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03.12.2009
 

Israel-Debatte

"Je schuldiger die Juden, desto unschuldiger die Deutschen"

Konfrontation: Israelischer Soldat und palästinensischer Demonstrant nahe Ramallah Zur Großansicht
AP

Konfrontation: Israelischer Soldat und palästinensischer Demonstrant nahe Ramallah

8. Teil: Lieber Kollege Broder,

Sie schreiben: "Kein Mensch wird durch Leiden in einen moralischen Ritterstand erhoben, auch nicht die Juden" - genauso ist es. Deshalb ist es auch großer Quatsch, von den durch erlittene Pein angeblich geläuterten, "sensibilisierten" Juden einen höheren Menschenrechtsstandard zu verlangen als von Angehörigen anderer Nationen. Aber auch der Umkehrschluss ist richtig: Aus dem früher erlittenen Leid erwächst nicht der Anspruch, sich internationalen Maßstäben und Normen entziehen zu dürfen. Israel aber spielt permanent die internationale Primadonna. Jeder Uno-Beschluss zur Siedlungspolitik eine Zumutung, jeder Rot-Kreuz-Bericht zu Menschenrechtsverletzungen "kriminell einseitig".

Glauben israelische Politiker diesen Unsinn? Oder steigern sie sich in die Opferrolle absichtlich hinein, um sich nicht an ihren eigenen demokratischen Maßstäben messen zu müssen?

Wir kommen immer wieder in unserer Diskussion zu der Frage zurück: Wann nimmt Kritik an Israel antisemitische Züge an? Wer entscheidet das? Und ich darf noch eine neue Frage hinzufügen: Unterscheidet sich Antisemitismus von anderen Formen des Fremdenhasses, insbesondere vom Hass auf alles Islamische? Wenn Sie Israel Menschenrechtsverletzungen durchgehen lassen, die man anderswo anprangern würde, beispielsweise den Einsatz von Streubomben oder auch nur das Ausgrenzen der Gaza-Bevölkerung, wenn Sie Israel also sonderbehandeln - fördern Sie dann nicht den Antisemitismus?

Ich war in Dachau und Jad Vaschem. Von der empfundenen Scham kann mich keiner erlösen. Von der nichtempfundenen Schuld muss mich keiner erlösen. Also bitte: Es mag den von Ihnen bemühten (Selbst)Erlösungsantisemitismus ja geben, aber kleben Sie ihn mir nicht an. "Wer Jude ist, bestimme ich!", hat Karl Lueger, der antisemitische Bürgermeister von Wien vor hundert Jahren gesagt. Nun drehen Sie bitte nicht den Spieß um und sagen: "Wer Antisemit ist, bestimme ich."

Ihr EF

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insgesamt 339 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.12.2009 von Landegaard: wird dünn

Vielleicht ein Missverständnis. Wenn Sie von der Entlastung als Motiv der Kritik an den Juden sprechen, so impliziert das das Vorhandensein einer Last, von der Entlastung gesucht wird. Soweit dabei? Nun, was eine Last das sein [...] mehr...

07.12.2009 von oliver twist aka maga: ...

[QUOTE=Vadim1989;4677208] Mit Kriterien, lieber Vadim, ist es immer so eine Sache. Idealerweise sind sie sehr genau ausformuliert, um eine gummihafte Auslegung zu verhindern. Diese Kriterien sind es (zumindest in dieser Form) [...] mehr...

07.12.2009 von @ Johannes: Nebenbei bemerkt:

Die "ultraorthodoxen Juden" sind aber eindeutig nicht "die Juden", also lassen Sie Ihre dummen Spielchen hier, okay?! mehr...

07.12.2009 von @ Johannes: .

Schon wieder dieses Erbschuldsyndrom, schein Ihr ganz persönliches Problem zu sein. Kein Mensch hat je hier behauptet, dass Sie oder irgendjemand Ihrer Familie unmittelbar Schuld auf sich geladen haben. Keine Ahnung, warum [...] mehr...

07.12.2009 von Landegaard: wer definiert denn und warum?

Langsam. Broder hat nicht definiert, was Antisemitismus ist, das wollen andere, um anhand ihrer Definitionen Urteile zu fällen. Landegaard hat auch nicht definiert, was gesunder Menschenverstand ist, auch das wollen andere, aus [...] mehr...

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Zur Person

Erich Follath, Jahrgang 1949, in Schwaben geborener Sohn ungarndeutscher Flüchtlinge, reiste als 19-Jähriger erstmals nach Israel, um dort sechs Wochen lang in einem Kibbuz zu arbeiten. Als Journalist hat er später Titelgeschichten über Israel geschrieben, israelische Politiker wie Schimon Peres und Benjamin Netanjahu interviewt und ein Buch zum Thema verfasst ("Das Auge Davids").

Zum Autor

DPA
Henryk M. Broder wurde 1946 in Kattowitz als Sohn jüdischer Eltern geboren. Broder, der von 1981 bis 1990 in Jerusalem lebte, gilt als einer der streitbarsten Autoren Deutschlands, der schon früh der Linken vorwarf, den traditionellen Antisemitismus ihrer Eltern gegen einen politisch korrekten Antizionismus eingetauscht zu haben. Sein Buch "Hurra, wir kapitulieren" über den Umgang Europas mit den Islamisten wurde 2006 ein Bestseller.





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