Frage: Sind Sie ein Mensch, der viel übers Leben nachdenkt?
Heine: Ja, ich glaube, das bleibt bei meinem Beruf nicht aus. Wenn man sich mit Kunst auseinandersetzt, dann sollte man doch hoffentlich in die Tiefe gehen. Ich bin jedenfalls kein Fotograf, der durch die Weltgeschichte reist, beobachtet und schnell mal draufdrückt. Die sogenannte Schnappschussästhetik oder der Realismus in der Modefotografie, der ja eine Zeitlang in war, ist nicht unbedingt meins. Ich sehe mich schon eher wie ein Regisseur, ich inszeniere gerne, denke im Vorfeld über meine Bilder nach und überlege, wie diese ausschauen sollen. Dazu kommt, dass mein Beruf ein sehr schnelllebiger ist. Ich bin sehr viel unterwegs. Ich erschrecke mich manchmal, wie schnell die Zeit vergeht, und da muss man manchmal innehalten und schauen, was um einen herum passiert.
Frage: Und wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Heine: Ich bin wie viele in diesem Metier Quereinsteiger, habe aber immer schon fotografiert, auch als kleiner Junge. Nach der Schule habe ich mich für Architektur eingeschrieben. Dazwischen kam, dass ich mit sehr vielen Musikern befreundet bin, damals in der Szene Hannovers, wo sich alle kennen. Eine Band, die mich bei ihren Konzerten immer mit der Kamera sah, sprach mich an und fragte mich nach den Bildern. Wir sind ins Gespräch gekommen und daraus entstand dann die erste Fotosession und das erste Plattencover.
Frage: Sie machen vor allem Portraits von bekannten Musikern und Schauspielern. Was reizt Sie am Portrait?
Heine: Ich beschäftige mich gerne mit Menschen und das Endergebnis, also die Fotografie als solche, ist zweitrangig. Der Entstehungsprozess und das Aufeinandertreffen mit den Menschen, die ich fotografiere, ist eigentlich das Wichtigere. Deshalb bin ich auch nicht unbedingt in der Mode zu Hause und fotografiere Models, sondern ich sehe mich als einen kreativen Menschen und bin gern von anderen kreativen Menschen umgeben. Musik habe ich immer geliebt. Ich hatte sicherlich auch einen Hang zu dieser Wanderzirkusatmosphäre, die der internationale Rock'n'Roll ist. Mein Bestreben ist immer gewesen, mich mit anderen Menschen auszutauschen und so bin ich beim Portrait gelandet.
Frage: Warum Promis?
Heine: Das sucht man sich ja nicht aus, das kam eher zu mir. Ich habe mit Freunden angefangen. In Hannover gab es Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre eine sehr rege, kreative wenn auch kleine Musikszene, und ich habe die Leute abgelichtet, mit denen ich zu tun hatte. Nach dem ersten Plattencover kam die nächste Band an und so ergab eins das andere. Dann eine Musikzeitschrift, die mich mit einer Band auf Tour geschickt hat und ruckzuck ist man in dieser Szene drin. Ich muss sagen, die Prominenz meiner Subjekte ist auch unwichtig für meine Bilder. In erster Linie ist es wichtig, dass sie kreativ sind und etwas ausdrücken können. Mir ist nicht wichtig, dass ich ein realistisches Bild dieser Person darstelle, mir ist wichtig, dass ich mir mit diesen Menschen eine Bildidee ausdenken kann und diese in irgendeiner Art und Weise realisiere.
Frage: Wie bereiten Sie sich dann auf ein Shooting vor?
Heine: Wenn ich die Menschen nicht kenne, dann versuche ich möglichst viel zu recherchieren und zu lesen. Ich schaue mir ihre Filme an, höre ihre Musik. Im besten Fall entstehen dann schon Ideen. Im schlimmsten Fall entstehen sie während des Shootings. Ich versuche mir ein Bild zu machen, mit dem ich zu einer Person komme, und aus dem Dialog entsteht dann meistens die Bildidee.
Frage: Was ist es, was Sie an den Personen interessiert?
Heine: Ich hoffe, man sieht es meinem Buch an, dass es die verschiedensten Arten von Charaktereigenschaften sind. Natürlich können das Brüche oder Abgründe sein, es kann ein bewegtes Leben sein, Beispiel Iggy Pop, aber es kann natürlich auch eine humorvolle Seite sein, etwas was mich total begeistert, ein Enthusiasmus, den viele kreative Menschen mit mir teilen, totales Engagement, Beispiel Coldplay. Ich muss die Kunst meiner jeweiligen Subjekte nicht mögen, aber ich muss mit dem Menschen etwas anfangen können, muss mich an ihm reiben können. Das ist mir wichtig.
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