Hamburg - Der SPIEGEL trauert um einen ganz besonderen Kollegen. "Mit Erich Böhme verlieren wir einen herausragenden Journalisten, einen großartigen Kollegen, einen wunderbaren Menschen. Wir beim SPIEGEL haben ihm so viel zu verdanken. Wir werden ihn vermissen", erklärten die SPIEGEL-Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron.
Böhme stand fast 17 Jahre an der Spitze der SPIEGEL-Redaktion. Er folgte Günter Gaus 1973 als Chefredakteur und führte das Nachrichtenmagazin bis Ende 1989.
Böhme wurde im Februar 1930 in Frankfurt am Main geboren, studierte Nationalökonomie, schloss als Diplom-Volkswirt ab und wurde Journalist. Nach einigen Jahren als Redakteur bei den "Vereinigten Wirtschaftsdiensten" und der "Deutschen Zeitung" kam er 1958 zum SPIEGEL - auf Empfehlung seines Freundes Günter Gaus.
Böhme wurde zunächst Wirtschaftskorrespondent und übernahm 1969 die Leitung des Ressorts. Vier Jahre später wurde er Nachfolger von Gaus als Chefredakteur des Nachrichten-Magazins. Als Höhepunkt seiner Karriere nannte Böhme selbst die Enthüllungen im Fall Uwe Barschel. 1987 erschienen unter Böhmes Verantwortung die Offenbarungen des Medienreferenten Reiner Pfeiffer über die Manipulationen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten während des Landtagswahlkampfs.
Nach über 30 Jahren beim SPIEGEL wurde Böhme im November 1990 Herausgeber der "Berliner Zeitung". Vier Jahre später schied er dort aus, blieb dem Blatt aber als Kolumnist erhalten. Große Popularität erlangte Böhme in den neunziger Jahren als TV-Moderator. Er moderierte die Sendung "Talk im Turm" auf Sat.1, eine wöchentliche Gesprächsrunde, deren Erfolg Beobachter in der Aktualität der Themen, dem auf Kontroverse angelegten Konzept und Böhmes pragmatisch-unideologischer Haltung ausmachten. "Die Zeit" schrieb in einer Kritik, Böhme zeige, dass Talkshows am besten gelängen, "wenn die Leute einfach reden, und der Gastgeber sich zurückhält".
Nach 393 Sendungen verabschiedete Böhme sich im September 1998 von "Talk im Turm". Anfang 2000 startete er die Sendung "Talk in Berlin" beim privaten Nachrichtensender n-tv. Nach der Bundestagswahl 2002 zog er sich ins Private zurück, das deutsche Fernsehen hatte damit "ein Urgestein weniger", wie der "Tagesspiegel" kommentierte.
cte
Auf anderen Social Networks posten:
Treffend gesagt. Menschliches Mitgefühl wird aberzogen und selbst die Kirchen schweigen. mehr...
...zumindest so kurz nach dem Ableben der jeweiliegn Person. mehr...
Selbstverständlich darf man Schlechtes über die Toten sagen. mehr...
Nein, darum geht es nicht. Es geht darum, dass Augstein, Böhme und Co. ohne jede demokratische Legitimation das Schicksal Deutschlands versuchten zu beeinflussen. Und genau in der Massivität, die sie Springer (zu Recht) immer [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Erich Böhme | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH