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28.02.2009
 

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Merkel will ZDF-Chefredakteur Brender loswerden

Druck von ganz oben: Nach Informationen des SPIEGEL will auch Bundeskanzlerin Merkel den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender loswerden - in der CDU-Parteispitze gilt er als "zu undiplomatisch". Doch immer mehr prominente Unterstützer scharen sich um den Top-Journalisten.

Hamburg - "Die ganze Sache liegt in der Person Brender begründet, nicht in seiner politischen Einstellung", sagte ein der Parteispitze Vertrauter dem SPIEGEL. Brender sei zu undiplomatisch. Mit anderen, ebenfalls als SPD-nah eingestuften Top-Journalisten der öffentlich-rechtlichen Anstalten habe man weniger Probleme. Sowohl Ulrich Deppendorf, Leiter des Hauptstadtstudios der ARD, wie sein ZDF-Kollege Peter Frey hielten sich "an die Spielregeln". Brender dagegen sei "unberechenbar".

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: "Unberechenbar"?
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AP

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: "Unberechenbar"?

Seit Wochen wird über den Posten des ZDF-Chefredakteurs heftig gestritten. ZDF-Intendant Markus Schächter möchte Nikolaus Brender gern als Chefredakteur weiterverpflichten, wenn dessen Vertrag 2010 ausläuft. Doch die konservative Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat will Brender nicht mehr. Zwar liegt die Verantwortung für die Besetzung des Chefpostens laut ZDF-Staatsvertrag beim Intendanten, dieser soll sie jedoch "im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat" treffen.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ist auch stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hatte Koch Anfang der Woche klar Position gegen Brenders Weiterbeschäftigung bezogen. Kochs Begründung zielte allerdings auf angeblich mangelnden Erfolg der ZDF-Informationssparte ab - mit teilweise äußerst fadenscheinigen Argumenten. Der Ministerpräsident vermied es in dem Gespräch, direkte und konkrete Kritik an der Person Brender zu üben.

Im ZDF-Verwaltungsrat sitzt auch der Merkel-Vertraute und Ex-CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann. Aus der Bundes-CDU heißt es, dass es Brender aus ihrer Sicht mit seinem öffentlich-rechtlichen "Katholizismus" übertrieben habe.

Deutsche Spitzenjournalisten haben sich reihenweise an die Seite Brenders gestellt - von der "FAZ" über die "Welt" und die "Süddeutsche" bis hin zu "Handelsblatt" und "Zeit" hatten deutsche Zeitungen dem Chefredakteur ebenjene Unabhängigkeit attestiert, die der Union augenscheinlich missfällt. Brender hatte beispielsweise darum gebeten, dass Wünsche und Kritik von Politikern künftig schriftlich statt am Telefon geäußert werde. Dadurch würden Versuche der Einflussnahme der Politik auf öffentlich-rechtliche Programm-Macher dokumentierbar.

Aus dem eigenen Haus bekommt der Chefredakteur ebenfalls starke Unterstützung: Journalistische Spitzenkräfte des ZDF, von Claus Kleber über Maybrit Illner bis hin zu Guido Knopp, warnten in einem offenen Brief vor "gefährlicher Einmischung der politischen Parteien" und stärkten Brender den Rücken. Der Kreis der Unterstützer wächst von Tag zu Tag.

Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates sprach sich dagegen für Brender aus. Bereits am Mittwoch hatte Beck den Verdacht geäußert, der Druck auf Brender komme nicht nur von Roland Koch und Bayerns früherem Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), sondern auch aus Berlin. Er rief die "nicht so eng gebundenen Mitglieder" im ZDF-Verwaltungsrat dazu auf, in der Debatte über Brenders Vertragsverlängerung dem Mainzer Sender nicht mit parteipolitischen Machtspielen zu schaden. "Dieser Appell geht tief ins Kanzleramt", sagte Beck.

Unterstützung erhält Brender nun auch vom ehemaligen Intendanten des Senders, Dieter Stolte: "Ich kenne Nikolaus Brender als erfahrenen, kompetenten Chefredakteur, ein echter Profi", sagte er dem SPIEGEL. Sein Nachfolger Markus Schächter habe offenbar die gleichen guten Erfahrungen gemacht, sonst würde er ihn nicht wieder vorschlagen wollen.

Der Verfassungsrichter a. D. Dieter Grimm, ehemaliges Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat, kritisiert die Aufsichtsgremien: "Es ist ein Fehler, dass gerade die außerparteilichen Vertreter nicht unabhängig bleiben", sagte er dem SPIEGEL. "So haben die Parteien leichtes Spiel." Der ehemalige WDR-Chef Fritz Pleitgen bemängelt das Verhalten der Parteien: "Das hat mit Staatsferne nichts mehr zu tun. Das ist ein Fall für das Verfassungsgericht."

cis/dpa/AP

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14.05.2010 von Grünschnabel?:

War das nicht schon immer so? mehr...

10.04.2010 von malbec freund: ZDF/Brender

mal abwarten, ohne Brender. Sollte jetzt diese Dauerberieselung von "Hitler und seine....." im ZDF aufhören dann wissen wir ja wer sein Befürworter bis hierher war. mehr...

26.03.2010 von lupenrein:

Beck ist wohl nur für das ZDF zuständig. Eine Klage auch gegen den ARD- Staatsvertrag dürfte mit groéer Wahrscheinlichkeit im Anschluss folgen. mehr...

25.03.2010 von DerBlicker: der ist lustig

und warum klagt er nicht gegen den Staatsvertrag bei den Rotfunksendern WDR und NDR? Da sieht es nicht besser aus als beim ZDF. mehr...

25.03.2010 von lupenrein:

Kommt jetzt Bewegung in den ZDF-Sumpf ? http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/medien/818/506983/text/ mehr...

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