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16.10.2009
 

Umstrittener Bau in Berlin

Stoppt Schwarz-Gelb das Stadtschloss?

Computersimulation des Fördervereins Berliner Schloss: Womöglich nie Wirklichkeit?Zur Großansicht
DDP / Foerderverein Berliner Schloss e.V. / eldaco

Computersimulation des Fördervereins Berliner Schloss: Womöglich nie Wirklichkeit?

"In so einer Zeit baut man kein Schloss": Der "Berliner Zeitung" zufolge gibt es Politiker in der neuen Koalition, die auf den umstrittenen Bau des Berliner Humboldt-Forums verzichten wollen. Klaus Wowereit wehrt sich nun gegen einen möglichen Baustopp - und Kanzlerin Merkel gibt sich vage.

Hamburg/Berlin - Kaum ein Bauwerk in Deutschland ist so umstritten wie das Berliner Stadtschloss - nach Berichten der "Berliner Zeitung" wurde in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP vorgeschlagen, das 552 Millionen teure Projekt um mindestens vier Jahre zu verschieben. "In so einer Zeit baut man kein Schloss", zitierte das Blatt einen Haushaltspolitiker, nannte dabei allerdings keinen Namen.

Wie ernst zu nehmen die Gerüchte um einen Baustopp sind, zeigt eine Aussage von Klaus Wowereit bei der der Eröffnung des Neuen Museums in Berlin. Der Regierende Bürgermeister appellierte während des Festakts am Freitag an die Bundestagsabgeordneten, ihre "eigenen Entscheidungen" in Bezug auf das Stadtschloss "nicht in Frage zu stellen". Kanzlerin Merkel forderte er auf: "Sie haben es in der Hand, diese Gerüchte vom Tisch zu wischen". Die allerdings reagierte eher zurückhaltend und versicherte lediglich, dass der Bund seine zukünftigen Verpflichtungen "ernst nehmen" werde. Auf die Beschlüsse des Bundestages sei Verlass, fügte sie hinzu.

Hermann Parzinger, Präsident der zuständigen Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), sprach sich in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur am Freitag ausdrücklich gegen eine Verschiebung des Wiederaufbaus aus. Es sei ganz wichtig, dass das Humboldt-Forum im Stadtschloss komme, sagte Parzinger am Freitag. Dort würden in "einmaliger Weise" die Kunst und Kultur Afrikas, Amerikas, Asiens und Ozeaniens zusammengeführt. Die "Gleichberechtigung der Weltkulturen" dort zu zeigen, wäre "ein großartiges Zeichen" Deutschlands an die Welt, sagte Parzinger - machte aber keine Aussage über die heftig umstrittene Qualität des Entwurfs des italienischen Architekten Franco Stella.

Der bisherige Plan sieht vor, den Schlossbau 2010 zu beginnen und bis 2013/2014 abzuschließen. Einen Teil der 40.000 Quadratmeter Nutzfläche soll neben der Humboldt-Universität und der Zentral- und Landesbibliothek die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den außereuropäischen Sammlungen nutzen. Das teilweise kriegszerstörte Stadtschloss war 1950 auf Anweisung der damaligen DDR-Machthaber gesprengt worden.

Für eine neuerliche Belebung der Kontroverse um den Schlossnachbau hatte im September 2009 eine Entscheidung des Bundeskartellamts gesorgt, das den Vertrag mit dem Architekten Franco Stella für ungültig hält. Über die Entscheidung des Kartellamts wird am 2. Dezember vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt.

sha/ddp/dpa

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