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10.10.2009
 

Grips Theater Berlin

Abfahrt für die "Linie 2"

Von Anke Dürr

"Linie 2": U-Bahn-Pöbler im Musical
Fotos
davidbaltzer/bildbuehne.de

Lange hat er sich geweigert, eine Fortsetzung seines Welterfolgs "Linie 1" zu schreiben. Zum 40. Geburtstag des Kindertheaters Grips aber bringt Volker Ludwig die "Linie 2" aufs Gleis - und damit das West-Berliner U-Bahn-Musical in den Osten der Stadt.

Auch wenn das immer so kokett klingt, ist es wahrscheinlich die Wahrheit: Der Erfolg kann ein Fluch sein. Volker Ludwig jedenfalls, 72, legendärer Gründer und bis heute Chef des Berliner Grips Theaters, fühlt sich von seinem Hit regelrecht "verfolgt". Alles, was er seit dem 30. April 1986 als Theatermacher tut, wird an der "Linie 1" gemessen.

Der 30. April 1986 war der Tag der Uraufführung des Musicals, das ganz simpel von einem Mädchen aus der Provinz handelt, das nach Berlin kommt und in der U-Bahn die Großstadt mit all ihren Facetten und Gegensätzen kennenlernt. Der Jubel war riesig, das Musical trat seinen Siegeszug um die Welt an: Es gab und gibt Inszenierungen der "Linie 1" von Norwegen bis Indien, von Russland bis Namibia. Zudem läuft das Musical bis heute regelmäßig an seinem Ursprungsort, dem Grips Theater am Hansaplatz in Berlin. Bald steht die 1500. Vorstellung an.

Klar, dass irgendwann nach einer Fortsetzung verlangt wurde - spätestens seit der Wende war sie fällig, meinten viele, denn die "Linie 1" fährt nur im Westen der Stadt. Aber klar war auch, warum der kluge Volker Ludwig sich verweigerte. Er wusste, ein solcher Erfolg lässt sich nicht wiederholen.

Ironisches Musical

Zum 40. Geburtstag des Grips, der schon im Mai war und jetzt nachgefeiert wird, hat er sich dennoch hingesetzt, zusammen mit dem Regisseur Rüdiger Wandel. Wie nicht anders zu erwarten bei dem erklärten Achtundsechziger Ludwig, der sich nicht mal zur Verleihung des "Faust"-Preises für sein Lebenswerk im vergangenen Jahr einen Schlips "umwürgte", ist das Ergebnis ein ironisches und zugleich leicht nostalgisches, selbstreflexives und gesellschaftskritisches Musical in bester Grips-Tradition: "Linie 2 - der Alptraum".

Im Mittelpunkt steht Thomas Kowalewski, ein Schauspieler, der seit 23 Jahren den "Jungen im Mantel" in der "Linie 1" spielt. Nach so vielen Jahren in der Rolle hat er gelegentlich Probleme, Scheinwelt und Realität auseinanderzuhalten - und wird so fast aus Versehen zum Helden, als er in der U-Bahn ein paar Pöbler in ihre Schranken weist. München-Solln lässt grüßen.

Gnadenlose Banker

Ihm assoziiert ist eine lose Clique von Menschen mit Problemen von heute: Die Türkin, die vor ihren Eltern geheim halten muss, dass sie Schauspielunterricht nimmt, die Friseurin, die ihre Kredite nicht mehr zahlen kann und auf gnadenlose Banker trifft, ein Ossi und ein Wessi, die beide die Mauer wiederhaben wollen - und ein Erzieher, der sich im Kindergarten noch immer die alten Grips-Lieder anhören muss, die die Kinder so gerne singen.

So sind eine Menge alter Grips-Hits aus den vergangenen Jahrzehnten in die Revue eingebaut, und der Schluss ist so schön, dass auch die "Linie 2" ein Renner werden könnte.

Das Theater selbst allerdings gibt sich bescheiden - und kündigt nur eine "Laufzeit von zwei Spielzeiten" an.


"Linie 2". Voraufführung am 15.10., Uraufführung am 16.10., weitere Aufführungen am 17., 18., 30. und 31.10. (alle ausverkauft). Spätere Termine: 1., 13. und 14.11., im Grips Theater Berlin, Tel. 030/39 74 74 77.
"Linie 1" wieder am 20., 21. und 22.10.

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10.10.2009 von supercat: Alles Gute!

Happy Birthday Grips!! Und danke, dass ihr das Kinder und Jugendtheater, von seinem grauenhaften und altbackenen, Zeigefinger-Muff befreit habt. mehr...

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