London - Damit hätte man nun wirklich nicht gerechnet: Der als Raffmeier verschrieene britische Künstler Damien Hirst findet die Kunstmarktpreise zu hoch. Das erklärte er einem Reporter des englischen "Independent". Der Preisverfall aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise sei gut, sagte Hirst, "denn es wurde unrealistisch. Man fängt irgendwann an zu glauben, man wäre von Gott berührt worden."
Hintergrund dieser Selbsteinsicht sind die Herbstauktionen in New York, bei denen in der vergangenen Woche ein Werk von Hirst keinen Käufer mehr gefunden hatte, weil der Schätzwert zu hoch angesetzt worden war. "Ich dachte immer, dass Kunst nur so viel wert ist, wie jemand dafür zahlen will", sagte Hirst jetzt.
Vor zwei Monaten war das noch ganz schön viel. Im September ging Hirst zum wiederholten Male in die Annalen des Kunstmarkts ein - mit einer 140-Millionen-Euro-Auktion bei Sotheby's. Als erster Künstler war er direkt an die Käufer herangetreten und hatte seine Werke ohne zwischengeschaltete Galerie an den Mann gebracht. Fast müßig zu sagen, dass es der höchste Preis war, der je bei einer Auktion, die nur einem Künstler gewidmet war, eingenommen worden ist.
Seine Auktion fiel damals mit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers und den ersten Horrormeldungen zur Finanzkrise zusammen. "Das war gutes Timing", sagte Hirst dem "Independent". Er hätte ganz schön Angst gehabt, schon damals nichts mehr zu verkaufen, weil in den Zeitungen nur noch vom Bankencrash zu lesen gewesen sei.
Als Künstler werde er seine Arbeit jetzt aber nicht beenden, nur weil die Menschen sie nicht mehr kauften, sagte der Multimillionär. "Wenn ich neue Werke verkaufen will, werde ich die Preise heruntersetzen."
Damien Hirst wurde in den neunziger Jahren als Kopf der Young British Artists bekannt. Er gilt als geschäftstüchtiger Künstler, der mit seinen Skulpturen und Installation Millionenbeträge erzielt, aber auch immer wieder in der Kritik steht, weil er fast 200 Mitarbeiter beschäftigt, die seine Kunstwerke wie am Fließband mitproduzieren.
chc/dpa
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