küche, Kirche". Primitiv auch im Sinne von archaisch: Palin wie paläolithisch. Das ist mehr als nur ein billiges Bonmot: Palins Speisekammer ist vollgestopft mit von ihr selbst erlegten Exemplaren der gesamten Tierwelt der alaskischen Tundra.

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