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22.01.2009
 

Verstehen Sie Haas?

Biss es um Sex geht

Von Daniel Haas

Aktuelle Studien zeigen: Teenager wissen viel über Pornos, aber wenig über Verhütung. Müssen sie auch nicht: Ein Bisschen genügt - denn das neue Jugendidol ist ein enthaltsamer Vampirboy.

Die Jugend ist dreist und feige. Das muss so sein. Das war schon immer so. Vor allem Jungs sind Superhelden in ihrer Phantasie und kleine Würstchen im wahren Leben. Man reißt die Klappe auf, macht Sprüche, und wenn ein Mädchen fragt "Gehen wir ins Kino?", bekommt man kein Wort mehr heraus.

"Twilight"-Stars Kristin Stewart, Robert Pattinson: Zähe Nähe
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Concorde

"Twilight"-Stars Kristin Stewart, Robert Pattinson: Zähe Nähe

Jetzt weiß man: Die Jugend ist nicht nur versaut, sondern auch ignorant. Sie weiß alles über Porno, aber fast nichts über Verhütung. Sie kann Gang Bang buchstabieren, hat aber keinen Schimmer von Hygiene oder Geschlechtskrankheiten.

Fazit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Es gibt heute mehr Wissen über Sexualpraktiken, aber wenig Wissen über Dinge wie etwa die Regel oder Verhütung."

Das Fachblatt "Eltern" rät Erziehungsberechtigten daher, das "Gespräch zu suchen", ein Tipp, der dann näher ausgeführt wird. So wird empfohlen, "Informationen scheinbar nebenbei fallenzulassen". Wenn Eltern sich im Auto unterhielten, könne man sicher sein, "dass die Kinder hinten jedes Wort mitkriegen". Dann könnte man beispielsweise über diesen 14-Jährigen reden, der Vater wurde, weil ihm die Kondome nicht passten.

Die Idee ist hübsch, in der Realität aber nicht umsetzbar. Erstens, weil Teenager das Gerede ihrer Eltern nicht ausstehen können. Zweitens, weil sie den iPod eh bis zum Anschlag aufgedreht haben. Vater und Mutter müssten regelrecht schreien.

Er: "Schatz, wie ging doch gleich die Geschichte mit dem 14-Jährigen, der vierfacher Vater wurde!?"
Sie: "Ja, unglaublich, und nur wegen eines Kondoms!"
Er: "Ein Kondom? Oh, das musst du mir aber genauer erklären!"
Sie: "Gern, Liebling. Also, da gibt es ja verschiedene Größen!"
Er: "Von den Kondomen!?"
Sie: "Ja, Schatz, da ist die Industrie heute schon sehr weit!"
Sohn: (mit Kopfhörer, SMS schreibend): "Scheiße, kein Empfang. Hey, kann ich mal euer Handy haben?"

Vorsicht, Wortwechsel!

Zweiter Tipp: "Darauf achten, dass sich ihr Kind nicht angegriffen fühlt." Erwachsene sollen während des Aufklärungsgesprächs "immer die Gefühle von Eltern und Kind" ansprechen. Klingt erst mal gut, aber warum muss man ein eh schon für alle Beteiligten unangenehmes Thema noch unangenehmer machen?

"Also, Clara, für mich ist das jetzt auch blöd."
"Was ist blöd?"
"Na, die Sache mit dem Sex."
"Sex ist blöd?"
"Nein, Sex ist nicht blöd, aber ich mache mir Sorgen."
"Stimmt was mit Vati nicht?"
"Nein! Jetzt hör mir doch mal zu, verdammtnochmal!"

Wenn die Sache zu schwierig werde, könne man auch "ganz zufällig" ein Aufklärungsbuch liegen lassen.

Wie muss man sich das vorstellen? Über das Haus werden Sexratgeber verteilt? "Und Klaus, bring noch drei von diesen Büchern mit, du weißt schon. Das im Bad und die zwei im Wohnzimmer hat er übersehen."

Oder man benutzt die Aufklärungsschwarten dezent als Accessoires. "Bitte nicht die Flasche auf den Tisch, Sören, das gibt Ränder. Hier, nimm das Buch."

Außerdem vom "Eltern"-Magazin empfohlen: "Sich in die Denkwelt des Kindes einfühlen." Passend für den Gesprächseinstieg seien Vorabendserien. Teenies würden gern über das Verhalten ihrer Helden im Fernsehen sprechen, und Eltern könnten "ganz nebenbei" - praktische Informationen weitergeben.

Den Teenager möchte ich sehen, der seine "Hannah Montana"-Folge mit Vater und Mutter anschauen will.

Mutter: "Ach, da ist ja wieder dieses nette Mädchen! Hubert, das nette Mädchen ist wieder im Fernsehen!"
Und während Sohnemann oder Tochter peinlich berührt vor sich hinbrüten:
Mutter: "Also, die ist ja hübsch. Wenn die nicht mal schon Sex hat!"
Vater: "Ja, jetzt wo du's sagst, klar hat die Sex, aber hallo!"
Mutter: "Was meinst du denn, Philipp?"
Sohn: "Ich meine, ihr seid pervers."

Pubertät mit/ohne Biss

Bei all der Anstrengung von Pädagogen und Jugendforschern: Die Sorge um das Wohl der Heranwachsenden ist womöglich unberechtigt. Denn die Teenager haben ein neues Idol, das so viel mit Sex zu tun hat wie die Lehman-Brüder mit Ausgabendisziplin. Edward heißt der Vampirboy, der in Stephanie Meyers Romanen ("Biss zum Morgengrauen") und jetzt auch im Kinofilm "Twilight" Jugendlichen den Kopf verdreht.

Edward, gespielt vom Newcomer Robert Pattison, ist schön, seine Haut eiskalt. Mit seinen roten Lippen und dem bleichen Teint sieht er aus wie ein angehender Crossdresser oder der Mime eines expressionistischen Varietés. Er ist ein Gentleman, wie ihn sich Manierenapostel nicht besser ausmalen können. Er hält Mädchen die Autotür auf, vor einem Rendezvous macht er dem Vater der Betreffenden die Aufwartung, und statt Videogames spielt er Klavier.

Entscheidend: Für Edward ist schon Knutschen eine Zumutung. Offiziell, weil er sich beherrschen muss, nicht die Kontrolle zu verlieren und seine Liebste zu beißen, aber die Metapher ist ja klar: Es geht um Beschränkung, um Keuschheit.

Schwangerschaft und Verhütung sind in dieser Welt kein Thema. Das Ideal heißt Coolness, ein Bisschen Körperkontakt, mehr nicht. Eltern, regt euch ab. Die Jugend beißt sich auch ohne euch durch.

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insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.01.2009 von peterimho: Wunderbare Dialoge und Beschreibungen!

Immer noch ein bisschen zaghaft, aber doch schon einigermaßen dem jungen Trend zur Trennung von Sex und Liebe Rechnung tragend. Woher kommt denn der Unwille vieler junger Menschen, sich von ihren Eltern aufklären zu lassen? [...] mehr...

22.01.2009 von Zuul: Das wird schon

Der Artikel wäre in der Rubrik SPAM besser aufgehoben. Hr. Haas schreibt am Thema vorbei, dafür hätte es früher eine 5 gegeben. Ob er Kinder hat, bekommt man in 5 Minuten Internetrecherche leider nicht heraus. Kinder kann man [...] mehr...

22.01.2009 von Olaf: Titel

Da werden Sie als Eltern gar nicht gefragt. Unsere Kinder wurden in der 3. Klasse Grundschule aufgeklärt, obwohl sie das eigentlich nicht wissen wollten, wie sie uns sagten. War aber Teil des Lehrplanes und sicherlich [...] mehr...

22.01.2009 von farang: Danke !!

Ihr Beitrag war eine Offenbarung erster Güte, klar, leben ohne TV. Ich habe so was schon geahnt, aber jetzt wo sies schreiben. Ja, sie haben absolut recht!!! Man sollte Kinder vor dieser Medienmaschinerie beschützen, dass [...] mehr...

22.01.2009 von farang: wie bitte??

H I L F E !!! ... enthaltsamer Vampiboy, oh mann , wer denkt sich denn so einen Schmarri aus? mehr...

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