Von Hobbykoch Peter Wagner
Ich muss gestehen, dass ich schon seit Wochen dieser Kolumne entgegenfiebere. Denn seitdem mir die Meldung über die Veröffentlichung des Buches "Lafer nimmt ab - so werden Genießer schlank" ins Haus geflattert ist, weiß ich den ersten Satz meines Textes. Ohne an dem Buch auch nur gerochen zu haben.
Bitte sehr: Johann Lafer hat 15 Kilo abgenommen, davon drei an der Nase.
Ein Satz, der natürlich boshafter Unsinn ist. Das heißt, nicht ganz: Die dauergrinsende TV-Kochmütze hat im Jahr 2008 tatsächlich 15 Kilo Lebendmasse verloren. Bei einem Startgewicht jenseits des Doppelzentners dürfte er zwar noch immer nicht ganz olympiareif sein, aber Lafer wäre nicht Lafer, wenn er nicht auch diesen Erfolg nach allen Regeln der Vermarktungskunst ausschlachten würde: Es gibt da draußen ja Millionen mollige Männer jenseits der 50, denen der Johann Mut zusprechen kann.
Neben der nahe liegenden Methode, überflüssige Pfunde zu verlieren (Arsch hoch, weniger essen), gibt es nun also auch den Laferweg zum enger geschnallten Gürtel. Der besteht im Grunde zwar aus eben diesen Komponenten: Ernährungsumstellung und Bewegung. Doch Lafer hielt sich nicht lang mit "Brigitte"-Diäten auf, sondern engagierte eine Fitnesstrainerin sowie den Diätpapst Detlef Pape ("Schlank im Schlaf"). Schon die Entscheidung, täglich mit einer Privattrainerin zu sporteln, zeigt, dass der Schlaf allein wohl doch nicht als Fettburner gereicht hätte.

Anschließend folgen seitenweise Theorien und Übungsanleitungen, die Schlankschläfern und Bodenmatten-Turnern hinlänglich bekannt sind. Beachtlich sind diese Seiten eigentlich nur, weil sie beweisen, dass dem Nasenmann auch nach dem 30. Liegestütz nicht das Brikettgrinsen aus dem Gesicht fällt. Geschenkt!
Erst auf den letzten 70 Seiten wird das Buch interessant, zumindest für alle, die hochwertige Rezeptideen für eine Insulin-zentrierte Ernährungsweise suchen. Denn Lafer ist in erster Linie noch immer der Sternekoch mit Zubereitungsideen jenseits ausgelatschter Rezeptpfade.
Deshalb finden sich hier für die drei klassischen Diät-Tagesphasen Gerichte, die man in solchen Büchern sonst nie sichtet (morgens Zucker, Kohlenhydrate und wenig Fett; mittags kein Fett und Zucker, aber Kohlenhydrate; abends Fett und Eiweiß, aber kein glykemisch belastendes Karbon; immer fünf Stunden Esspause dazwischen). Kirsch-Marmelade mit Chilis zum Beispiel, Möhren-Minz-Tatar oder gedämpfte Seezungenröllchen mit süß-scharfer Currysauce bis hin zu fast sternewürdigen Rezepten wie "Entenbrust mit Maronenkruste auf Kürbis-Orangen-Graupen" oder "Wolfsbarsch mit Muscheln und Garnelen im Paprika-Safran-Sud".
Schön, dass auch entschlackte Gassenhauer wie Kalbsschnitzel, Pizza und Omelett dabei sind. Weniger schön, dass man sich, um dort hin vorzustoßen, erst 113 Seiten voll-lafern lassen muss.
Auch nachfolgendes Rezept schafft es, einen seit Menschengedenken völlig zu Recht als Fettpresse geschmähten Küchenklassiker so abzuspecken, dass er in die aktuellen Insulin-Diäten passt. Mussaka wird in Griechenland üblicherweise schon am Vormittag mit Unmengen Öl, mehlschwitzender Bechamel und weitaus mehr Kartoffeln als Auberginen (und eventuell Zucchini) zubereitet, und sabscht dann den ganzen Tag bis zum Abendessen im Wärmebad vor sich hin, um schließlich mit einer halben Flasche Ouzo im Nachgang mühsam verdaut zu werden.
Das ist sicher sinnvoll für griechische Hochgebirgs-Schafhirten, die im Laufe des Tages 248 Zicklein einzeln auf den Berg Athos hinaufgetragen haben.
Wenn Sie aber das Gefühl haben, nicht unbedingt 3780 Kilokalorien beim Dinner zu sich nehmen zu müssen, halten Sie sich einfach an nachfolgendes Rezept und seine zwei Tricks (weitgehender Verzicht auf Fette und "böse" Kohlenhydrate, sowie das langsame Abkühlen mit dem Beschwerungsdeckel).
Damit können sogar Lafer-Hasser abnehmen. Nicht nur an der Nase.
Buch Johann Lafer/Detlef Pape: "Lafer nimmt ab". Gräfe & Unzer, München; 192 Seiten; 19,90 Euro; ISBN: 978-3833815263.
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