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18.04.2009
 

TV-Serie "90210"

Wiedergänger in Suburbia

Von Peer Schader

Herzklopfen, Eifersucht, Liebeskummer: "90210" ist die neue Teenie-Serie aus den sonnigen USA. Die Dramen der eigentlich Sorglosen funktionieren nach Schema F und sind thematisch entsprechend öde. Das "Beverly Hills"-Revival ist gut gemacht - doch eigentlich gibt es diese Sendung schon.

Einmal in zehn Jahren gibt es eine Teenager-TV-Serie, die es schafft, dass sich später eine ganze Generation an sie erinnert.

Es braucht dazu bloß: Protagonisten zwischen 15 und 16 Jahren, die aus ihrer bisherigen Heimat nach Kalifornien kommen, wo nicht nur ständig die Sonne scheint, sondern auch eine Menge Altersgenossen mit reichen Eltern wohnen. Für die Außenseiter ist es mühsam, an der neuen Schule Freunde zu finden, dafür umso leichter, in Prügeleien verwickelt zu werden.

Das Schulbiest wartet bloß darauf, einem das Leben schwer zu machen. Aber es gibt da eine Person, bei der das Herz ganz wild klopft, wenn man ihr begegnet. Ständig werden Partys mit Lagerfeuer am Strand gefeiert. Und ganz große Teenagerprobleme gelöst: Liebe. Eifersucht. Und, äh: Liebe.

Wenn man sich als Serienmacher schlau anstellt, packt man noch eine ordentliche Portion Selbstironie obendrauf und spielt permanent die angesagtesten Bands, manchmal, indem man sie einfach in die Handlung einbaut und auf Konzerten auftreten lässt. Fertig ist der Klassiker.

Der ist fürs laufende Jahrzehnt leider schon erledigt, heißt "O.C., California" und wird gerade bei Vox wiederholt (montags bis freitags um 14.05 Uhr). Vielleicht hätte das den Leuten von "90210" vor Drehbeginn mal jemand sagen sollen. Die hätten sich dann nämlich eine Menge Arbeit sparen können.

Prügelei, Verliebtsein, Alkohol - ach ja, und Verliebtsein

Es ist jedenfalls keine besonders clevere Idee, Ende der nuller Jahre eine Teenagerserie mit moderner Optik und coolem Sound drehen zu wollen, die es eigentlich schon gibt. Nicht mal, wenn man dafür einen Klassiker wiederbelebt: "Beverly Hills, 90210" mit Shannen Doherty und Jason Priestley war der Serienhit der Neunziger und bekam wegen des Erfolgs für die etwas älteren Zuschauer das Spin-off "Melrose Place" dazu gedichtet.

Das neue "90210" (diesmal ohne "Beverly Hills") fängt wieder vorne an, nur eben in der Jetztzeit: Die Teenager Annie und Dixon ziehen mit ihren Eltern von Kansas nach Kalifornien zu ihrer Großmutter. Der Papa ist - ganz bodenständig - ausgerechnet Rektor an ihrer neuen Schule, aber eigentlich ein dufter Typ. Am Anfang werden die beiden Neuankömmlinge wegen ihrer Herkunft als "Bauern" verspottet, freunden sich dann aber mit gaaanz unterschiedlichen Charakteren an.

Und - schwupps - ist alles wie immer: Zwanzigjährige spielen Sechzehnjährige, die nicht wissen, wie viel Alkohol sie trinken dürfen, in wen sie sich verlieben sollen, wann es Zeit ist, nach Hause zu kommen und dass Drogen echt ein ziemlich großes Problem werden können.

Wenn man so hinschreibt, mit welchen Dramen sich die Protagonisten zum Auftakt von "90210" herumschlagen, klingt das fast schon komödiantisch: Dixon gerät in eine Prügelei in seinem Lacrosse-Team. Annie trifft einen süßen Jungen wieder, in den sie sich verlieben könnte, wenn er nicht mit der Schulzicke zusammen wäre. Die Zicke verlässt der Schöne zwar wegen Annie, aber zu spät, weil Annie dann schon anderweitig weggeküsst wurde. Im Schultheater gibt es Stress wegen der Rollenverteilung. Und als Bonus dürfen auch die Eltern der Teenager ein paar düstere Geheimnisse haben. Suchen Sie sich bitte welche aus: ein uneheliches Kind, von dem bisher keiner wusste? Schulden? Ehestress?

Alte Stimmen aus neuen Köpfen

Vielleicht hört sich das jetzt biestig an, und ist obendrein ungerecht, denn "90210" ist nicht schlecht gemacht, und die Sonne in Kalifornien scheint auch wieder so schön wie früher. Aber all das reicht eben nicht mehr, um einen Klassiker zu landen. Auch nicht, wenn man als Gaststars die ehemaligen Darsteller Jennie Garth und Shannen Doherty aus der Originalserie dazuholt.

"90210"-Hauptdarstellerin Shenae Grimes erinnert vom Aussehen auch noch sehr an Mischa Barton aus "O.C., California". Und in der deutschen Synchronisation hört es sich so an, als seien einfach wieder dieselben Stimmen wie bei "O.C." verpflichtet worden, nur dass sie jetzt aus anderen Köpfen kommen.

Wenigstens ProSieben hat dazugelernt und zeigt "90210" gar nicht erst zur Hauptsendezeit, sondern gleich am Samstagnachmittag im Doppelpack mit dem vielversprechenderen "Gossip Girl", wofür der Sender den "Mädchen-Samstag" erfunden hat - Jungs schalten also bitte gar nicht erst ein.

Das Angenehme an Teenagerserien ist ja: Sie erledigen sich irgendwann von selbst, weil die Darsteller zu alt werden und man nicht ständig das komplette Cast das letzte Schuljahr wiederholen lassen kann, um niemanden erwachsen werden zu lassen. "O.C., California" hat sich bis zur vierten Staffel gequält und mit einem gruselig-kitschigen Ende verabschiedet. Ob es bei "90210" überhaupt so weit kommen wird, ist nach dem mauen Auftakt ziemlich egal.

Wahrscheinlich lohnt es sich einfach zu warten. Im nächsten Jahrzehnt ist dann ja wieder Platz für einen neuen Klassiker.

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