Mittwoch, 10. Februar 2010

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Verstehen Sie Haas?

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26.11.2009
 

Verstehen Sie Haas?

Knutsch nicht mit der Schweinegrippe!

Von Daniel Haas

Klassische Bürobegrüßung. Ist aber leider passé - wegen Schweinegrippe
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DPA

Klassische Bürobegrüßung. Ist aber leider passé - wegen Schweinegrippe

Die erste Schweinegrippe-Panik scheint überwunden. Zeit für einen kritischen Blick auf unser neues Leben im Bedrohungszustand. Hat sich der Berufsalltag verändert? Und wie. Ein verschnupfter Bericht.

Hat die Schweinegrippe das Land gemeuchelt und ruiniert? Nein, hat sie nicht. Aber sie hat uns gelehrt, den Nächsten als potentiellen Verseucher wahrzunehmen. Der soziale Umgang, vor allem im Berufsalltag, muss sich grundlegend ändern, das wissen gerade zarte, feinnervige Naturen wie ich.

Früher zum Beispiel habe ich Kolleginnen mit einem herzhaften Schmatz auf den Mund begrüßt; bis auf den Betriebsrat und einmal auch der Justitiar hat daran niemand Anstoß genommen. Dieses ungezwungene Ritual entfällt seit Ausbruch der neuen Grippe. Auch das gesellige Nippen am Cappuccino der Sekretärin oder das Naschen vom Kollegenlunch im Kühlschrank ist vorbei. Misstrauen hat sich breitgemacht, Misstrauen und Angst.

Das gilt noch mehr für die Menschen, die man außerhalb des Büros zu treffen genötigt ist. Als Journalist kommt man um den Kontakt mit anderen nicht herum. Interviews sind ein Riesenproblem, es gibt immer noch Prominente, die das nicht telefonisch machen, sondern auf Presseterminen bestehen, wo man dann in einem Hotelzimmer mit ihnen zusammensitzt, womöglich 30 Minuten lang. Infektionstechnisch gesehen ist das wie der 11. September. Man selbst ist die Twin Towers und wird solange von Viren attackiert, bis man zusammenklappt.

Ich trage in diesen Situationen eine Maske, aber nicht den konventionellen Mundschutz, weil der laut Robert-Koch-Institut sowieso nicht hilft. Ich trage eine Bikermaske, Modell "Werwolf" mit integriertem Pollenfilter, 100 Prozent winddicht und wasserabweisend. Die Aussprache wird dadurch relativ schlecht, aber die meisten Stars antworten sowieso nicht auf Fragen, sondern spulen ihr Programm ab.

Ein Händchen für Krisenmanagement

Schlimm ist immer die Verabschiedung, die meisten Leute wollen einem nach wie vor die Hand geben. An den Händen aber klebt das Verderben. Ich schüttele schon länger keine Hände mehr, selbst wenn man mir Angela Merkel vorstellen würde, würde ich ihr nicht die Hand reichen.

Für solche Situationen gibt es zwei Lösungen. Den guten alten hand joke: Man streckt dem Gegenüber die Hand aus, und wenn der andere zugreifen will, zieht man ganz schnell weg und sagt: "Reingelegt!" Oder man hat sich wie ich eine kleine Plastikhand aus dem Kostümfundus besorgt. Die strecke ich aus, und wenn die Leute komisch gucken, sage ich: "Die neue Prothese kommt erst nächste Woche."

Ein Problem ist auch das viele Händewaschen. Man kommt ins Büro, macht den Rechner an. Hände waschen. Man benutzt die Tastatur, geht ans Telefon. Hände waschen. Man geht in die Küche, holt sich einen Kaffee. Hände waschen. Die Post ist da. Hände waschen. Ein Kurier bringt irgendwas. Hände waschen.

Mein Hände sehen deshalb schon aus wie ein Plastinat von Gunther von Hagens. Deshalb steige ich ganz aufs Desinfizieren um. Ich besprühe meine Hände und zur Sicherheit auch mein Gesicht mit Sterillium, dreimal am Tag mach ich mit dem Zeug auch eine Nasenspülung. Manchmal ist der Brechreiz so stark, dass der Gang auf die Toilette unvermeidbar wird. Das ist lästig, weil dann muss man sich wieder die Hände waschen.

An die Luft gesetzt

Auch das Lüften ist anstrengend, es wird aber von Experten empfohlen, es muss sein. Blöd war es für die Praktikantin mit dem Fensterplatz, vor allem wenn es regnete. War mir aber egal, ob sie schlechte Laune hat (so einen missmutigen Menschen habe ich früher geküsst!), es geht um unsere Gesundheit. Gelüftet wird in genau festgelegten Intervallen: viermal zehn Minuten zwischen neun und eins, die Mittagspause komplett, dann noch mal eine Stunde, aufgeteilt in fünf Phasen à zwölf Minuten. Weil die Praktikantin am Fenster saß, war sie für die Einhaltung des Protokolls verantwortlich. Leider ist sie gestern krank geworden. Übernommen wird die nicht.

Sie war sowieso ein Risikofaktor. Immer wieder ertappte ich sie beim Tragen desselben Kleidungsstücks an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Wusste sie nicht, was im "British Medical Journal" steht? Die Oberflächen von Möbeln sind regelmäßig zu reinigen und die Kleidung ist regelmäßig zu waschen. Wen ich bei uns im Gebäude mit Klamotten vom Vortag erwische, dem geht's an den nicht chemisch gereinigten Kragen.

Neulich versuchte ein Kollege am Mittwoch mit dem T-Shirt von Dienstag durchzukommen, er hatte es unter einem bis oben zugeknöpften Hemd versteckt. Ja, ich kontrolliere auch die Unterwäsche.

Bis auf den Betriebsrat und einmal auch der Justitiar hat noch niemand daran Anstoß genommen.

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