Von Reinhard Mohr
Sechs Jahre lang war sie die Lesemutter der Nation, die oberste Buchverkäuferin des Landes, deren Sprechtempo schnatterinchenhafte Züge trug. Ähnlich wie die ambulanten Küchenmesserverkäufer auf der Frankfurter Zeil pries sie im Minutentakt und mit nie nachlassender Begeisterung ihre aktuellen Lieblingsbücher an.
Zur Begründung reichten meist schlichte Behauptungen ohne jedes – gar literaturkritische – Argument: "Das wird sie glücklich machen!", "Ein gutes Buch von einer wunderbaren Schriftstellerin" oder auch: "Eine tolle Sache zu lesen".
Nun ist Ausverkauf. Das ZDF hat Elke Heidenreich fristlos gekündigt, nachdem sie ihre Kritik am deutschen Fernsehen ("hirnlose Scheiße") im Windschatten von Marcel Reich-Ranickis TV-Philippika ausdrücklich auch auf ihren Arbeitgeber – das Zweite Deutsche Fernsehen – bezogen hatte, für das man sich recht eigentlich "schämen" müsse.
Das war dann doch zu viel fürs öffentlich-rechtliche Gemüt, und so sucht man nun intensiv nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Denn eine repräsentative Literatursendung soll schon sein, selbst in Zeiten, in denen die Finanz- und Wirtschaftskrise alles andere zu verdrängen droht.
Eine nicht ganz leichte Sache. Denn der oder die NachfolgerIn soll populär sein und doch auch ein bisschen fachkundig, er oder sie sollte selbst gern lesen, aber zugleich ein Fernsehmensch sein und natürlich "gut rüberkommen" auf der Mattscheibe. SPIEGEL ONLINE stellt Ihnen die zehn aussichtsreichsten BewerberInnen vor.
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