Von Marc Hujer
Bevor er nach Afghanistan fährt, lädt ihn der Drei-Sterne-General Karlheinz Viereck wie einen Staatsgast in die Offiziersstube des Einsatzführungskommandos in Potsdam ein. Er hat die Stube festlich eindecken lassen, dunkelrote Servietten, schönes Porzellan, schweres Besteck. Es kommt nur wenig Licht in den Raum, ein altes, muffiges Herrenzimmer, in dem die Zeit stehengeblieben ist, dann kommt die Rinderroulade. Viereck redet über den Krieg in Afghanistan, die Strategie, die Fakten, die Zahlen, und irgendwann wird es Moeller zu viel. Viereck soll mal was Handfestes sagen. "Gibt's da unten auch Panzer?", fragt Moeller.
Ein Reporter der "Bild"-Zeitung begleitet Moeller, der die Reise genießt wie einen Abenteuerurlaub. Moeller macht alles mit, Panzerkonvoi, Hubschrauberausflug, Übungsschießen mit einer Maschinenpistole. Und dann ein echter Alarm. Moeller erzählt: "Unser Konvoi wurde gewarnt: Anschlagsgefahr! Wir mussten sofort auf eine andere Route ausweichen. Es wurde hektisch. Jetzt erst kann ich erahnen, was es bedeutet, hier Soldat zu sein. Eine permanente Anspannung. Das vergessen wir in Deutschland immer schnell."
Er hat sich für die Soldaten schöne Sätze zurechtgelegt, die bedeutungsschwer klingen: "Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Dafür arbeitet ihr jeden Tag. Ich war hier, um die Menschen draußen daran zu erinnern." Es sind die Sätze, mit denen er die Talkshows bedienen will. Politikersätze.
Manchmal verwechselt er noch Minister und Ministerpräsident, aber ist das so wichtig? Es muss krachen in der Politik, "Action, Action, Action", hat Arnold gesagt.
Moeller lässt inzwischen keine Gelegenheit aus, Politiker in Deutschland zu treffen, und wenn sie nach Amerika kommen und Schwarzenegger besuchen, dann ist er, wenn möglich, auch mit dabei. Am Abend von Barack Obamas Wahlsieg steht er im Hilton Hotel in Beverly Hills, wo Arnold Schwarzenegger zu seiner Wahlparty eingeladen hat, und gibt Interviews für deutsche Fernsehsender. Er sagt ihnen, es sei gut, dass Obama gewonnen habe. Seine Frau Annette hat für Obama Wahlkampf gemacht. Er ist jetzt Experte geworden, Politik-Experte.
Er wüsste auch, was er in Deutschland ändern würde. Die Renten würde er schützen, die Steuern senken. Die Deutschen müssten lernen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das hat er in Amerika gelernt. "Man muss den Schwachen helfen, ihnen Starthilfe geben", sagt er. "Aber der Deutsche vertraut zu sehr dem Staat, er ist zu bequem geworden. Das geht nicht so weiter: die ewige Völlerei, Hotel Deutschland mit Vollpension."
Es gibt noch keinen Plan für eine politische Karriere, keinen Masterplan, wie ihn Schwarzenegger hatte, keine Partei, keinen Posten, es gibt nur ein Vorbild. Und damit ein Ziel. Die Frage ist natürlich, ob ihn überhaupt jemand wählen würde. Nordrhein-Westfalen, das weiß er, ist nicht Kalifornien. Aber muss das immer so bleiben?
Seine Freunde in Kalifornien scherzen, dass er einmal Nachfolger von Arnold Schwarzenegger werden könne als Gouverneur von Kalifornien. "Ich mache doch nicht den gleichen Fehler wie Arnold", sagt er. "Er kann nicht Präsident werden, weil er nicht in Amerika geboren ist. Ich werde deswegen lieber Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, dann kann ich später auch Bundeskanzler werden."
Ralf Moeller ist zu sehen auf DVD in " Postal" (WVG Medien); im Kino in "Far Cry" mit Til Schweiger und Udo Kier.
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