Von Silke Burmester
Wer Til Schweiger in der Rolle des Verführers kennt, wer seine Kombination aus Lässigkeit und ludenhaftem Charme gesehen hat, weiß, warum er die optimale Besetzung für die neue Castingshow von RTL ist. Zumindest, wenn man als Zielgruppe Frauen annimmt. "Hey Baby, ich bring dich groß raus!", lautet das Motto.
"Mission Hollywood" ist nach dem gleichen Muster wie "Germany's Next Topmodel" gestrickt: Zwölf junge Frauen müssen ihr darstellerisches Talent unter Beweis und sich einer Jury stellen. Drei von ihnen werden bereits im ersten Durchgang ausgesiebt, die restlichen neun reisen nach Los Angeles, um "die Chance ihres Lebens" zu erhalten: eine nicht weiter definierte Rolle in der Fortsetzung des Blockbusters "Twilight".
Til Schweiger ist nicht Heidi Klum. Das ist gut so, denn so bleibt dem Fernsehzuschauer jene Boshaftigkeit und sadistische Freude erspart, mit der die Werbefee von McDonald's die Kandidatinnen ihrer Sendung malträtiert. Til Schweiger möchte lediglich ein wenig verunsichern, manchmal Spannung aufbauen, in die Irre führen. Das macht er am Anfang wenig geschickt; er misst noch unsicher den Freiraum aus, den ihm die Rolle als Leiter einer Frauenhorde lässt.
Verwerten mit Experten
Für den professionellen Touch wurden die obligatorischen Experten ins Boot geholt. Zum Beispiel der fest zur Jury gehörende Bernhard Hiller, Coach von Cameron Diaz und George Clooney. Angeblich genügt für ihn ein einziger Blick in die Augen des Betreffenden, um zu erkennen, ob Hollywood-Potential vorhanden ist.
Hinzu kommen wechselnde Filmprominente: Moritz Bleibtreu, der US-Filmproduzent Erwin Stoff, Ute Emmerich und Erotikmodel Carmen Electra. Sie sollen die Schauspiel-Trainees über die Staffel hinweg bewerten, als Etappenbelohnung winken kleine Gastrollen in RTL-Produktionen wie "Doctor's Diary" oder der Teilnahme am Videoclip von Lady Gaga.
Für Til Schweiger, den ewig um Anerkennung in seiner Heimat ringenden Akteur, dürfte diese Sendung eine ganz andere Art des Vergnügens bieten: Als einer der wenigen Darsteller hat er in Amerika in großen Hollywood-Produktionen mitgewirkt. Zum Star ist er dort dennoch nicht geworden. Wohl aber einer, der sich Dank guter Verbindungen nun als derjenige präsentieren kann, der Frauen nach Hollywood holt.
So gesehen ist es die Rache des geschmähten Erfolgsregisseurs, Erfolgsproduzenten und Erfolgsschauspielers, die hier unter der Hand inszeniert wird. RTL spielt das genüsslich aus, wenn "der beste Schauspieler Deutschlands" in entspannter Zuhältermanier im roten Cabriolet durch L.A. cruised, während die Kandidatinnen als kreischende Pin-ups am Straßenrand um Mitnahme betteln.
Knutschmoment vor Koitus-Spezialisten
Die Zurichtung von Frauen als Ware, wie sie die Produktionsfirma Tresor TV bereits erfolgreich bei "Germany's Next Topmodel" erprobte, findet in "Mission Hollywood" ihre Fortführung. Fast ausnahmslos müssen die Kandidatinnen ihr Können vor Männern präsentieren.
Damit diese sich ein wahrhaftiges Bild von den Schauspielkünsten machen können, sollen die Frauen die Orgasmusszene aus "Harry & Sally" vorspielen, den Strip aus "9 1/2 Wochen" sowie die Kussszene zweier Frauen aus "Eiskalte Engel". Der Leistung wird entsprechend des Ausschlags in der Hosengegend von Schweiger, Hiller und Gastjuror Heiner Lauterbach gemessen.
Der Knutschmoment, unterlegt vom Stöhnsong "Je t'aime ... mois non plus" etwa bewirkte bei Schweiger, dass "auf der Erotikskala was ausgeschlagen ist", während Lauterbach sich als Koitus-Spezialist bewährt. "Dieser Orgasmus", sagt er, "hat sich für meine Zwecke, also für mein Verhältnis, hat sich das nach Wehen angehört."
Im Übrigen seien die dargestellten Höhepunkte für ihn zu kurz, er sei da anderes gewöhnt. Und während die Herren die Qualität der weiblichen Höhepunkte ihrem Wertesystem unterziehen, verwehrt sich Schweiger, als "Nippelkönig" in die deutsche Fernsehgeschichte einzugehen. Glück für die Kandidatin, sie darf den BH anbehalten.
Es wäre naiv, sich über diese Darstellung aufzuregen. Im Gegenteil, es ist lobenswert, wenn das Fernsehen die Realität so klar und wahrhaftig abbildet: Die gönnerhafte Pose bleibt ein gesellschaftlich anerkanntes Erfolgsmodell. Und wahr bleibt auch: Männer können einen groß rausbringen. Man muss ihnen nur das richtige Fleisch zeigen.
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Nene noch liegt das Dschungelcamp klar in Führung. Außerdem ist das Format noch ausbaubar. Beim nächsten Mal wohnen die Promis von Anfang an in der Jachegrube oder so ... mehr...
Erstaunlich, dass Sie mehr als 4257 Zeichen benötigen um ihre Sympathie für Schwachsinn zu manifestieren. Viele Beiträge, auch der Ihre, wollen uns sagen dass alles im TV furchtbar ist. Sie hängen vor der Idiotenschachtel, [...] mehr...
Vorab entschuldige ich mich noch wegen dem Doppelpost. Sobald ich weis wie ich ihn rückgängig mache werde ich das tun. Wer hat den gesagt, dass ich die Show für eine seriöse Schauspieler-Casting Show halte?! Ich habe [...] mehr...
Ich entschuldige mich vorab schonmal wegen dem Doppelpost. Versuche das rückgängig zu machen! Wer hat gesagt, dass ich der Meinung bin, dass es sich bei der Show um eine seriöse Schauspieler-Casting Show handelt? Ich hab [...] mehr...
Mit einem seriösen Schauspieler-Casting hat die Show ja wohl nichts zu tun. Aber ich sehe ja schon: Sie haben Schaum vorm Mund. Gut so. Dass die Sendung ins Samstag-Nachmittagsprogramm verbannt wurde, beweist nur, dass der [...] mehr...
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