Berlin/Hamburg - Roger Melis porträtierte bekannte Gesichter wie Heiner Müller, Sarah Kirsch, Anna Seghers und Wolf Biermann, hielt auf seinen Reisen durch die DDR das Leben im sozialistischen Staat in prägnanter Weise fest.
Am Freitag verstarb der Künstler nach langer, schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Berlin, teilte der Lehmstedt Verlag in Leipzig mit.
Der Fotograf wuchs ab seinem siebten Lebensjahr im Haus seines Stiefvaters, des Dichters Peter Huchel, auf. Nach seiner Ausbildung arbeitete er zunächst wissenschaftlicher Fotograf an der Berliner Charité, bevor Melis ab 1968 freischaffend für Medien wie die "Geo", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Wochenpost" arbeitete.
Bekannt wurde er vor allem mit Reportagefotografien aus Ostdeutschland. Seine Bilder "zeugen von der Skepsis und Resignation der Ostdeutschen, aber auch von ihrem Stolz, ihrem Widerspruchsgeist und ihren Sehnsüchten", schreibt sein Verleger Mark Lehmstedt.
Als "Müllkastenfotografie" geschmäht
Melis selbst definierte sein Schaffen so: "Meine wichtigste Aufgabe habe ich immer darin gesehen, eindringliche Bilder von Menschen zu schaffen, möglichst in ihrem natürlichen Lebens- und Arbeitsumfeld, und ihnen dabei nicht die Seele zu rauben, sondern mich ihnen behutsam zu nähern."
Viele seiner Aufnahmen für DDR-Magazine wurden nicht veröffentlicht und als "Müllkastenfotografie" geschmäht. Wegen eines gemeinsamen "Geo"-Beitrags mit Erich Loest durfte er von 1981 an nicht mehr für die DDR-Presse arbeiten.
Der Fotograf konzentrierte sich daraufhin auf Buch- und Ausstellungsprojekte. Erst 1989 wandte er sich wieder der Reportage- und Porträtfotografie zu.
Er prägt die Wahrnehmung vieler Gesichter
Als Porträtfotograf prägt er bis heute die Wahrnehmung vieler Gesichter aus Kunst und Literatur : Seine eindringlichen Aufnahmen haben ikonografischen Wert. So seine Aufnahme von Liedermacher Wolf Biermann als "preußischer Ikarus" auf der Weidendammer Brücke in Berlin. Oder das Foto der Lyrikerin Sarah Kirsch, wie sie auf gepackten Umzugskisten sitzt - bereit zur Ausreise in den Westen.
Zuletzt griff der Fotograf kaum noch zur Kamera - nur für die eigene Familie machte er eine Ausnahme. Zu sehen sind seine künstlerischen Aufnahmen derzeit in der Berliner Ausstellung "Übergangsgesellschaft".
rox/dpa
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