Von Christian Buß
Der rostige Kahn selbst würde beim Verkauf wohl kaum die Summe für einen Mittelklassewagen einbringen, aber in seinem Kühlraum lagert ein Schatz im Wert von gut zwei Millionen Dollar. Die "Volga" war im südlichen Indischen Ozean auf Beutezug, nicht unweit der Packeisgrenze haben die Piratenfischer das Meer leer gefischt. Das Objekt ihrer Begierde ist der Schwarze Seehecht.
Ein ausgewachsenes Exemplar dieser Art bringt auf den Umschlagplätzen von Südostasien gut tausend Dollar und mehr ein, sein festes und fein gemasertes Fleisch ist besonders in Japan und den USA begehrt. "Weißes Gold" wird der Schwarze Seehecht genannt.
Für die Mannschaft der "Volga" fungiert das Meer als eine Art Selbstbedienungsladen, Fangquoten und Seehoheit spielen für sie keine Rolle. Wer schreibt einem Freibeuter schon vor, was er zu tun oder zu lassen hat? Man fährt unter russischer Flagge, hat einen gut ausgebildeten spanischen Offizier am Steuer, lässt asiatische Arbeitssklaven im Schiffsbauch schuften und wird von Singapur aus von einem mächtigen Kartell gelenkt.
Mit kilometerlangen Fangvorrichtungen holt die "Volga"-Crew die begehrte Barsch-Art aus bis zu 4000 Meter Tiefe an die Oberfläche. Verendete Albatrosse und Seehunde werden ebenso mit diesen Langleinen an Bord gezogen wie noch längst nicht ausgewachsene Fische. Die Population des Schwarzen Seehechts ist daher gefährlich geschwächt. Wo andere Fischer von den Behörden einkassiert werden, haben die Piraten der "Volga" in der Regel eben freie Hand.
Doch eines Tages stoßen sie im Nirgendwo des antarktischen Meeres auf eines der wenigen Schiffe der australischen Fischereibehörde, man befindet sich in der Nähe von Heard Island – 4000 Kilometer südwestlich vom Fünften Kontinent entfernt. Die Australier haben hier Hoheitsrecht und nehmen die Verfolgung auf, die nach einigen Tagen mit einem bewaffneten Enterkommando der Kriegsmarine endet.
Der erste Teil der Arte-Reihe "Eco Crimes" kommt über Strecken als atemloser Öko-Krimi daher. Wie in einem Doku-Drama spitzen die beiden Autoren Heinz Greuling und Thomas Weidenbach die wahren Ereignisse zu (70 Piratenfischer hat die australische Kriegsmarine seinerzeit bei der Aufbringung der "Volga" festgesetzt) – und führen doch nüchtern in die internationalen Verstrickungen ein, die im Anschluss folgten.
Für ihre dreiteilige Dokumentation haben die Macher ganz unterschiedliche Verbrechen an der Natur rekonstruiert; neben der Piratenfischerei geht es auch um die Jagd nach geschützten Tierarten und den Handel mit verbotenen Chemikalien.
Die Erkenntnis ist jedoch immer die gleiche: So beherzt einzelne Staaten Jagd auf die Großverbrecher unter den Natursündern machen, es mangelt an einer internationalen Abstimmung. Die Öko-Kriminellen aber sind stets global vernetzt – und nutzen die unterschiedlichen Gesetze für sich aus. Die Rechtslage ist verworren, die diplomatischen Verstrickungen sind diffizil.
Der "Fall Volga" jedenfalls landet bald vor dem internationalen Seegerichtshof in Hamburg. Denn auf Druck indonesischer Geschäftspartner lassen die Russen die Australier anklagen und verlangen die Herausgabe der konfiszierten Schiffe. Dieses Anliegen wird zwar abgeschmettert, die verhafteten Offiziere aber müssen gegen eine bescheidene Kaution freigelassen werden – beim Millionengeschäft mit dem Schwarzen Seehecht für das verdienende Kartell leicht zu verkraften.
500.000 Tonnen illegal gefangenen Fischs werden jährlich auf dem internationalen Markt umgesetzt. Letztendlich ist das auch eine Folge der beschränkten Zugriffsmöglichkeiten, die nationale Behörden außerhalb der 200-Meilen-Zonen vor ihren Küsten haben. Um den internationalen Fischbestand zu schützen, müsste auf den Ozeanen deshalb auch jene Rechtsfreiheit enden, die gerne romantisch als "Freiheit der Meere" verklärt wird. Ohne juristische Aufstockung geht es nicht.
Und ohne kampftechnische Aufrüstung wohl eben auch nicht: Die Australier jedenfalls haben sich nach der aufreibenden Jagd auf die "Volga" tief ins antarktische Packeis hinein dazu entschlossen, ihre Behörde werbewirksam zu neuer Wehrhaftigkeit zu führen. Unlängst ließ man ein Patrouillenschiff vom Stapel, das waffen- und mannschaftstechnisch geradezu martialisch daherkommt.
In Zeiten florierender industrieller Umweltpiraterie, das zeigt diese Arte-Reihe so effektfreudig wie einleuchtend, muss man sich anscheinend an den Gedanken gewöhnen: Ohne militärische Komponente bleibt Naturschutz leider folgenlos.
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Wenn man sich anschaut, wieviel Schaden die Fleisch- und Fischindustrie anrichten, ist es einem Vegetarier wie mir völlig unverständlich, warum nicht mehr Menschen zur Vernunft kommen und der Tierproduktemafia endlich den Markt [...] mehr...
"Ein Patrouillenschiff, das waffen- und mannschaftstechnisch geradezu martialisch daherkommt" wäre genau das Richtige, um die Japaner davon abzuhalten, in den australischen Antarktisgewässern auch in diesem Winter wieder [...] mehr...
Auch die zunehmende Belastung durch giftige Plastikabfälle stellt ein nahezu unaufhaltsam fortschreitender Prozess zu sein der zur Folge hat, dass Meeresbewohner in ihrer Existenz bedroht werden. Die Konzentration von [...] mehr...
---Zitat--- Ohne militärische Komponente bleibt Naturschutz leider folgenlos. ---Zitatende--- Tja, nach Greenpeace kommt wohl Greenwar... mehr...
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