Von Marc Pitzke, New York
Wo erklärt man jemanden den Medienkrieg? Natürlich im Fernsehen.
Anita Dunn, Kommunikationschefin des Weißen Hauses, verkündete auf CNN: "Wir werden sie so behandeln, wie wir einen Gegner behandeln würden." Und weiter: "Sie haben Barack Obama und dem Weißen Haus den Krieg erklärt."
Sie - das ist Fox News, der Sender des Medienmoguls Rupert Murdoch.
Der angebliche Nachrichtenkanal sei nichts anderes als "die Rechercheabteilung" und "die Kommunikationsabteilung der republikanischen Partei", polterte Dunn. Es sei "wirklich kein News-Network", zumindest kein "legitimes".
Der kämpferische Auftritt ist anderthalb Wochen her, und seitdem eskaliert der schon lange schwelende Konflikt zwischen dem Weißen Haus und Fox News - denn der Sender ließ die Attacke natürlich nicht auf sich sitzen. Obamas Leute seien die größten "Heulsusen", mit denen er in seinen 30 Jahren in Washington zu tun gehabt habe, schimpfte Fox-News-Moderator Chris Wallace.
Für Anhänger der Demokraten sind Fox News und seine Starmoderatoren wie Bill O'Reilly seit jeher ein Feindbild. Man hasst sie und wird gehasst. Neu aber sind Ton und Stil der Kontroverse.
Das Weiße Haus verweigert Fox News nun Interviews. Der Nachrichtensender wiederum hat Obama zum Feind erhoben, samt eigenem Themenlogo: "The War On Fox News." Moderator Sean Hannity verbrachte am Dienstag eine ganze Stunde damit, Beispiele für den "Wahnsinn" und das "Scheitern" des "Teams Obama" aufzulisten. Gefolgt vom Hinweis: "Was Sie heute Abend gehört haben, ist nicht vom Weißen Haus abgesegnet."
Die Frau, die alles lostrat, ist indes im West Wing abgetaucht und lehnt nun weitere Äußerungen ab. Denn Fox News hat sich auf Anita Dunn eingeschossen.
Frau fürs Grobe
Dass Dunn, 51, eines Tages mitten in einer solchen Kontroverse landen würde, überrascht keinen, der ihre Karriere verfolgt hat. Seit Ende der achtziger Jahre zieht sie bei demokratischen Wahlkämpfen Strippen. Sie begann als Mitarbeiterin von Hamilton Jordan, dem legendären Strategen, der Jimmy Carter nach Washington brachte. Sie beriet den Ex-Astronauten und demokratischen Senator John Glenn bei dessen erfolgloser Bewerbung um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten 1984. Später war sie Chefstrategin des Senators Bill Bradley, dessen Griff nach dem Weißen Haus 1999 ebenfalls misslang.
Als Co-Chefin der Top-Beraterfirma Squier Knapp Dunn war sie seither an etlichen Wahlkämpfen beteiligt. Etwa 2004 an der Senatswahl, bei der sie den Demokraten Blair Hull in Illinois beriet. Hull verlor schon in der Vorwahl - unter anderem, nachdem peinliche Details seiner Scheidung durchgesickert waren. Er machte Dunn später für das schlechte Krisenmanagement mitverantwortlich: "Sie hat die Frage nicht sehr gut gehandhabt", sagte er der "Washington Post" kürzlich.
Nutznießer des Skandals war ein unbekannter Landessenator. Der sicherte sich die demokratische Nominierung und schaffte es so in den Bundessenat.
Sein Name: Barack Obama.
Auf anderen Social Networks posten:
Hier ist eine interessante Notiz, wie entsetzt selbst die Obama Anhaenger ueber diesen bisher nie dagewesenen Schritt der Obama Clique sind. Wenn man FOX, nach Ansicht der Obama Clique als "rechts" betrachtet, [...] mehr...
Zustimmung, leider. Aber da sieht man wieder, dass man mit Kampagnen als News verkleidet die Quoten steigert. Eigentlich armselig, aber leider nicht zu verhindern. Man stellt sich nur mal vor, dass die Bush gemacht hat. [...] mehr...
Jean Ziegler's Buch ist das uebliche Geschwafel von der Schuld des Westens an allem was auf der welt passiert. Wie ueblich, uebersieht Ziegler wieder einmal, dass die Misere in den Entwicklungslaendern selbst verschuldet ist. mehr...
Es scheint ein Verzweiflungsakt der Obama Gruppe zu sein, einen Sender persoenlich anzugreifen, da FOX zu viele unangenehme Tatsachen ans Licht bringt. Soetwas hat es in der Geschichte der USA noch nicht gegeben und die Obama [...] mehr...
Cramer ist bei NBC. Und um Geld brimgt er niemanden. Das verschleudern die Republikaner im Irak oder geben es als Steuernachlaesse an jene, die es am wenigsten brauchen. Die Demokraten haben eigene Meinungen, wie man in der [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Die Regierung Obama | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH