Freiburg - Die Suche nach dem echten Totenschädel von Friedrich Schiller (1759-1805) ist endgültig eingestellt worden. Der Aufwand stehe in keinem Verhältnis mehr zu einem möglichen Ergebnis, teilte die Universität Freiburg am Dienstag mit. Im vergangenen Jahr hatte die Klassik Stiftung Weimar mittels DNA-Analysen herausgefunden, dass es sich bei dem in der Weimarer Fürstengruft eingelagerten Schädel nicht um das Haupt des berühmten Dichters handelt. Seither versuchten Experten, den Ursprung des Doubles zu klären und das Original zu finden.
Die Spur des wohl spektakulärsten Schädelraubs des 19. Jahrhunderts führe ins Nichts, sagte die Forscherin Ursula Wittwer-Backhofen vom Institut für Anthropologie. Sie hatte im Verlauf der Ermittlungen unter anderem eine Gesichtsrekonstruktion angefertigt.
Bei ihren Untersuchungen standen die Forscher immer wieder vor dem Rätsel, dass der nach seinem Entdecker benannte Schwabe-Schädel im Schiller-Sarg zwar eine verblüffende Ähnlichkeit mit Totenmasken, Büsten und Gemälden des Dichters hatte, jedoch nicht mit den DNA-Analysen übereinstimmte. Vergleiche mit genetischem Material von Verwandten und Nachkommen Schillers ergaben eindeutig, dass Schädel und Knochen von verschiedenen Toten, jedoch nicht von Schiller stammen.
Den Verdacht, dass das Relikt durch Grabräuber gestohlen und durch ein Double ersetzt wurde, hatte es schon seit dem frühen 19. Jahrhundert gegeben. Nach der Gen-Analyse flammte 2008 die Diskussion neu auf. Eine Untersuchung des vermeintlichen Schiller-Kiefers zeigte zudem, dass die Zähne fachmännisch ausgetauscht wurden, damit das Zahnbild dem des Dichters ähnelt. Das Grab in der Weimarer Fürstengruft ist seit der Entdeckung leer.
Zeugnisse der umfangreichen Suche präsentiert die Klassik Stiftung im Schillermuseum in Weimar seit September unter dem Titel "Schillers Schädel - Physiognomie einer fixen Idee" in ihrer Ausstellung zum 250. Geburtstag des Dichters.
can/dpa
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