Sechs Jahre nach dem Bundestagsbeschluss, das Berliner Stadtschloss wieder aufzubauen, flammt der Streit um das Prestige-Projekt erneut auf. Am 28. November entscheidet eine Jury über den Siegerentwurf. Er muss, so verlangt der Bund kategorisch, drei der vier Fassaden originalgetreu im Barockstil nachbilden. Doch die Mehrheit der Architekten unter den Juroren stellt kurz vor Toresschluss plötzlich diese strikte Vorgabe in Frage.
In der neuesten Ausgabe des SPIEGEL meldet sogar der Jury-Vorsitzende, der renommierte italienische Architekt Vittorio Lampugnani, schwerwiegende Bedenken an: "Ich bin ein Gegner der Haltung, die mit aller Unbedingtheit ausschließlich eine Rekonstruktion erlaubt, ein Gegner der Behauptung, das alte Schloss wäre das Beste, was an dieser Stelle stehen kann."
Auch bei der Bevölkerung löst der geplante Schlossbau offenbar keine große Begeisterung aus. Ein Beleg dafür ist das geringe Spendenaufkommen.
Ein Förderverein wollte 80 Millionen Euro einsammeln. Bislang sind jedoch nur 17 Millionen Euro zusammengekommen – das meiste bloß als Zusage.
Angesichts der prekären Lage plant das Bundesbauministerium die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung für das Schloss, in der der Bund, das Land Berlin und die künftigen Nutzer vertreten sein sollen.
So soll verhindert werden, dass nur eine Institution allein die heikle Verantwortung als Bauherr tragen muss.
tdo
Hinweis: Die ursprüngliche Version dieser SPIEGEL-Vorabmeldung ist leicht ergänzt worden.
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