Von Meredith Haaf
Wissen Sie, wie Phrasen die zu oft gedroschen wurden, jammern? Wer am Vorabend die erste Folge der neuen ProSieben-Sendung "Giulia in Love?!" gesehen hat, weiß es.
Die erste eigene Sendung von Giulia Siegel, Ex-Model, Tochter des Schlagerkönigs Ralph Siegel, zuletzt vor allem für ihre multiplen Tränenausbrüche im Rahmen der RTL-Sendung "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" alias "Dschungelcamp" bekannt, trägt bereits im Titel eine Verunsicherung. Fragezeichen und Ausrufezeichen hinter dem großen L-Wort signalisieren schließlich einen gewissen Mangel an emotionaler Souveränität.
Wer im Alter von 34 Jahren noch immer nicht dazu in der Lage ist, es an der Stelle bei einem Punkt oder wenigstens nur einem Satzzeichen zu belassen, dem darf man wohl einen gewissen Reifeverzug zurechnen. Kein Wunder, dass es bei "Giulia in Love?!" also zugeht, wie bei einer Konfirmandenparty: ein bisschen peinlich, ein bisschen possierlich, ein bisschen pubertär. Nur blöd, dass die Partygäste größtenteils zwischen 30 und 40 waren.
Die unsouveräne Frau aber, das durch Heidi Klum sprichwörtlich gewordene "Mädel", hat im Privatfernsehen derzeit Konjunktur. Das konnte man zuletzt in Sendungen von "Germany's Next Topmodel" bis "Mission Hollywood" gut beobachten. Dort unterwarfen sich junge Frauen bereitwillig dem inszenierten Diktat des Model- bzw. Film-Business. Bei "Giulia in Love?!" heißt das Geschäft eben Liebe. Und in deren Namen machten sich in der Sendung alle Beteiligten klein - die Gastgeberin genauso wie die Männer, die angetreten waren, um Giulia in den Zustand namens Love zu befördern.
Analog zu den üblichen "Bauer sucht Frau"-Sendungen sucht Frau Siegel einen Mann, nachdem sie sich im vergangenen Jahr nach acht Jahren Ehe hatte scheiden lassen. Im Gegensatz zum dürftigen Zuschauerzuspruch (nur 1,1 Millionen Zuschauer, ein mieser Marktanteil von 4,5 Prozent) war das Interesse der ledigen Männerwelt groß: Mehrere hundert Kandidaten waren nach Senderangaben ihrem Ruf gefolgt. Gründe: "Giulia ist eine tolle Frau", "Ich möchte sie gerne heiraten", "Ihre grünen Augen verzaubern mich". Männer sämtlicher Bildungs- und Altersklassen hatten sich zum Casting begeben.
Angesichts der ihr entgegengebrachten Begeisterung musste Frau Siegel "erstmal ein paar Freudentränen hart unterdrücken." Der Zuschauer wiederum hatte gegen den Gedanken "dann hat sie es ja offenbar wirklich nötig" zu kämpfen.
In der ersten Folge ging es nun darum, elf geeignete Kandidaten aus dem Meer der willigen Männlichkeit zu fischen. "Überzeugt mich und gewinnt mein Herz!", rief Frau Siegel den hoffnungsvollen Anwärtern zu. Die Kandidaten reagierten mit den angemessenen Signalen: Johlen, Jauchzen, Klatschen.
Ähnlich wie das auch die beliebtesten Mädchen auf den Konfirmandenpartys tun, kam Frau Siegel zur Bräutigamsschau nicht alleine. Sie brachte ihre engsten Vertrauten mit. Exponat Eins: Die leicht übergewichtige, humorvolle, mäßig attraktive aber auch nicht gerade hässliche beste Freundin Rebecca. Exponat Zwei: Der schwule beste Freund. Frank Mattheé, den Weddingplaner, kennt Giulia Siegel aus ihrer gemeinsamen Zeit bei "Stars auf Eis" - hier schloss sich der Höllenkreis der Realitymaschinerie. Diese Romantik-Taskforce auf der weißen Sofalandschaft lud dann die Herren zum Schaulaufen vor der liebesbereiten Prinzessin.
Der junge Oberfeldwebel mit dem festgezurrten Grinsen
Und wie sie liefen. Und sangen. Und tanzten. Und ihre Sixpacks verglichen und sich draußen vor der Tür auch sonst genauso verhielten, wie man sich als Kandidat dieser Sendungen eben zu verhalten hat - von gegenseitigen Solidaritätsbekundungen bis zu offen zur Schau gestelltem Penisneid war alles dabei.
Der junge Oberfeldwebel mit dem festgezurrten Grinsen erzählte Giulia von seinem Schutzengel - er hatte seine Hausaufgaben gemacht, Frau Siegel hat nämlich ein ganzes Buch zu dem Thema verfasst. Maik, 18-Jähriger Besitzer eines extrem langen Glieds, das auf den Namen Stanley hört, holte dieses vor der Jury hervor, um Frau Siegel zu beeindrucken.
Und Tobi, ein nicht so durchtrainierter selbst ernannter Knusperbär spielte Pantomime. Auch Giulias 14-Jähriger Sohn durfte kurz seine Meinung sagen: "Die wollen alle nur Eindruck schinden." Ein geschmähter Verehrer lehnte sich auf: "Dass sie so arrogant ist, wusste ich nicht. Wenn mich Barbra Streisand abgelehnt hätte, das könnte ich verstehen. Aber diese hier, einen Mann wie mich abzuweisen? Sie ist doch nur eine Tochter, sonst nichts."
Immer wieder ließ Giulia Siegel vernehmen, wonach sie sucht: "Mir ist bei einem Mann wichtig, dass er männlich ist, Ecken und Kanten hat, und dass er mich allein in der Küche lässt." Auch legt sie keinen Wert auf Partizipation ihres Partners im gemeinsamen Haushalt.
Wie sie schon vor zwei Jahren dem Magazin "Maxim" erklärte, findet Giulia Siegel es nämlich "total unerotisch", wenn Männer putzen oder sich ähnlich profanen Tätigkeiten widmen. "Ich liebe es, meinen Mann zu bedienen," bekräftigte sie dann noch mal bei ProSieben. "Er soll heimkommen und erstmal ein Bierchen trinken, bevor er sich dann Zeit für die Kinder nimmt." Und beim Sex müsse der Mann männlich sein und ihr das Gefühl geben, eine Frau zu sein - was auch immer das beim Sex zwischen Mann und Frau bedeuten mag.
Interessant an der Sendung war nur eines: Die Diskrepanz zwischen Frau Siegels zur Schau gestelltem Bedürfnis nach der Bestätigung durch einen Mann und ihrem Anspruch, das Heft in der Hand zu behalten. Am Ende wurde es aber wieder so schön einfach, dass der Gott der kleinen Stereotypen sicher Freudentränen hart unterdrücken musste. Frau Siegel überreichte Rosen und Kakteen - und als kleine Überraschung waren es dann doch die Kakteenempfänger, die mit ihr in die Sendungsvilla am Starnberger See einziehen dürfen.
Tja, so sind Frauen eben: unberechenbar. Und Männer machen sich für sie liebend gern zum Affen.
So sieht sie aus, die Welt bei ProSieben.
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Seit wann ist denn "wer" ein Personalpronomen? mehr...
Um nicht ganz unfair zu sein, möchte ich noch ergänzen: Die jungen Leute von heute haben das Verhalten manchmal schon von ihren Eltern abgeguckt, denn diese haben sich zum Teil genau so infantil benommen und fanden/finden das [...] mehr...
Mal abgesehen davon, dass es mit doch optimistisch stimmt, dass das eigentliche Thema dieses Threads offensichtlich so unwichtig ist, dass man lieber über Grammatik diskutiert, Ihre Frage sollte Ihnen doch schon etwas peinlich [...] mehr...
... ich ab mir das auch mal angeschaut, aber angesichts der Tatsache, dass er in der Folge noch den "Interlektuellen" Ignoranz empfiehlt, anstatt Ignorieren halte ich das dann doch leider für unwahrscheinlich ... mehr...
hm, ich würde dem foristen unterstellen dass er es absichtlich so geschrieben hat... mehr...
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