Von Markus Brauck
Hamburg - Es war ein Brief von Ex-Familienministerin Christine Bergmann, der Sprecherin des SPD-Freundeskreises im ZDF-Fernsehrat, der Intendant Markus Schächter dazu brachte, sein Schweigen in Sachen Brender zu brechen. So kam das Thema, das nicht auf der Tagesordnung stand, doch noch in die Sitzung. In einem ausgewogenen, nicht schönfärberischen Bericht, so heißt es aus dem Kreis der Sitzungsteilnehmer, habe er Stellung genommen zu den Vorwürfen von Hessens Ministerpräsident Roland Koch.
Der will Chefredakteur Nikolaus Brender ablösen, und er begründet das mit den schlechten Quoten von "heute", "heute journal" und "Auslandsjournal".
Der Intendant gestand zwar Quotenschwächen etwa bei "heute" ein. Im Vergleich zu den Quotenverlusten von Nachrichtensendungen in anderen Ländern stünden die ZDF-Marken jedoch eher besser da. Als Schwächen in der Informationsabteilung sah Schächter die Themen Verjüngung und Wirtschaftskompetenz.
Der von manchem befürchtete offene Angriff auf Chefredakteur Brender von Seiten der Union blieb hingegen aus. "Demonstrativ friedlich" sei die schwarze Seite gewesen, sagt ein Teilnehmer. Zwar sei der Fernsehrat für die Personalie Brender an sich nicht zuständig, zudem schade die öffentliche Diskussion dem Ansehen des Senders, hieß es.
Doch die Union signalisierte auch, man sei nicht auf Krawall aus und es müsse eine Lösung gefunden werden, die von allen akzeptiert werden könne. "Das kann aber nur eine mit Brender sein", so ein Teilnehmer von SPD-Seite. "Schächter weiß nun, dass der Fernsehrat hinter ihm steht, auch wenn er seinen Kandidaten Brender nicht durchbringt", heißt es von Unionsseite.
Schächter steht nach der Sitzung jedenfalls gestärkt da. Der Fernsehratsvorsitzende und CDU-Politiker Ruprecht Polenz fasste die Diskussion zusammen und sagte in Richtung Intendant: "Der Fernsehrat vertraut Ihrer Arbeit."
Der ZDF-Intendant will den Streit um die Vertragsverlängerung von Brender nun durch ein unabhängiges Gutachten entschärfen - offenkundig auch ein Versuch, Zeit zu gewinnen.
Es gehe darum, die Zuständigkeiten von Intendant, Fernsehrat und Verwaltungsrat aus einer unabhängigen Perspektive zu klären, sagte Schächter. Daher werde er seinen Vorschlag, den Vertrag des Chefredakteurs um weitere fünf Jahre zu verlängern, nicht wie angekündigt bereits in der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates am 27. März vorlegen. Zunächst solle die in Auftrag gegebene Expertise klären, nach welchen Kriterien der Verwaltungsrat seine Entscheidung über die Personalie zu treffen habe. Schächter betonte: "Nikolaus Brender ist und bleibt mein Kandidat für das Amt des Chefredakteurs."
Für Roland Koch wird es nun nicht unbedingt leichter. Schon am Abend vor der Sitzung war die Stimmung im Unions-Freundeskreis nicht besonders gut. Mehrere Mitglieder kritisierten, dass er die öffentliche Diskussion losgetreten und die Begründung, die Quoten seien schlecht, in einem Interview nachgeschoben habe. "Die Verärgerung darüber war flächendeckend", sagt ein Teilnehmer.
Mit Material von dpa
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