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29.05.2009
 

Umstrittene RTL-Soap

60 Verbände fordern Stopp von "Erwachsen auf Probe"

Keine andere Fernsehshow wird derzeit so aufgeregt diskutiert wie die RTL-Doku-Soap "Erwachsen auf Probe" - und das schon vor der Erstausstrahlung Anfang Juni. Jetzt fordert eine ganze Phalanx von Organisationen, die Sendung nicht zu zeigen.

Die Diskussion um "Big Brother" war nichts dagegen: Wenige Tage vor dem Beginn der umstrittenen RTL-Reihe "Erwachsen auf Probe" hat sich eine ungewohnt breite Phalanx zum Protest gegen die Doku-Soap formiert.

Puppeneltern auf Probe: Basti (18) und Tamara (17) mit Plastikbaby
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RTL

Puppeneltern auf Probe: Basti (18) und Tamara (17) mit Plastikbaby

In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich insgesamt 60 Verbände, vor allem aus der Kinder- und Jugendhilfe gegen die Ausstrahlung der Serie - unter ihnen Pro Familia, die SOS- Kinderdörfer, der Deutsche Lehrerverband, der Deutsche Kinderschutzbund und der Deutsche Hausfrauenbund. Sie alle fordern RTL auf, das Format zu stoppen.

Der Grund: In "Erwachsen auf Probe" sollen Jugendliche nicht nur anhand von Babypuppen den Umgang mit Säuglingen lernen, sondern auch echte Kleinkinder werden eingesetzt - als lebende Übungsobjekte.

Unter dem Titel "Kinder sind keine Ware" forderten die Verbände darüber hinaus die zuständigen Jugendämter auf, notfalls einzuschreiten. Die siebenteilige Serie soll am 3. Juni anlaufen. Die Kommission für Jugendmedienschutz hat bereits angekündigt, die Sendung am folgenden Tag jugendschutzrechtlich zu überprüfen.

Die am Freitag veröffentlichte Erklärung wurde von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung initiiert. Darin heißt es, der "angebliche Zweck der Sendung, Jugendliche auf das Leben mit Kindern vorzubereiten, greift nach Ansicht der Fachverbände zu kurz". Kinder dürften nicht "wie Gegenstände" ausgeliehen werden.

Auch die Jugendlichen, denen die Kinder übergeben werden, "müssen selbst vor öffentlicher Zurschaustellung geschützt werden", zumal sie "aus belasteten Lebensumständen" kämen. "Allen Kindern drohen in der angespannten Atmosphäre des Drehortes schwere Belastungen, die Anwesenheit einer Alibi-Psychologin nützt da gar nichts."

RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt führte die Sorge um die Kinder am Freitag unter anderem auf eine missverständliche Ankündigung ihres Senders zurück und erklärte: "Wir haben vollstes Verständnis für die Sorge, die aufgrund der missverständlichen RTL-Pressemitteilung entstanden ist - dass Kinder mehrere Tage der Obhut ihrer Eltern entrissen werden. Doch diese Sorge können wir zu 100 Prozent entkräften, dies war nicht der Fall. Die Mütter waren fester Bestandteil des Produktionsablaufs und die ganze Zeit in unmittelbarer Reichweite ihrer Kinder."

Unterdessen forderte das Landesjugendamt Rheinland neue gesetzliche Regelungen für das Mitwirken von Babys in Fernsehproduktionen. Die geltenden Vorschriften bezögen sich lediglich auf Filmaufnahmen, bei denen Kinder über drei Jahren im Sinne von Arbeitnehmern tätig würden. Die Beteiligung von Kleinstkindern und Säuglingen in Reality-TV-Formaten sei nur "völlig unzureichend" geregelt, kritisierte das Landesjugendamt in Köln.

Das Kolpingwerk Deutschland wies darauf hin, dass die Fernsehzuschauer es selbst in der Hand hätten, bei "Erwachsen auf Probe" den Fernseher auszuschalten und damit auch über die Zukunft solcher Sendungen mitzubestimmen. "Wenn der Verbraucher solche Formate durchs Raster fallen lässt und nicht einschaltet, werden sie auch nicht mehr von den Fernsehsendern entwickelt", erklärte Kolping-Bundesvorstand Herbert Barthelmes in Köln.

Bundesfamilienministerin von der Leyen hatte bereits zuvor gefordert, die Serie zu stoppen.

sha/dpa

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