Von Stefan Berg
Berlin/Venetien - Es sind nur zwei Blatt Papier, aber das Schriftstück aus Italien, ausgestellt am 14. September, ist hoch brisant: Das Dokument der Architektenkammer von Venetien könnte zu einem mitentscheidenden Papier in der Auseinandersetzung um die Zukunft des Schlossbaus in Berlin werden. An diesem Mittwoch jedenfalls werden sich Anwälte und Richter darüber beugen, sie werden es deuten und am Ende wird ein Beschluss stehen.
Denn an diesem Tag entscheidet das Oberlandesgericht Düsseldorf, ob der Italiener Franco Stella die Mindestanforderungen des Architektenwettbewerbs erfüllte oder nicht. Stella war als Sieger aus der Suche nach einem geeigneten Baumeister für den Neubau hervorgegangen - aber das Bundeskartellamt hatte den Vertrag für nichtig erklärt; es gibt Zweifel an Stellas Eignung für das Großprojekt. Für den Schlossbau war der Stopp ein Desaster.
Das Dokument aus Italien soll für den Architekten eigentlich Entlastung bringen, aber es weckt auch neue Zweifel. Einerseits bestätigt der Präsident der Architektenkammer der italienischen Provinz Venetien mit Unterschrift und Stempel, Stella habe in seinem Bewerbungsschreiben im Jahr 2008 für den Schlossbau-Wettbewerb bezüglich seiner fest angestellten Architekten "wahrheitsgetreue" Angaben gemacht - die Ausschreibung hatte gefordert, dass der zukünftige Schloss-Baumeister über längere Zeit drei Architekten beschäftigt haben müsse.
Der italienische Kammerpräsident erklärt nun, drei Architekten hätten mit Stellas Büro in einem Arbeitsverhältnis gestanden, "das einem dauerhaften abhängigen Beschäftigungsverhältnis entspricht". Aber reicht das? Und stimmt es überhaupt?
Verwirrung um angebliche Mitarbeiter Stellas
Eine Passage des Dokuments wirft neue Fragen auf: Direkt angestellt waren die drei genannten Architekten nicht bei Stella selbst, sondern bei Estel, einer Firmengruppe des Bruders von Stella, mit der der Architekt einen mehrjährigen Werkvertrag geschlossen hatte. Die drei Architekten seien "betrieblich" Estel zugeordnet, heißt es in dem Papier. Und noch etwas ist seltsam: Um renommierte Architekten handelt es sich bei den drei genannten nicht, ob sie ein entsprechendes Diplom haben, ist fraglich. Die Firmengruppe Estel ist zudem nicht für Architektur-Projekte bekannt, sondern für die Herstellung eleganter Möbelstücke. Dennoch ist für Stellas Anwalt klar: Das Schriftstück aus Italien bestätige die Position seines Mandanten.
Das Papier bestätigt Zweifel an der Kooperation mit Stella, die schon der frühere Präsident des Bundesbauamts, Florian Mausbach, geweckt hatte. In einem Brief an den Stiftungsrat des Humboldt-Forums klagte er vor wenigen Tagen: Sein Amt hätte Architekt Stella nicht prüfen dürfen. "Jeder Kontakt mit dem Architekten Stella" sei dem Bundesamt vom Bundesbauministerium "untersagt" worden.
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Ein politisches Urteil, dass bei jedem Architekten oder Handwerker, der schonmal wegen einer kleinen fehlerhaften Formalie bei einer Ausschreibung ausgeschlossen wurde Unverständnis auslösen wird. [...] mehr...
Wer ist Ullrich ? Der Palast der Republik war das Haus des Volkes. Das Schloss wird das Haus der Obrigkeit. Sanieren Sie dann die Suppenküchen ? mehr...
... da lebt ein "verwegener Menschenschlag" oder: "mit keenem Sechser in der Tasche, da fragen sie kess: wat kost´Berlin?" Berlin - alles , aber nicht unsympathisch! Den fast erzwungenen Schloß-Wiederbau [...] mehr...
"Für den Schlossbau war der Stopp ein Desaster." Die bei weitem positivste Nachricht in diesem Schwachsinnsdrama. In Wirklichkeit läuft es aber doch darauf hinaus, dass es bei dem gesamten Projekt um ein Desaster für [...] mehr...
Da könnte ich auch anfangen über die Sinnhaftigkeit der Subventionierung des Weinbaus zu schwadronieren. Auf jeden Fall wäre es für die Hauptstadt ziemlich peinlich, wenn der Flecken dort wegen Geldmangel des Berliner Haushalts [...] mehr...
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