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28.12.2008
 

"2008 - Das Quiz"

Wenn Sarah Connor vom Löwenbaby angepinkelt wird

Von Peer Schader

Die wichtigsten und emotionalsten Momente des Jahres hatte die ARD versprochen - was Frank Plasberg in "2008 - Das Quiz" bot, war ärgerlich bis ätzend. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen zeigte zum Jahresende noch einmal richtig, was es wirklich kann: Unterhaltung wie vor 40 Jahren.

Ende Dezember, wenn andere erschöpft in den Seilen hängen, ist bei den Redakteuren des Norddeutschen Rundfunks noch eine ganze Menge kreativer Energie übrig, die sich das Jahr über ungenutzt angestaut hat. Wird die plötzlich freigelassen, kommen die tollsten Ideen dabei heraus. Und die Erkenntnis: Jahresrückblick kann ja jeder. Beim Innovationsmarktführer ARD wird aus einer öden Rückschau, wie wir sie in den vergangenen Wochen schon zigmal gesehen haben, na klar: ein knackiges Quiz.

Frank Plasberg (Archivbild): Klugscheißerpokal des Jahres - für Günter Jauch?
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DPA

Frank Plasberg (Archivbild): Klugscheißerpokal des Jahres - für Günter Jauch?

Wobei: Vielleicht ist das nicht ganz so kreativ, wie es auf den ersten Blick scheint – nach dem "Star-Quiz" (mit Jörg Pilawa), dem "Großen Quiz der Weihnachtsmänner" (mit Jörg Pilawa als Gast), der langen "Quiz-Nacht" (mit Jörg Pilawa), "Pilawas großem Märchenquiz" und dem "Junior-Quiz" (mit Jörg Pilawa), die der NDR in den vergangenen anderthalb Wochen zur Programmvielfalt in deutschen Wohnstuben beigetragen hat.

Vielleicht muss man's aber auch schon innovativ finden, wenn die ARD nun im NDR-Auftrag "2008 – Das Quiz" sendet, und kein einziges Mal Jörg Pilawa darin auftaucht, sondern (huch!) der hochseriöse Frank Plasberg. Der durfte am Samstagabend vier prominenten Kandidaten "die wichtigsten und emotionalsten Ereignisse" des zurückliegenden Jahres in Erinnerung rufen. Also: den Moment, in dem ein Ferkel, das Angst vor Dreck hat, Gummistiefel angezogen bekommt; den Moment, in dem Sarah Connor von einem Löwenbaby vollgepinkelt wird; und den Moment, in dem Florian Silbereisen den aktuell gültigen Kussweltrekord fürs Guinness Buch aufstellt (36 Damen in einer Minute).

Dass Plasberg zwischenzeitlich unbemerkt zu RTL gewechselt haben könnte, wäre die größte Überraschung des Abends gewesen – hätte das ARD-Logo oben in der Bildecke nicht stetig daran erinnert, dass hier das öffentlich-rechtliche Fernsehen zum Abschluss des Jahres noch einmal zeigt, was es alles kann: Unterhaltung wie vor 40 Jahren, mit Fragen, von denen sich zufällig auch ein paar auf die Ereignisse der vergangenen Monate bezogen.

Die meisten davon ließen sich durch ausführliches Studium der "Panorama"-Rubriken in Zeitungen und Online-Medien beantworten, aber das war nicht der einzige Grund dafür, dass zum Schluss Oliver Pocher knapp vor seinem Kontrahenten Günter Jauch und mit haushohem Abstand zu Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Schauspielerin Jutta Speidel gewann (obwohl das eh egal war).

Überhaupt: Jauch und Pocher! Mit größtem Körpereinsatz (Pocher beim Torschuss auf einen Oliver Kahn aus Pappe) und Wortwitz (Jauch beim Kontern von Plasbergs Nickeligkeiten) sorgten die beiden dafür, dass der Abend nicht noch länger wurde, als er es sowieso schon war. Plasberg hingegen hielt es für eine gute Idee, die Bestimmtheit, mit der er sonst den Gästen seiner Politrunde "hart aber fair" entgegentritt, eins zu eins in die Unterhaltung zu übertragen. Das führte zu übertriebenen Spitzen gegen die Promigäste, von denen Jauch sich am meisten anhören musste – über seine Werbeverträge, sein Gehalt und sein Alter – und von Plasberg gleich zu Beginn den "Klugscheißerpokal des Jahres" überreicht bekommen sollte, weil er einen Fehler in einer Frage angemahnt hatte.

Im Politgespräch mag Plasbergs Beiß-Attitüde genau die richtige sein, in einem grundlos in die Länge gezogenen Prominenten-Quiz nervt sie nach einer gewissen Zeit gewaltig. Nachher ätzte Jauch einfach zurück: "Sie sollten öfter scheitern, Herr Plasberg – aber Sie sind ja auf einem guten Wege."

Dabei hielt der TV-Marathon am Ende nicht mal das, was er versprach. Jahresrückblick war "2008 – Das Quiz" nun wirklich keiner, es sei denn, man lässt es gelten, wenn sich vier Promis mit Regenhaube in Duschkabinen stellen müssen, um mit Wasser begossen zu werden, weil sie nicht erraten haben, wie viel Liter Regen pro Quadratmeter beim stärksten Unwetter des Jahres fielen. Und wenn zwischendurch Milch aus aufblasbaren Plastikkühen gemolken werden muss, um an den Streik der Milchbauern zu erinnern, ist das auch eher eine sehr freie Interpretation des Quiz-Gedankens.

Sicher, es wäre ungerecht zu behaupten, dass es in Plasbergs zweieinhalbstündiger Samstagabend-Premiere keine unterhaltsamen Momente gegeben hätte. Ärgerlich ist allerdings, dass sich beim NDR anscheinend die Einbildung durchgesetzt hat, aus Allem und Nichts ein "Quiz" zimmern zu können, mit dem sich das vollgefutterte Weihnachtspublikum dann einen ganzen Abend sedieren lässt – und das dann als "ultimative Show zum Jahreswechsel" zu beschönigen, weil im vorigen Jahr noch keiner dran gedacht hat, wirklich an jedem Tag zwischen den Jahren ein Fernsehquiz zu veranstalten.

Eine flotte Politfragerunde mit knappen Erklärstücken, die ja auch bei "hart aber fair" oft humorvoll gelingen, hätte Plasberg besser gestanden als dieses etwas wahllose Sammelsurium an Das-hab-ich-doch-auch-irgendwo-im-Netz-gelesen-Fundstücken. Und mit mehr Mut zur unterhaltsamen Kommentierung des teilweise absurden Politgeschehens, wie sie "2008 - Das Quiz" ansatzweise geschafft hat, wäre der ARD eine Sendung gelungen, die die Bezeichnung "TV-Premiere" wirklich verdient hätte.

Anmerkung der Redaktion: Diesem Artikel war ursprünglich ein Foto zugeordnet, das nicht Frank Plasberg zeigte. Wir bitten um Entschuldigung.

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