Können Linke lustig sein? Der Schriftsteller Martin Mosebach, mit dem ich neulich über die Linken und den Humor sprach, hat dazu eine Theorie, und die besagt, kurz gefasst: Nein, sie können es nicht. Wenn die Linken lustig seien, dann wider Willen oder aber in bewusster Distanz zu ihrer Gesinnung. Damit wäre der lustige Linke dann also lustig gegen seine politischen Überzeugungen, ein humorpolitischer Überläufer sozusagen.
Linke Sodann, Lafontaine: Ergriffenheit kennt keine Grenzen
Mosebach ist zum Thema, anders als man vielleicht vermuten sollte, ein bestens geeigneter Gesprächspartner. Da er die größte Zeit seines Lebens in Frankfurt verbracht hat, ist er mehr oder weniger gut mit den meisten Vertretern der sogenannten Neuen Frankfurter Schule bekannt, die sich ab Mitte der achtziger Jahre um die Satirezeitschrift "Titanic" versammelte, also Bernd Eilert, Eckhard Henscheid, Robert Gernhardt, Hans Traxler, F. W. Bernstein und weiteren. Mit Gernhardt verband Mosebach sogar so etwas wie Freundschaft, wenn man bei Gernhardt überhaupt von Freundschaft reden kann.
Tatsächlich funktioniert das SPD-Kabarett bis heute als linkspädagogische Spaßanstalt, bei der den Mächtigen auf die Finger gehauen und den Rechten ordentlich eingeheizt wird. Den aufklärerischen Impetus tragen die sozialdemokratischen Humoreinrichtungen schon im Namen: Sie heißen "Kneifzange", "Distel", "Stachelschweine" oder "Wühlmäuse", denn natürlich geht es dem Selbstverständnis zufolge immer irgendwie subversiv und unbequem zu.
So schunkelt sich das Publikum von Pointe zu Pointe, man lacht über gemeinsame Feinde und erprobte Vorurteile: die Nato will den Krieg, die CDU gehört der Wirtschaft, die Amerikaner sind einfältig und alle Manager Lumpen. Sicher, die vergangenen Jahre waren nicht ganz einfach für das politische Kabarett, erst übernahm Rot-Grün die Regierung, dann gingen ihm mit dem Abtritt von Politikern vom Schlage Kohls und Stoibers die Pappkameraden aus. Angela Merkel eignet sich nicht recht für die Bühne, ihr Witzpotential ist eher gering; jetzt ist auch noch Bush weg, deshalb muss nun die zweite Besetzung herhalten, Ursula von der Leyen, die gestrenge Mutter der Nation, und der gutmütige Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Aber das ist nur noch der halbe Spaß.
Bleibt die "Titanic", seit dem Gründungsjahr 1979 Heimstätte der deutschen Hochkomik und gern genannter Beleg für die Humorfähigkeit der Linken. Der Name fällt zuverlässig in jeder Diskussion zum Thema, was einen zurück zum Zeugen Mosebach bringt, der die Qualität mit der ideologischen Desinteressiertheit der Redaktion erklärt, die Komik also gerade auf die Abstinenz von einer politisch eindeutigen Haltung zurückführt. Folgt man Mosebachs Beobachtung der deutschen Humorlandschaft, dann ist der Grund dafür, dass die Linke, wenn sie sich treu bleiben wolle, nicht wirklich komisch sein könne, ihre Zielgerichtetheit. "Die Linke schreckt zurück vor dem Abgrund der Absurdität", glaubt er. Wenn der Linke eine Humorbombe zünde, habe der Humor-TÜV zuvor sicher gestellt, dass sie garantiert nur in eine Richtung explodiere.
Von Linken wird schon im zweiten Satz verlangt, dass ihnen das Lachen im Halse stecken bleiben müsse. Das ist der humorpolitische Imperativ jeder gehobenen Kabarettsendung, er ergibt sich aus dem Anspruch an die Lebensführung. Der Konservative darf Freude an einfachen Lebensgenüssen haben, an schnellen Autos, ungesundem Essen und dekadentem Umgang, das nimmt niemand krumm, schließlich gilt der Reaktionär als von der Welt verdorben, weshalb ja auch nach der Machtübernahme des Sozialismus das Umerziehungslager auf ihn wartet. "Von einem Franz Josef Strauß hat kein Mensch, sagen wir vorsichtiger, kein Linksintellektueller erwartet, dass er zuerst an die Allgemeinheit und zuletzt an sich denkt", hat Martin Walser in einer Rede an der Humboldt-Universität über Kritik und "Kritikroutine" festgestellt.
Auf dem Linken lasten andere Ansprüche, etwas Feineres, Besseres soll er bewirken. Deshalb ist seine Lebensweise auch grundsätzlich rechtfertigungsbedürftig, weniger beim Volk, das hat sich für solche Details nie wirklich interessiert, aber bei den eigenen Leuten. Der Linke muss immer fürchten, dass jemand hinter ihm steht und die Trauben nachzählt, die er sich in den Mund schiebt - deshalb ist es kein Wunder, dass er mitunter etwas zwanghaft wirkt, so etwas schlägt aufs Gemüt.
Einige haben versucht, dem pietistischen Bescheidenheitsgebot durch demonstrativen Genuss zu entkommen. Sie haben sich, wie Gerhard Schröder, in Brioni-Anzüge geworfen und Pferdelederschuhe von Alden bestellt, Joschka Fischer besitzt seit kurzem eine Villa im Grunewald, aber immer haftet diesen Ausbruchsversuchen etwas Unfreies, eigenartig Fremdbestimmtes an, so als müsste man nachträglich beweisen, wie unabhängig man sich fühlt. "Typisch Neureich" hieß bei uns Zuhause der demonstrativen Genuss, der die gesellschaftliche Unsicherheit des Aufsteigers verrät.
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vielleicht schaut der sich öfter den Spiegel Spam an, oder sonst was lustiges, seine Mundwinkel hängen so herunter, das ist nur weil der so wenig lacht. Ein trauriger Politiker ist nicht so beliebt. mehr...
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dumm nur, wenn man von den 1000% auch wieder 100% verliert. Gruß, Slowboarder mehr...
Deshalb macht man's ja auch ;) Allerdings sind viele ausgestiegen (nicht nur wegen der Steuern), weil man doch mehr Verluste macht als Gewinne. Im Moment sollte man nur Aktien haben, die Dividende zahlen. Dann kann man die [...] mehr...
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