Von Anke Dürr
Es ist, als hätte der amerikanische Dramatiker Tracy Letts, 44, ausprobieren wollen, wie viele klassische Familienkonflikte in ein Stück passen, ohne dass einem dieses Stück um die Ohren fliegt. Seine Antwort: Es gibt eigentlich keine Grenze. Sein Beweis: der Text "August: Osage County", in der deutschen Fassung "Eine Familie" betitelt.
Das Stück, vielfach preisgekrönt und ein Riesenhit am Broadway, beginnt mit Beverly, 69, dem Clanoberhaupt der Westons, die ihren Sitz in der heißen, öden Provinz von Oklahoma haben. Der Mann ist ein gescheiterter Dichter und regelmäßiger Trinker. Seine Frau Violet, 65, hat Krebs und ist tablettensüchtig. Von den drei Töchtern, alle in den Vierzigern, ist eine frisch getrennt, eine heimlich mit ihrem Cousin liiert und eine gerade mit einem Kompromiss-Mann verlobt, der aber lieber einer 14-Jährigen an die Wäsche geht. Beverly hat Violet vor Jahrzehnten mit deren eigener Schwester betrogen, das Ergebnis ist ein Versager, der auch mit 37 Jahren von seiner Mutter noch "Little Charles" genannt wird.
Sie alle versammeln sich im Haus der Westons, als Violet sie ruft: Ihr Mann ist verschwunden. Violet tröstet sich mit Tabletten und dem Gift, das sie verbal verspritzt - ihre drei Töchter sind mehr oder weniger wehrlose Opfer.
Der Soap-Einfluss ist groß
Es hat, man muss sich da nichts vormachen, das alles schon gegeben, zumal auf dem Theater. Wer an Tennessee Williams denkt oder an Eugene O'Neill, liegt nicht falsch. Tschechow könnte man nennen, schon wegen der Drei-Schwestern-Konstellation, oder Ibsen, wegen der gnadenlosen Aufdeckung von Lebenslügen (und auch bei Letts macht die Wahrheit alles nur noch schlimmer). Dennoch ist es ein Stück von heute - der Soap-Einfluss ist jedenfalls deutlich erkennbar, Oklahoma ist nicht weit von Dallas. Es wird gelallt, geohrfeigt und mit Geschirr geworfen. Als "universelle Familientragödie, die gleichzeitig eine höchst unterhaltsame Sitcom und eine böse Psychoschlacht ist", beschreibt der Mannheimer Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski das Stück, das er bereits vor einem Jahr an seinem Theater herausgebracht hat und jetzt wieder aufnimmt.
Auch anderenorts setzt man nun auf dieses "wellmade play" mit seinen dreizehn Paraderollen, das 2008 den Pulitzer-Preis gewann: In Wien inszeniert es der lettische Regisseur Alvis Hermanis (mit Kirsten Dene als Violet), in Bochum bringt es Markus Dietz auf die große Bühne des Schauspielhauses, in Basel führt Elias Perrig Regie.
Warum die Theater ausgerechnet jetzt dieses Stück auf ihre Spielpläne setzen? Dafür hat die Dramatikerin Theresia Walser eine Erklärung: "Da jeder von uns weiß, wie es um Weihnachten herum familienhöllisch zugehen kann, könnte man sich für diese Krisenhochzeit kaum ein besseres Stück wünschen. Man darf sich bei Tracy Letts befreit fühlen von dem, was einen selbst betrifft: zum Lachen erschütternd."
Ach ja: Theresia Walser ist die Tochter des Groß-Schriftstellers Martin Walser. Sie hat drei Schwestern.
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EINE FAMILIE von Tracy Letts in der Übersetzung von Anna Opel ist im S. Fischer Theaterverlag erschienen. Soviel Information sollte der Bereicht schon enthalten. mehr...
Für dieses Theaterstück könnten auch Frau von der Laien (http://www.box.net/shared/cpqzhlfary)'s Richtlinien der Frauen - und Familienpolitik (http://www.lifesitenews.com/ldn/2007/jul/07073008.html) als Vorlage gedient haben. mehr...
Die Links vom Schauspielhaus Bochum und vom Theater Basel sind vertauscht. mehr...
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