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12.07.2009
 

Britischer Presseskandal

Labour wittert Informationsleck bei Londoner Polizei

Der Skandal um die Handy-Schnüffelei britischer Boulevardreporter weitet sich aus: Reporter sollen nicht nur Telefone von Prominenten abgehört haben - nun gerät auch die Londoner Polizei in Verdacht, vertrauliche Informationen an Journalisten verkauft zu haben.

London - Der Polizei der britischen Hauptstadt könnten höchst unangenehme Befragungen bevorstehen: Mitglieder des Parlaments wollen die Nachforschungen im aktuellen Presseskandal auch auf die Metropolitan Police ausweiten. Es bestehe der Verdacht, dass Beamte regelmäßig bezahlt worden seien und im Gegenzug vertrauliche Informationen über Prominente und Verdächtige weitergegeben hätten, berichtet die britische Zeitung "Guardian".

"News of the World"-Logo: Verdacht gegen die Londoner PolizeiZur Großansicht
AP

"News of the World"-Logo: Verdacht gegen die Londoner Polizei

Labour-Abgeordnete wollen demnach am kommenden Dienstag entscheiden, ob die Ermittler nun auch untersuchen sollen, wie Detektive etwa an Vorstrafenregister gelangten oder Datenbanken für Autokennzeichen anzapften, um die vertraulichen Informationen an Journalisten zu verkaufen.

In der letzten Woche hatte Scotland Yard entschieden, die Ermittlungen im Skandal um die Handy-Schnüffelei britischer Reporter nicht zu erneuern. Die Vorwürfe sind demnach bekannt, bereits vor drei Jahren hatte die Polizei die Handy-Abhörpraktiken untersucht. Das Ende der polizeilichen Überprüfung allerdings macht Abgeordnete der Labour Partei nun misstrauisch. Sie fordern weitere Ermittlungen und damit die Gewissheit, dass die Polizei nicht Schmiergelder in den eigenen Reihen vertuschen möchte, berichtet der "Guardian".

Tory-Berater im Kreuzfeuer

Mit Hilfe von Detektiven hatten sich Journalisten der Sonntagszeitung "News of the World" im großen Stil in Mailboxen der Mobiltelefone eingehackt, um aus den Sprachnachrichten vertrauliche Informationen für ihre Geschichten zu ziehen. Unter den bis zu 3000 im Jahr 2006 ausspionierten Prominenten sollen auch die Schauspielerin Gwyneth Paltrow, der Popsänger George Michael, das Supermodel Elle MacPherson und der frühere Vizepremierminister John Prescott sein.

Drei der Ausspionierten zogen vor Gericht, als sie Wind von der Verletzung ihrer Privatsphäre bekamen. Aber sie wurden laut "Guardian" mit insgesamt über einer Million Pfund zum Schweigen gebracht. Allein die außergerichtliche Einigung mit dem Boss der britischen Fußballer-Gewerkschaft, Gordon Taylor, soll 700.000 Pfund gekostet haben.

Der Presseskandal setzt auch den britischen Oppositionsführer David Cameron unter Druck. Denn der damalige Chefredakteur der "News of the World", Andy Coulson, ist inzwischen Medienberater Camerons, der als nächster britischer Premierminister gehandelt wird.

Chefstratege Coulson fand sich in der letzten Woche auf sämtlichen Titelseiten wieder, also genau da, wo Spindoktoren eigentlich nie auftauchen sollten. Mehrere Labour-Politiker forderten bereits seinen Kopf. Zwar stellte sich Cameron sogleich hinter Coulson. Er leiste exzellente Arbeit, sein Job sei sicher, sagte der Tory-Chef.

Doch die Labour-Partei wittert Munition gegen den scheinbar unschlagbaren Gegner. Die Labour-Abgeordneten beteuerten zwar, ihre Forderung nach weiteren Ermittlungen sei nicht durch Hetzerei gegen die Tories motiviert. Wenn erneute Nachforschungen allerdings weitere üble Machenschaften unter der Ägide Coulsons ans Licht brächten, könnte das auch Camerons Ruf empfindlich schädigen.

cpa

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