Mittwoch, 10. Februar 2010

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11.11.2009
 

Medienkrise

"New York Times" druckt gesponserten Artikel

Zentrale der "New York Times": Kritik am Verhalten der Redaktion
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AFP

Zentrale der "New York Times": Kritik am Verhalten der Redaktion

Mehr als zehntausend Dollar hat die Recherche einer Reportage der "New York Times" gekostet. Doch die Zeitung hat nicht selbst bezahlt - die Reisekosten wurden großteils durch Spenden finanziert.

Washington - Die "New York Times" hat am Dienstag einen Artikel abgedruckt, der bereits vor der Veröffentlichung für Furore gesorgt hat. Allerdings nicht wegen seines Inhalts - einem kilometerlangen Müllteppich im Südpazifik. Im Vorfeld wurde vielmehr die ungewöhnliche Finanzierung der Geschichte diskutiert.

Denn die Autorin Lindsey Hoshaw konnte die Redaktion zwar von ihrer Idee überzeugen - nicht allerdings, die Reisekosten von 10.000 Dollar aufzubringen. Nur 750 Dollar für die Bildrechte wurden der freien Journalistin angeboten.

Eigentlich wäre die Geschichte damit gescheitert, da Hoshaw die vierwöchige Fahrt nicht selbst finanzieren konnte. Doch sie wollte nicht aufgeben und rief im Internet zu Spenden auf - auf der Plattform Spot.Us. Dort können Autoren ihre Ideen präsentieren und Sponsoren suchen. Das Modell nennt sich crowd funded, das heißt, der Beitrag wird von einer Masse von Privatleuten finanziert. Etabliert ist Spot.Us bereits in der Film- und in der Musikbranche.

Hoshaws Youtube-Video auf Spot.Us schlug ein, mehr als hundert Menschen überwiesen Geld, um der Nachwuchsjournalistin die Recherche zu ermöglichen - meist Beträge von 20 bis 50 Dollar. Unter den Sponsoren waren der Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales und der Ebay-Mitbegründer Pierre Omidyar.

Das Verhalten der "New York Times" hatte in den USA Kritik ausgelöst, da die Zeitung die Geschichte zwar haben wollte, aber nicht bereit war, für die Reisekosten aufzukommen. Der Vorwurf: Die Redaktion zwinge eine junge Journalistin zur Bettelei. Die "New York Times" verteidigte sich mit dem Hinweis, Spesen würden nur bei Geschichten gezahlt, die man selbst in Auftrag gegeben hätte. Hoshaw hätte dagegen ihre Idee im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs vorgebracht, man habe ihr unverbindlich Interesse signalisiert. Der Redakteur Clark Hoyt schrieb eine Kolumne über spendenfinanzierten Journalismus - und verschaffte Hoshaw so die nötige Öffentlichkeit.

Ob das private Sponsoring von Recherchen ein Zukunftsmodell sein kann, wird in den USA kontrovers diskutiert. Befürworter sagen, dass dadurch Qualitätsjournalismus auch in Zeiten einbrechender Werbeeinnahmen gesichert werde. Kritiker warnen dagegen davor, dass Medien die Kontrolle über ihre Veröffentlichungen verlieren könnten. So besteht beispielsweise die Gefahr, dass Unternehmen über Mittelsmänner ihnen genehme Geschichten einkaufen könnten - ohne dass dies jemand bemerkt.

cte/AP

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