Von Hobbykoch Peter Wagner
Wer als halbwegs ernsthafter und ambitionierter Hobbykoch im gut sortierten Zeitschriftenhandel vor der Wand mit Genuss- und Koch-Magazinen steht, wendet sich nach einigem Herumblättern mit Grausen ab - angesichts der erdrückenden Übermacht von Hausfrauenpostillchen mit ihrer Dauerdiätleier, ihren Tantentipps und ihren zumeist noch nicht einmal halbwegs professionell fotografierten Anfänger-Rezeptchen. Leckerlisafüreinentag. Aber nicht länger, bitte.
Auch der ewige Marktführer, "Essen und Trinken", kommt trotz immerhin von gelernten Köchen entwickelten Rezepten mit starkem Augenmerk auf selbsthergestellte Vorprodukte nicht aus den Puschen. Zu alltäglich die Cuisine-Ansätze, zu possierlich die redaktionellen Texte rings um die Rezepte, zu gebetsmühlenzwanghaft die endlose Wiederholungsschleife der jahreszeitlich rollierenden Gerichte. Spargel im Mai, Erdbeeren im Juni, Kirschen im Juli, dann Kohl, Kürbis, Kichererbse (echt multikulti, ja, ja). Und im Dezember werfen wir uns bestimmt wieder einen Korb voll "toller, phantasievoller Plätzchenideen" rein. Wenn in dem Keks, auf den einem das alles geht, wenigstens ein Grämmchen Haschisch drin wäre!
Seit kurzem gibt es, jenseits diverser schnell wieder aus den Kiosken verschwindender Koch-Kometchen, mit "Effilee" und "Port Culinaire" endlich zwei einigermaßen selbstbewusst auftretende Alternativen - auch zum alten Genusstanker "Feinschmecker".
Höchste Zeit, denn dessen Leser sterben immer schneller weg. Leber kaputt in Folge jahrelangen Abusus von Stopfgeflügelorganen und Château Petrus; oder einfach nur ins Messer gelaufen - hoffentlich wenigstens in ein 1450-Euro-Santoku aus dem 32-Lagen-Damaststahl des Meisterschmiedes Tsukasa Hinoura.
Port Culinaire, Anfang 2007 mit dem Heft "Zero" als Koch-Fanzine des Food-Fotografen Thomas Ruhl gestartet, beweist Durchhaltevermögen: Das Quartalsbookazine steht jetzt mit Ausgabe "Seven" im Handel und erlaubt sich neben Sternerezepten wieder einmal Reportagen, wie man sie gern auch in der großen kommerziellen Konkurrenz lesen möchte. 36 Seiten sind aktuell allein dem marokkanischen Arganöl gewidmet, 16 Seiten der Fischzucht in der Lüneburger Heide samt Zubereitungstipps vom Dreisterner Joachim Wissler, Koch im Vendôme zu Bergisch-Gladbach und derzeit zusammen mit Harald Wohlfahrt Nummer eins des "Volkenborn"-Köche-Rankings. Die Textqualität hat ihren, freundlich gesagt, authentischen Charakter über die acht Hefte hinweg behalten, einzig die Food-Fotos kippen langsam von spektakulären Close-Ups um in ordinäre, in ihrer glibberigen Porigkeit an Porno-Shots erinnernde Augenquäler.
Professioneller und mit deutlich mehr Blattgestaltungskompetenz unterfüttert, tritt jetzt der Printableger der Internet-Seite "Kochpiraten" auf den Markt, die vor einem Jahr in "Effilee" umbenannt worden war. Das 132-Seiten-Heft ist auf sechs Ausgaben pro Jahr geplant, erscheint nach Verlagsangaben in einer Druckauflage von 120.000 Exemplaren und materalisiert auf recht gelungene Weise die Genuss-Visionen des On/Offline-Herausgebers Vijay Sapre, der sich seit dem Verkauf seines Portals www.mobile.de 2004 an Ebay (den Verkaufspreis von 121 Millionen Euro teilte er sich mit vier weiteren Eigentümern) viele Gedanken über die richtige Zubereitung von Ente und anderen Speisen machen kann.
Für die Startausgabe heuerte Sapre als Küchenjunge beim Hamburger Elbchaussee-Urgestein Heinz-Otto Wehmann (im Köche-Ranking auf Platz 48) an und ließ sich ein paar Tage in der blitzblanken neu renovierten Küche des Landhaus Scherrer beobachtend ausbeuten.
Diese Reportage leitet das derzeit spannendste Genuss-Magazin im deutschsprachigen Raum ein - mit Warenkunde ("Fit durch Fett"), Kochbuchverlegerinterviews, halbwegs hochwertigen Rezepten und schönen internationalen Ansätzen (Lamm, gekocht von einem Iraner, einer Neuseeländerin und einem Griechen). Einzig auf die völlig überflüssige Modestrecke hätten wir gern verzichtet.
Geben wir also die alten Rezeptheftchen ins Altpapier und kochen im Hinblick auf die noch zu lesende Ecuador-Kartoffel-Reportage im "Effilee" heute mal etwas Einfaches, wenngleich höchste Präzision Abverlangendes - einen Wurzeleintopf.
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Meiner Meinung nach ist es ein wenig verfrüht ein Loblied auf ein Magazin zu singen, das gerade mal die erste Ausgabe auf den Markt gebracht hat. Der Vergleich mit Port Culinaire, welches sich mit mittlerweile auf dem Markt [...] mehr...
Ich nicht gedacht, was man aus einem einfachen Eintopf mit Wurzelgemüsen machen kann. Die Idee, getrennt gegarte Wurelstücke erst am Ende in die Suppe zu geben, finde ich großartig, das kann man auch mit anderen Gemüsen wie [...] mehr...
Ich gratuliere zur erfolgreichen Wortschöpfung! "Quartalsbookazine" könnte zum Geheimfavoriten beim "Unwort des Jahres" werden. mehr...
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