Heute lagern moderne junge attraktive Menschen in der künstlichen Wärme der Heizsonde, während sie ihre Bionade oder "Latte" löffeln - manchmal sogar im T-Shirt. Es regnet oder schneit, und die Temperatur liegt knapp über null Grad, aber sie bestehen - "die Freiheit nehm' ich mir!" - um beinahe jeden Preis auf ihrem absoluten Lieblingsgefühl: "Draußen sitzen!"
Man fühlt sich ja sonst nicht. CO2 - ich bin dabei!
Das Phänomen scheint schwer zu erklären, aber es muss sich um die Phantasmagorie eines irgendwie mediterranen, rotwein- und olivenölgetränkten Ambientes handeln: Schöner wohnen, schöner leben, schöner fühlen. So wie im vergangenen Sommer am Meer.
Den Rest besorgen E.on, RWE und Vattenfall.
Ohn' Unterlass brennt der Heizpilz für die umsatzträchtige Luxusspießerromantik, und die voluminösen Plastikvorbauten, eine ästhetische Weltverschmutzung sondergleichen, sorgen zusätzlich dafür, dass man dann doch nicht ganz draußen ist, sondern immer auch ein bisschen drinnen. Man will es ja nicht übertreiben mit dem romantischen Abenteuer und sich am Ende noch eine Erkältung holen.
Auch ohne wissenschaftliche Versuchsanordnung und exakte empirische Erhebungen darf man vermuten, dass zumindest die Hälfte der voll klimatisierten Draußenhocker ihr Wahlkreuzchen bei den Grünen, den Linken oder der SPD macht – der politischen Speerspitze der deutschen Klimaretter. Und auch ohne repräsentative Einzelinterviews dürfen wir annehmen, dass viele von ihnen gerne und ausgiebig über die Verlogenheit und Unfähigkeit der Politiker herziehen, über ihre Doppelmoral und ihren unverschämten Egoismus.
Voilà! Plötzlich taucht es wieder auf, das alltagsmoralische Dilemma:
Was soll ich tun, was soll ich lassen? Darf ich unterm Heizpilz hocken und trotzdem Claudia Roth toll finden? Andersherum: Müssen FDP-Wähler draußen bleiben? Und was würde Thorsten Schäfer-Gümbel empfehlen: Ein dickeres Fell zulegen?
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