Von Hobbykoch Peter Wagner
Lust auf Kuchen? Aber keine Lust auf Selberbacken? Kein Problem, einfach bei Heinz-Georg Kramm aus Düsseldorf-Oberbilk, in volksmusikalischen Kreisen eher als Heino bekannt, anrufen – und schon backt Ihnen der gelernte Bäcker in seinem "Rathaus Café" in Bad Münstereifel (Marktstraße 18 in Bad Münstereifel Tel. 02253/66 50) seine weltberühmte Nusstorte. Wie? Glauben Sie nicht?
Stimmt auch nicht, das heißt: Nicht ganz. Kramm absolvierte nämlich in den fünfziger Jahren tatsächlich eine Bäckerlehre, und hat heute in seinem Café eine Nusstorte im Angebot – hergestellt in eigener Backstube, wenn auch wohl eher nicht von ihm persönlich.
Leider ist die Torte nicht identisch mit dem bundesweit vertriebenen Backwarenprodukt "Heino's Hasel-Nuss-Torte" (echt nur mit diesen beiden Original-Schreibfehlern). Ein Kuchen, der scheinbar gefahrlos genossen werden kann, wirbt doch auf der Verpackung Heino persönlich, der noch dazu das Rezept auf seiner Internet-Seite zum Download anbietet. Nein, er hat nichts zu verstecken: "250g weiche Butter, 1 Prise Salz, 2 Päckchen Vanille-Zucker und 300g Zucker schaumig rühren, 5 Eier nach und nach unterrühren. Dann 200g Mehl, 6g Backpulver, 60g gehackte Bitterschokolade, 140g geriebene Haselnüsse und 140g gehackte Haselnüsse trocken vermischen und mit dem Löffel unter die Buttermasse rühren. Eine Springform mit weicher Butter einstreichen und dünn mit Mehl ausstreuen. Die Masse gleichmäßig verteilen und im Umluftofen bei 180 Grad 35–40 Minuten backen. Die ausgekühlte Torte dann mit Schokoladenglasur übergießen und mit ganzen Nüssen dekorieren."
Das Prickeln auf der Zunge verrät jedenfalls, dass die Fabrik Polyglycerin-Polyricinoleat verwendet hat. Ganz zu Schweigen von den Natriumacetaten, die nur wenige Minuten nach dem Verzehr unseres Teststückes gemeinsam mit den Diglyceriden und den Natriumcarbonaten im Magen Samba tanzten. Auch die meisten anderen "Küchenmeister"-Zutaten wären in Heinos Heilewelt-Kaffeekränzchen nicht wirklich gern gesehen: gehärtetes Fett, Sorbit, Glycerin, Glucose, Lactose, Disphosphate, Sojalecithin und so weiter.
Heino muss sich deshalb jetzt nicht schwarzbraunärgern, denn seine Torte ist beileibe nicht das einzige schwer genießbare Stück aus guter deutscher Nahrungsmittelschwerindustrie. Das zeigt allein der zweite kurze Test – ein Vergleich des im heutigen Rezept frisch gekochten Hirsch/Wild-Gulasch mit verwandten Fertigprodukten. Der Fleischtopf lässt sich bei Bedarf auch in größerer Menge aus frischen Zutaten für weniger als fünf Euro pro Esser vorkochen (idealerweise, wenn es mal wieder am Ende der Jagdsaison günstige Wildfleisch-Sonderangebote gibt) und portionsweise einfrieren.
Die Alternativen, die der kulinarisch-industrielle Komplex anzubieten vermag, können der Zubereitung zu Hause noch nicht einmal nahe kommen. Selbst ein halbwegs schonend hergestelltes Tiefkühlprodukt wie das Hirschgulasch in Wildsoße von Bofrost schmeckt trotz des hohen Kilopreises (22,90 Euro) fad, das Fleisch ist zum Teil flachsig, und die übertriebene Wacholderwürzung stört die Zunge. Das ist kaum besser als die penetranten Nelkennoten, die überwürzten Glutamatbomben oder die dicken, unzerkaubaren Sehnen bei diversen Dosen-Hirschgulaschs.
Deren Zutatenliste ist selten kürzer als bei "Dreistern Hirschgulasch in pikanter Sauce", dem Fertigprodukt einer brandenburgischen Fabrik, das bei vielen Discountern zu haben ist: modifizierte Stärke, Säuerungsmittel Citronensäure, Konservierungsstoff Natriumnitrit, Verdickungsmittel Guarkernmehl, Xanthan, Johannisbrotkernmehl, Milchpulver, Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat, Dextrose, Maltodextrin, Farbstoff E150d.
Da rockt das Gourmet-Gruselkabinett den Chemiepogo.
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Eigentlich sollte man nie etwas "zu schade" finden, wenn man gut kochen will. Aber hier haben Sie nicht Unrecht, denn der höhere Anteil an Bindegewebe in Ihren Fleisch-Partien sorgt für mehr Geschmack in einer lange [...] mehr...
Es ist erstaunlich, wie Herr Wagner beim Thema Zusatzstoffe mit zweierlei Maß misst: Werden sie von der Industrie in günstigen Lebensmitteln verwendet, sind sie scheußlich. Werden sie jedoch von sogenannten [...] mehr...
Zum Einen stört es mein Gerechtigkeitsempfinden wenn diese putzigen chemischen Zutaten in der Molekularküche hip sind und in der Dose pfui, zum Anderen beweist das Beispiel "Hirschgulasch" die Abgehobenheit der [...] mehr...
Wo das beliebte Obst untereinander verwechselt worden sein soll, weiß ich nicht. Fertigprodukte gibt es ja in verschiedenen Kategorien: Das Gulasch oder den Eintopf aus der Dose, die eben 0-8-15 schmecken, aber immerhin noch [...] mehr...
lieber herr Wagner, so begeistert ich ansonsten Ihre artikel lese und ihren esprit schätze, doch diesmal verwechseln Sie leider äpfel und birnen. Außer frage steht, dass selberkochen mit frischen zutaten besser ist und man [...] mehr...
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