Berlin - Trash wie gehabt? Nach seiner TV-Diskussion mit Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erwartet Moderator Thomas Gottschalk jedenfalls keine Veränderungen in der Fernsehlandschaft.
"Ändern wird sich gar nichts", sagte Gottschalk nach der Aufzeichnung der am Freitagabend um 22.30 Uhr im ZDF ausgestrahlten Sendung, der "Bild"-Zeitung.
"Diskussion ist immer gut", sagte Gottschalk, "das Streben nach Verbesserung ebenfalls. Aber es endet, wie es immer endet. Jeder hat seine Meinung gesagt, und die Karawane zieht weiter".
Gottschalk hatte Reich-Ranicki das Streitgespräch im ZDF vorgeschlagen, nachdem der Literaturkritiker beim "Deutschen Fernsehpreis" die Ehrung für sein Lebenswerk ausgeschlagen und Kritik an der Qualität des deutschen TV geäußert hatte. Später nahm Reich-Ranicki den Preis doch noch "symbolisch" an.
Unterstützung für seine Medienschelte erhielt der 88-Jährige von TV-Journalistin Elke Heidenreich. In einem Beitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") geißelte die Literaturkritikerin die ZDF-Show als "hirnlose Scheiße". Heidenreich, die im ZDF das Literaturmagazin "Lesen!" moderiert, muss nun Konsequenzen fürchten - das ZDF prüft die Zusammenarbeit mit der Journalistin.
Laut Gottschalk sei der 88-jährige Reich-Ranicki bei der TV-Diskussion weniger erregt gewesen als bei der Gala. Das ZDF hatte vorab Zitate aus der Aufzeichnung veröffentlicht. Danach setzt Reich-Ranicki im Fernsehen vor allem auf Klassiker, die Verfilmung von Shakespeare-Stücken etwa.
Gottschalk meinte dazu: "So kommen wir nicht weiter. Solange die Quote entscheidet, was erfolgreich ist, werden wir das Fernsehen behalten, das wir haben."
Allerdings sei das auch nicht so schlecht. "Wer was Vernünftiges sucht, der findet es", sagte Gottschalk.
Indes bekräftigte Reich-Ranicki erneut seine Kritik an der Gala zum Deutschen Fernsehpreis. "Es wurden bei der Verleihung Ausschnitte geboten mit irgendwelchen Clowns, irgendwelchem Unsinn, Blödsinn, Dreck, kompletter Dreck", sagte Reich-Ranicki laut "Bild"-Zeitung in einem Vortrag vor Mitarbeitern der BHF-Privatbank in Baden-Baden.
Dabei schoss er auch gegen das ZDF. Man müsse glauben, dass manche Intendanten "ganz bewusst Miserables" sendeten, wurde Reich-Ranicki weiter zitiert. "Sie meinen, dass das Publikum das Schlechte haben will. Als wäre das Publikum eine Ansammlung von Idioten."
ber/ddp
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