Hamburg - "Unfassbar Furchtbares ist geschehen. Wie wollen Sie das vergeben? Indem Sie einen Tizian einpacken?", sagte der langjähriger Kurator der Royal Academy in London im SPIEGEL-Interview. Er verstehe, dass sich viele Museumsdirektoren nicht nur in Deutschland gegen Restitutionsansprüche wehren, sagte Rosenthal, der selbst aus einer jüdischen Emigrantenfamilie stammt. Seine Mutter flüchtete aus Deutschland.
Persönlich sei er nie daran interessiert gewesen, früheres Eigentum seiner Eltern wiederzugewinnen. Vergangenheitsbewältigung dürfe nicht zu Lasten der Kunst geschehen, es sei schade, "wenn Werke plötzlich aus der Öffentlichkeit, aus der Sichtbarkeit verschwinden".
Bei der ganzen Diskussion müsse man im Auge behalten, dass der Kunstmarkt in den vergangenen Jahren explodiert sei und Begehrlichkeiten geweckt habe. "Die Leute, die da mitverdienen wollen, erinnern mich an Aasgeier", sagte er dem SPIEGEL. Oft genug werde ein Bild sofort nach der Restitution veräußert, "und so mancher Anwalt erhält 50 Prozent des Erlöses".
Rosenthal plädiert deshalb dafür, das Thema Geschichte werden zu lassen. Man streite ja auch nicht mehr über Kunst, die etwa von Napoleon auf dessen Eroberungszügen nach Frankreich geschafft worden sei. Dieser Umstand sei heute nur noch eine Marginalie der Geschichte. Jede Generation "muss sich neu erfinden.
Was zählt, ist die Gegenwart. Wir alle müssen im Heute leben", begründet Rosenthal im SPIEGEL seinen Vorschlag, über eine Verjährungsfrist nachzudenken. "Wo ziehen Sie sonst die Grenze, sollen Rückforderungen möglich sein, solange noch Kinder, Enkel, Urenkel leben? Noch länger?" In den nächsten Jahren solle Schluss sein, "spätestens, wenn es keine Überlebenden mehr gibt".
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