Berlin - Wie schon das Original vor über 40 Jahren ist die geplante Aussprache zwischen dem Verlag Axel Springer und seinen einstigen Gegnern aus der Studentenbewegung der sechziger Jahre geplatzt. Dies teilte die Axel Springer AG am Samstag mit.
Die damaligen Akteure hätten das Gesprächsangebot des Verlages "leider zurückgewiesen und damit die Chance zur erneuten Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und der der damaligen Gegner vertan", sagte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner. Er bedauere sehr, dass sein Interesse an einem ernsthaften Dialog nicht erwidert worden sei. Dazu hätten auch ausdrücklich die journalistischen Fehler gehört, die der Springer Verlag damals gemacht habe. Auch der Initiator der Neuauflage des Springer-Tribunals, der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, Thomas Schmid, zeigte sich enttäuscht.
1968 hatten sich Studenten zu einem ersten "Springer- Tribunal" gegen den Verlag getroffen. Sie warfen den Springer-Zeitungen vor, mit "hetzerischen" Berichten zur Gewalteskalation beigetragen zu haben. Nach den Stasi-Enthüllungen über den Polizisten Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte, hatte Döpfner die 68er aufgefordert, sich bei Springer für ihre damaligen Angriffe zu entschuldigen. Bei dem geplanten Gespräch sollte über eine eine Neubewertung der Anti-Springer-Proteste diskutiert werden.
Die Absage kommt unmittelbar nach einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, das in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, unter anderem hätten bereits - Rudi Dutschke-Freund Christian Semler, der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und Schriftsteller Peter Schneider ihre Teilnahme an dem Tribunal abgesagt.
can/dpa
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