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TV-Eklat Bohlen attackiert Reich-Ranicki mit "Vollpfosten"

Bald sind alle Kulturträger des Landes in der Debatte versammelt: Auch Pop-Entrepreneur Dieter Bohlen und Großliterat Günter Grass reagieren auf Marcel Reich-Ranickis TV-Schelte. Die Tonlage wird rauer – sogar das Wort "Vollpfosten" fiel.

Frankfurt am Main – Die quotenbringend verwertete Fernsehschelte von Marcel Reich-Ranicki erhitzt jetzt auch die Gemüter jener Kulturträger, die man auf der Frankfurter Buchmesse sicher wähnte. Dort, so dachte man, würde Dieter Bohlen, Autor der feinsinnigen Lebenshilfe "Der Bohlen-Weg. Planieren statt sanieren" das literarisch versierte Publikum mit Anekdoten rund ums Thema Sex, Geld und wie man sehr viel davon kriegen kann, amüsieren.

Irgendwie-auch-Autor Bohlen: Angriff mit "Vollpfosten"
AP

Irgendwie-auch-Autor Bohlen: Angriff mit "Vollpfosten"

Aber der "Pop-Titan" ("Bild"-Zeitung) musste nun doch ins medienkritische Geschehen eingreifen: Reich-Ranicki sei unglaubwürdig, wenn er sage, er sei als "Vollpfosten", der nicht wissen konnte, was ihn erwartet, zur Fernsehpreis-Gala gegangen.

Marcel Reich-Ranicki, den diese Meldung womöglich auf seinem Palm, seinem Laptop oder sonstwo erreicht, muss wissen: Der "Vollpfosten" ist kein folkloristisches Outfit von Talk- und Galagästen, auch ist er kein Seinszustand heideggerschen Zuschnitts. In Kindlers Literaturlexikon findet er sich ebenso wenig wie in Bantels "Grundbegriffen der Literatur".

Der "Vollpfosten" bezeichnet einen intellektuell desinteressierten, das kognitive Potential des Durchschnittsmenschen unterschreitenden Zeitgenossen.

Bohlen verteidigte zudem seine "Du singst Scheiße"-Rhetorik, vielfach erprobt bei der Beschämung von DSDS-Bewerbern. Man werfe ihm seinen Jargon vor, aber wenn Reich-Ranicki über eine ganze Branche sage, sie sei "Dreck", dann sei das in Ordnung. "Ich finde so etwas wirklich völlig bescheuert", so der Drei-Akkorde-Spezialist Bohlen. Der Kritiker dürfe das vermutlich, weil er "senil oder 88 Jahre alt" sei.

Es stimmt, ältere Herren dürfen vieles. Günter Grass zum Beispiel hat dieses Land mit schlimmen Enthüllungen belastet, jetzt springt er auch noch Dieter Bohlen bei.

Nicht direkt, aber immerhin: Im Rahmen der Buchmesse griff der Literaturnobelpreisträger den Kritiker ebenfalls an. "Er kritisiert das, was auf ihn selber zutrifft", so Grass. Reich-Ranicki habe einst in seiner ZDF-Sendung "Literarisches Quartett" die Literaturkritik "trivialisiert". "Mit großem Geschrei" habe er dort eine "Ein-Mann-Show" inszeniert.

Man behandle den Kritiker, der bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises das deutsche TV als niveaulos angriff, wie ein "rohes Ei", erklärte Grass außerdem.

Nun, dies stimmt spätestens seit Bohlens Einlassungen nicht mehr.

dan/dpa/ddp

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