Von Jürgen Neffe
Guten Journalisten, gerade auch schreibenden, verspricht die Zukunft aufregende Zeiten, da alle Welt aus aller Welt immer mehr wissen (und verstehen) will - ob sie will oder nicht. Wie kaum einer anderen Berufsgruppe bietet sich ihnen in diesem Moment die einmalige Chance, ihre Branche selber neu zu erfinden und ihre Zunft zu retten, wenn sie das Internet nicht als Problem, sondern als Lösung begreifen.
Dafür müssen sie und ihre Verleger allerdings mit einem ehernen Prinzip brechen und ihre Ware auch in kleineren Sortierungen und Einzelstücken anbieten. Warum sollten sie das tun? Weil die Zeitung der Zukunft als Teil der Multimediawelt einem ständig aktualisierten, dynamischen Patchwork gleichen wird, neben dem die heutigen Druckerzeugnisse geradezu statisch wirken. Weil sich der Textjournalismus als Nachfolger des Printjournalismus, wenn er jenseits von bedrucktem toten Holz als Medium überleben will, genau in diese Richtung entwickeln muss: Jeder Nutzer soll (wie bei anderen Produkten auch) auf die gesamte Palette des Angebots zurückgreifen können.
In diesem Punkt wären Zeitungs- und Zeitschriftenverleger mit ihren Netzangeboten sogar auf dem richtigen Weg, hätten sie sich von Anfang an um ein allgemein einsetzbares Zahlungssystem bemüht. Anderseits wird es, Autorentraum, Texte geben, die Hunderte Millionen zu Gesicht bekommen - etwas, das heute nur Bilder erreichen.
Künftige Leser konsumieren nicht nur ein Blatt, sondern eine Mischung von Geschichten, auch Übersetzungen, von Journalisten, Recherche-Netzwerken und anderen Anbietern aus ihrer Gegend oder der ganzen Welt. Texte bleiben nicht den Lesern einzelner Blätter oder Länder vorbehalten. Reporter ohne Grenzen schreiben prinzipiell für alle, die ihre Sprache lesen können, in Fällen internationaler Bedeutung sogar mehr oder weniger für die gesamte lesende Menschheit.
Zum fest Gebuchten wie täglichem Streiflicht (für ein halbes Cent pro Stück?), Literatur oder Fußball kommt eine Übersicht der wichtigsten, interessantesten und spannendsten Angebote - Geschichten, Infografiken, Kommentare und Konsumtipps des Tages. Um den Blick frei zu haben, für die Hände oder für die entsprechenden Bilder auf dem Monitor, können wir uns Stücke auch vortragen lassen. Dabei könnte plötzlich eine Textform entscheidend werden, die sich als Vorform klassischerweise in Inhaltsverzeichnissen, Überschriften und Vorspännen findet - dann aber verfasst von den jetzigen Twitter-Königen, die auf sehr wenig Raum sehr viel erzählen können: Auch der Teaser entscheidet über den Erfolg eines Textes.
Die auf den einzelnen Leser und seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Zeitung werden spezielle Anbieter - Metamedien - aus national oder weltweit verfügbaren Quellen zusammenstellen, mit denen sie abrechnen können: "Redaktionen" im heutigem Sinne ebenso wie Agenturen und einzelne Autoren. Das kann dann Google-News wie SPIEGEL-News heißen oder der Service eines heute noch nicht existierenden Portals sein.
Bei Abos in allen Preisklassen, vergleichbar heutigen Handytarifen, können sich dann auch Haushalte, die jetzt auf Presseversorgung verzichten müssen, eine "Zeitung" leisten - und damit die durchschnittliche Leserzahl pro Artikel sogar in die Höhe treiben. Das ist die gute Nachricht für die Urheber. Die schlechte: Wenn auch Presseprodukte oder -pakete einzeln nachgefragt werden können, gehen die Gesamteinnahmen zurück. Die Musikindustrie hat neben den illegalen Downloads vor allem dadurch erhebliche Umsatzeinbußen erlitten, dass Konsumenten sich häufig nur noch einzelne Songs und nicht mehr ganze Alben herunterladen.
In den Metamedien, dieser neuen Dimension der Medien, wird Konkurrenz um Qualität und Kunden herrschen wie eh und je. Eine völlig neue Balance zwischen Preis und Leistung wird sich etablieren. Sobald der Markt über die Lesequote von Autoren und Anbietern entscheidet, setzt ein Verdrängungswettbewerb ein, wie ihn die Zunft noch nie erlebt hat. Statt Hunderten Versionen der gleichen Geschichte zum Kirchentag oder zum Amtseid des Präsidenten wird es nur noch ein paar Handvoll oder wenige geben. Weniger Einnahmen für weniger Autoren, die dann aber (mit ihren Arbeitgebern, Agenturen und Portalen) bei entsprechender Qualität, Originalität und Verbreitung sogar bessere Einkommen erzielen können als heute.
Da Geschichten für einen Bruchteil des heutigen Preises zu haben sind, können wir uns als Leser für weniger Geld mehr "Inhalte" leisten, jeweils die besten nach unseren Vorlieben und Wünschen. Wenn wir dann für Peanuts durch den Kosmos der Zeitungen und Zeitschriften zappen können, werden wir am Ende vielleicht sogar mehr lesen als bisher. Gibt es etwas, das sich Journalisten mehr wünschen können? Das Netz hält die Option bereit. Nie standen die Chancen besser als mitten in der Krise, sich am eigenen Schopf aus dem Schlammassel zu befreien.
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..., denn ich schrieb nicht, SPON sei weder populär noch erfolgreich. Ich bezog mich mit meiner negativen Aussage auf den Inhalt..., und der ist bekanntermaßen Geschmackssache. Und wenn die heutigen Leser des SPIEGELS eben ein [...] mehr...
SPON:"Wer sagt, dass Leser für Journalismus im Netz nichts bezahlen wollen? Nur der Preis muss stimmen - und die Portionsgröße: Nicht der starren Voll-Zeitung, sondern auf den einzelnen Leser zugeschnittenen Kombi-Angeboten [...] mehr...
'Tschuldigung: Der Plural zu Status lautet ebenfalls Status, wenn auch mit langem u (das Wort gehört zur u-Deklination, nicht zur o-Deklination). Und ganz korrekt müßte man dann auch noch das Relativpronomen in den Plural [...] mehr...
Nein, Jürgen Neffe, Ihr Artikel beschreibt keine Zukunftsvision, sondern im Gegenteil ist Ausdruck der absoluten Hilfslosigkeit. Ihre Vorstellungen haben sich schon als untauglich erwiesen, alle deutschen Zeitungen und [...] mehr...
Warum sollte ich für Informationen zahlen, die der bestens ausgebildete und nur auf Qualität achtende Journalist nur wenige Minuten vorher bei Wikipedia und/oder anderen Medien abgeschrieben hat? Für echte Qualität im Sinne von [...] mehr...
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