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01.10.2008
 

Umstrittener "Tatort"

Sinti und Roma verlangen Absetzung

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fühlt sich durch eine "Tatort"-Folge verunglimpft - und verlangt jetzt die Absetzung des WDR-Films. In dem für den 19. Oktober angesetzten Krimi geht es um Bürgerkriegsflüchtlinge in einem Kölner Problemviertel.

Hamburg/Köln - Als diskriminierend und gefährlich hat der Zentralratsvorsitzende Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die "Tatort"-Folge "Brandmal" in einem Brief an WDR-Intendantin Monika Piel bezeichnet.

Zentralratsvorsitzender Rose: Fordert "Tatort"-Absetzung
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DDP

Zentralratsvorsitzender Rose: Fordert "Tatort"-Absetzung

Der Krimi führe die ganze Palette an Stereotypen über Roma auf, wie Kriminalität, Grausamkeit, Schmutz, Verwahrlosung, Primitivität und Ausnutzung des Wohlfahrtsstaates, hieß es in einer Erklärung des Zentralrats.

Rose appellierte in seinem Brief an Piel, auf die Ausstrahlung in der ARD zu verzichten.

In dem für den 19. Oktober geplanten Tatort geht es laut WDR um die Konflikte zwischen Sinti-und-Roma-Flüchtlingen und Kölner Einheimischen, die voller Vorurteile auf die Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem früheren Jugoslawien reagieren. Ausgangspunkt der Handlung ist der Tod einer jungen Frau bei einem Mietshausbrand.

Auf Grundlage des Drehbuchs hatte der Zentralrat bereits im November 2007 gegen das Drehbuch protestiert und in einem Gespräch mit dem WDR im Januar 2008 versucht, die Absetzung zu erreichen. Den fertigen "Tatort" hat nach Auskunft eines Sprechers bisher niemand vom Zentralrat gesehen.

Rose schrieb an Piel, er halte den Film für gefährlich, "weil dort die Stigmata und negativen Klischees über die Roma- und Sinti-Minderheit bestätigt werden, für die es nach dem Holocaust und der Nazi-Propaganda - ähnlich wie gegenüber den Juden - immer noch einen besonders fruchtbaren Boden in unserer Gesellschaft gibt."

Beim WDR wollte man sich nicht zu Roses Brief äußern. Das Schreiben sei noch nicht eingetroffen, sagte eine Sprecherin des Senders.

Damit stößt eine "Tatort"-Folge zum wiederholten Mal auf Protest einer Minderheit: Im Dezember 2007 hatte die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) bei der Berliner Polizei Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt.

Es ging dabei um die Folge "Wem Ehre gebührt", in deren Zentrum der Inzest in einer alevitischen Familie steht. Die Religionsgemeinschaft fühlte sich durch die Darstellung verunglimpft - nach der Ausstrahlung kam es zu Großdemonstrationen.

AABF-Generalsekretär Ali Ertan Toprak wandte sich in einem offenen Brief an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Regisseurin und Drehbuchautorin Angelina Maccarone verteidigte sich gegen die Vorwürfe.

ber/dpa/afp

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