Von Ingeborg Wiensowski
Loock selbst ist da nicht so diplomatisch. "Ich halte gerade die Luft an und denke nach, wie man sich an die Situation anpassen kann", sagt er. Aber sein Horrorszenario, dass zum Beispiel drei Monate nichts verkauft wird, sei nicht eingetreten.
Auch seine Kollegin Giti Norbakhsch spricht offen über die Probleme. "Bis Ende Juli habe ich fette Umsätze gemacht, ab September war Stille". Aus dem finanziellen Einbrauch hat sie Konsequenzen gezogen: die Öffnungszeiten eingeschränkt, Mitarbeiter in Teilzeit geschickt, bis jetzt hat sie sich nur für die Teilnahme an der Messe Basel entschieden und große Essen oder Kataloge gibt es bei ihr momentan nicht.
"Das Warten auf Godot macht einen mürbe", sagt sie, allerdings gäbe es auch Positives. Museen melden sich mit Kaufinteresse, und auch Sammler, von denen man länger nichts gehört hat. Auf jeden Fall will sie weitermachen. Und ihr zehnjähriges Bestehen wird demnächst richtig gefeiert.
Bei Thomas Schulte, der als erster Galerist nach der Wende im April 1991 eine Galerie in Berlin eröffnete, ging es im November und Dezember drunter und drüber. "Aber im Januar und Februar liefen die Geschäfte normal und verglichen mit der Situation vor drei und vier Jahren bin ich zufrieden", sagt Schulte. Er hat niemanden entlassen, aber schaut jetzt mehr auf die Kosten. "Für uns", sagt er und meint die gut verdienenden, arrivierten Galerien, "ist die Krise eher gut, aber die jungen Galerien werden es stark spüren."
Eine davon ist Sandra Bürgel, die im September 2006 ihre Galerie eröffnet hat. Sie hat große Umsatzeinbußen, weil "die Sammler abwarten" und grundsätzlich die Preise runterhandeln. Außer der Art Cologne kann sie sich keine Messe leisten, die "Liste" in Basel wird sie absagen müssen, obwohl sie zugelassen ist. Ihr Ansehen als Galeristin sei gewachsen, bei den Verkäufen spüre man das allerdings nicht. Ihre Hauptsorge sei, die nächsten drei Monate zu überstehen. Schwierig, wenn man keine Rücklagen hat. Deswegen arbeitet sie jetzt härter: mehr Akquise, massivere Kommunikation.
Ohne das kommen momentan nur noch die ganz neuen, ganz jungen und noch als Geheimtipps gehandelten Galerien aus. Cruise & Callas zum Beispiel. Im September haben Kirstin Strunz und Simone Lüling in Kreuzberg eröffnet, auf 220 Quadratmetern in einer ehemalige Autowerkstatt. Ihre fünf bisherigen Ausstellungen waren sofort ein Treffpunkt für junge Künstler, knallvoll, gute Stimmung, gute Atmosphäre.
Wenn Freunde beim Renovieren helfen
Freunde haben bei der Renovierung geholfen, Freunde legen nach den Eröffnungen auf, Besucher fühlen sich nicht als Statisten wie in den glamourösen Galerien, weil es hier nicht um Preise und Verkaufen geht, sondern um die Kunst. Inzwischen war sogar Mario Testino da und verkauft wurde auch schon was.
Die beiden Galeristinnen kommen über die Runden, Strunz arbeitet noch nebenher, die Miete ist gering und jeder Künstler macht eine Edition zu seiner Schau - ein Stuhl von Dominik Steiner für 200 Euro, ein Kissen von Ralf Dereich, ein Bildschirmschoner oder einfach ein T-Shirt. Die Finanzkrise sehen die beiden Galeristinnen als Chance für sich, "es gibt weniger Bewerbungen für die Messen, daher könnten wir ausgewählt werden."
Und die Neu-Berliner? Meyer Riegger aus Karlsruhe, seit kurzem mit Dependance in der Friedrichstraße, hat "derzeit keine Probleme". "Aber es ist tendenziell ruhiger geworden, man spürt eine Unsicherheit bei den Sammlern." Auf jeden Fall geht die Galerie zur Messe Basel, die Frieze in London und die Art Basel in Miami habe man abgesagt, nicht wegen der Krise, sondern weil man etwas Neues wie Paris ausprobieren wolle.
Die Krise ist da im Kunstbetrieb, aber sichtbar ist sie noch nicht in allen Berliner Galerien. In den gigantischen neuen Räumen von Sprüth Magers wurde gerade die dritte Ausstellung mit der großartigen Cindy Sherman eröffnet - eine museumswürdige Schau. Und wie immer gab es schon vor der Tür Gedränge, die Szene war lückenlos erschienen, vom neuen Museumschef über den "Star"-Künstler Andreas Gursky bis zum Adabei.
Aber es wird auch besorgt über Entlassungen gesprochen, nicht nur bei der großen Galerie Contemporary Fine Arts, und davon, dass deren Mitarbeiter nun im Privathaus der Galeristen im Keller arbeiten, weil jede Galeriefläche zur Präsentation gebraucht wird.
In vielen anderen Ausstellungen ist es ruhiger geworden, keine nonstop klingelnden Telefone, keine geschäftigen Galeristen, die Sammler herumführen. Besucher treffen auf freundlich bemühte Galeristen und Assistenten, die auch Fragen nach Werken im unteren Preissegment von bis zu 10.000 Euro nicht mit einem schmallippigen "dafür gibt es nichts" abwürgen. Die Zeit der Arroganz ist vorbei.
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Der Geist des Geldes, in der Bibel Mammon genannt, aktiviert nicht alleine den rationalen Verstand. Der Vollständigkeit halber hier noch ein mal mein vielgescholtener Beitrag zu diesem Thema. Die bildende Kunst hat in [...] mehr...
...einfach mal zu ner kunstauktion gehen....aber dann bitte alte kunst.....oder ASIATIKA...oder afrikanische kunst....kann man fortsetzten...90 % idealisten die beim kauf nicht schon an den verkauf denken... die warhol-, [...] mehr...
"...Und nun sei man froh, dass das Entertainment zu Ende ist, dass die Kunst-Shopper verschwunden sind. Man hoffe auf die Wiederbesinnung auf eine Ethik, auf sammelnde Idealisten und auf eine endlich wieder mögliche [...] mehr...
Vielleicht kann sich das Gespräch nach dem Zusammenbruch des Wahns zur Abwechslung mal wieder um Kunst drehen. Das Gespräch übers Geld ist nämlich furchtbar langweilig. Die Langweiler hatten jetzt lange genug das Sagen. mehr...
no money - no honey mehr...
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