Von Nora Reinhardt
Es gibt Joan-Miró-Armbanduhren, Dalí-Bierdeckel und T-Shirts, auf denen "Ceci n'est pas un Magritte" steht. Miró, Dalí, Magritte: Das sind die Super-Surrealisten. Was alle drei eint: In den Goldenen Zwanzigern arbeiteten sie in Paris.
Auch in Prag gab es jedoch bemerkenswerte Surrealisten, darunter Jindrich Styrsky, Karel Teige und Toyen, deren Marktwert in den vergangenen Jahren gestiegen ist. "Gegen jede Vernunft" heißt nun eine Ausstellung, die im Wilhelm-Hack-Museum und eine Straße weiter im Kunstverein in Ludwigshafen am Rhein zu sehen ist. Zum ersten Mal stehen darin auch tschechische Surrealisten im Mittelpunkt.
Die Region ist im Surrealismus-Fieber
Kuratiert haben die Ausstellungen Reinhard Spieler vom Wilhelm-Hack-Museum und Barbara Auer vom Kunstverein Ludwigshafen. Sie stellen intelligent den Pariser und den Prager Surrealismus gegenüber: Wer hat wen wie beeinflusst? Wie haben die Tschechen den Surrealismus weiterentwickelt? Zum ersten Mal wird Surrealismus als europaweite Bewegung betrachtet.
Die Region ist im Surrealismus-Fieber; neben dem Museum und dem Kunstverein in Ludwigshafen zeigen auch die Rudolf-Scharpf-Galerie und die Sammlung Prinzhorn Heidelberg surrealistische Kunst. Besonders interessant ist der Fokus auf die surrealistische Fotografie im Kunstverein, für die bisher kein anderer so sehr stand wie Man Ray. Was bisher verborgen lag: "In Prag ist Man Ray zur Kultfigur geworden, jeder moderne Fotograf musste sich mit ihm auseinandersetzen", schreibt Antonín Dufek im Katalog. Und tatsächlich: Auch die Prager loteten die Grenzen des neuen Mediums aus.
Nur, wie kann Fotografie etwas abbilden, was gar nicht da ist? Oder, wie es Kuratorin Auer formuliert: Ist "ausgerechnet die Fotografie dafür geeignet", das "Überreale zu erfassen"? Ist das nicht ein "Widerspruch zum Wesen der Fotografie"?
Experimente mit der Kleinbildkamera
Salvador Dalí war sich sicher, die Fotografie sei ideal, "um die feinsten Wechselwirkungen einzufangen, die sich zwischen Realität und Surrealität ergeben". Man müsse nur genau hinsehen: "In einem großen und klaren Kuhauge verformt sich eine äußerst weiße, postmaschinistische Miniaturlandschaft zu einer Kugelsphäre, in der sich sogar der Wolkenhimmel aufs genaueste widerspiegelt."
Und so experimentierten die Pariser und Prager mit der neu erfundenen Kleinbildkamera ab den zwanziger Jahren herum. Man erwärmte Negative, legte Gegenstände aufs Fotopapier, man solarisierte, montierte, collagierte, inszenierte, kolorierte, schraffierte die Fotos. Man spielte mit Licht, Schatten, behalf sich mit Puppen, Staffage, Maquillage und mit Bindfadentricks. In einen "Photoshop" konnte man damals noch nicht einmal hineingehen.
Die Fotos unterscheiden sich in Stil und Technik, aber die Motive sind oft ähnlich. Fast immer mit dabei: Augen, Eier, nackte Frauen - Symbole für das Unbewusste.
Buch Barbara Auer/Reinhard Spieler: "Gegen jede Vernunft. Surrealismus Paris-Prag". Belser Verlag; 359 Seiten; 29,90 Euro.
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Salvador Dalí war kein Surrealist. Recht früh wurde er als "Avida dollars" von Breton höhstselbst aus der Gruppe rausgeworfen. Der überzeugte Frankist Dalí produzierte fortan nur noch Kommerz nach primitiv-freudschen [...] mehr...
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