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19.01.2010
 

Mühe-Ausstellung

Merkels Hausfotograf

Von Ingeborg Wiensowski

Seine Porträts der Kanzlerin hingen im Bundestagswahlkampf fast an jeder Laterne: Andreas Mühe hat aber nicht nur Angela Merkels Wahlkampagne fotografiert - als einziger durfte er ein Bild von ihrem Privathaus in der Uckermark machen. Eine Auswahl seiner Fotos wird nun in Berlin ausgestellt.

"In seiner noch kurzen Karriere hat der 1979 im damaligen Karl-Marx-Stadt geborene Andreas Mühe ein Werk von außerordentlicher Konsequenz geschaffen", so kündigt die Berliner Fotogalerie Camerawork ihre nächste Ausstellung an. Eine Ausstellung mit 22 großformatigen Fotografien und rund zwanzig kleineren Bildern des jungen Fotografen Mühe, die der Fotograf und Sammler F.C. Gundlach als Kurator zusammengestellt hat.

"Kurz" ist die Karriere von Andreas Mühe allerdings nicht, immerhin, sagt er, sei er jetzt schon sein halbes 30-jähriges Leben lang im Geschäft. Denn schon während eines Schulpraktikums im Berliner Profi-Fotolabor PPS entdeckte Mühe sein Interesse an der Fotografie, und gleich nach Abschluss der zehnten Klasse, da war er 16, begann er eine Ausbildung als Fotolaborant bei PPS. "Ich war der letzte mit dieser Berufsbezeichnung", sagt Mühe, "heute wird man Fotomedienlaborant." Damals war die Ausbildung noch klassisch, die ersten drei Monate verbrachte Mühe unter anderem im Schwarzweiß-Labor, und bis heute fotografiert er klassisch - mit einer Großbildkamera.

Fünf Jahre nach Beginn seiner Ausbildung und nach Assistenzen bei Ali Kepenik in Berlin und Anatol Kotte in Hamburg machte Mühe sich selbständig. Mit Unterstützung von Kepenik, der ihm anfangs kleine Aufträge weitergab und gegen den Rat des Kollegen Jim Rakete, der ihn anschrie, er solle "bloß nicht Fotograf werden", daran erinnert sich Mühe noch immer.

Die ersten zwei Jahre "liefen gut", die nächsten waren "schlimm", und ab 2004 ging es eigentlich nur noch bergauf. Zuerst Werbung - Autos, Züge, Aspirin Plus C - Adidas ließ den Fußballclub FC Magnet Mitte Berlin von Mühe ablichten, die Dresdner Bank zehn Fonds-Manager. Dann arbeitete Mühe mehr und mehr für Magazine - Porträts für den SPIEGEL, den KulturSPIEGEL, für das "SZ-Magazin", "Vanity Fair", "Monopol" und "Die Zeit". Und für den "Stern", der Schauspielerporträts zur ZDF-Serie "Das Kanzleramt" wollte.

Inzwischen gehört das echte Kanzleramt zu Mühes Arbeitsplätzen. Er fotografierte das Büro mit und ohne Kanzlerin, weil "ein kühles Büro viel über seinen Benutzer aussagen kann", er porträtierte Angela Merkel auf ihren Reisen, inszenierte sie in einem Park, mit dem Rücken zum Betrachter. Zudem fotografierte Mühe ihre Wahlkampagne und durfte als einziger ein Bild ihres Privathauses in der Uckermark aufnehmen, "Ihr Haus, Angela Merkel, 2009" nennt er das Foto.

Eine solche Erlaubnis ist eine Sache des Vertrauens, das Mühe offensichtlich zu seinen Auftraggebern und Porträtierten aufbauen kann. Und das sieht man seinen Bildern an. Sie sind nie pathetisch, trotzdem inszeniert, klar und streng, aber nie phantasielos, direkt und nah, aber nie distanzlos. Oft schaut der Fotografierte direkt den Betrachter bzw. den Fotografen an. Sehr dunkel sind manche Bilder und muten dadurch romantisch an, technisch sind sie immer brillant. Sorgfältig wählt Mühe Räume und Orte aus, hat "sein" Bild schon vorher im Kopf und setzt überlegt und präzise Licht.

Auftragsarbeiten allein sind nicht sein Interesse. Schon seit 2004 fotografiert Mühe auch frei, seine damalige Serie "Prora" war die erste Arbeit, die seinem jetzigen Kurator Gundlach so gut gefiel, dass er sie kaufte. Darauf ist Mühe stolz. "Ich habe Fotografie ja nicht studiert", sagt er und deshalb habe er mit Gundlach, den er seit seiner Ausbildung kennt, oft über seine Arbeit gesprochen. "Er war für mich immer ein wichtiger Kritiker und Ratgeber, dem ich stundenlang zuhören kann."

Dabei hat Mühe offensichtlich viel gelernt, auch eine sympathische Selbsteinschätzung. Wer in einer Galerie ausstellt, dem wird natürlich die Frage nach "Kunst und Fotografie" gestellt. "Ich weiß, dass das zwei Paar Schuhe sind", sagt Mühe und "ich sehe mich ganz klar als angewandten Fotografen." Aber dann fällt ihm noch ein Satz von Gundlach ein: "Ein gutes Fotos ist immer Kunst."


Ausstellung:
Andreas Mühe - Werkschau. Berlin. Galerie CAMERA WORK, Kantstraße 149, 10623 Berlin vom 23.1. bis 6.3.
Katalog: "1997 - 2010. Andreas Mühe".

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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.01.2010 von QualderWal: Originell

Vielleicht müssen gute Fotos auch nicht unbedingt "originelle" Motive haben. mehr...

19.01.2010 von nichtwaehler_007: Ort

Die Fotos sind im Olympischen Dorf von 1934 gemacht. Ein sehr interessanter Ort, das alte Pferd steht da z.B. auch rum. Die Schwimmhalle, fotografiert vom Sprungturm (erstes Foto) aus, ist ein sehr beliebtes Motiv – schon dutzende [...] mehr...

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