ThemaFDPRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
20.01.2010
 

Mövenpick-Partei FDP

Ein Gschmäckle hat's scho

Ein Kommentar von Reinhard Mohr

Was wollt ihr denn? FDP-Chef Westerwelle ist sich keiner Schuld bewusst Zur Großansicht
AP

Was wollt ihr denn? FDP-Chef Westerwelle ist sich keiner Schuld bewusst

Die FDP hat sich verrannt: Die Millionenspende von Hotelier August von Finck an die Liberalen ist zwar legal - doch eben auch sittenwidrig. Das kann Parteichef Westerwelle selbst mit seiner forschen Entrüstung nicht überspielen.

Für Humor, Ironie und grenzenlose "Witzischkeit" ist Oskar Lafontaines Linkspartei nicht unbedingt berühmt. Diesmal aber hat sie einen kleinen, feinen Treffer gelandet. "Mövenpick-Partei" nannte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der "Linken" im Bundestag, Gesine Lötzsch, jene FDP, die sich bis dahin noch als glückliche Empfängerin einer Millionenspende von August von Finck wähnen durfte.

Mit dem Glück ist es nun vorbei. Warum? Weil da einfach zu viel des schönen Zufalls im Spiel ist. Auch wer dem populistischen Gerede von der "gekauften Republik" (SPD-Mann Joachim Poß) oder einer "in Teilen käuflichen Regierung" (SPD-Chef Gabriel) nicht folgen mag und anerkennt, dass die Parteispende legal war, muss doch die Nase rümpfen. Und zwar kräftig.

Denn Finck, milliardenschwerer Eigentümer von 14 Mövenpick-Hotels, spendete just im politischen Umfeld der Bundestagswahl 1,1 Millionen Euro. Und als eine der ersten Maßnahmen hat die schwarz-gelben Koalition ausgerechnet die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent mehr als halbiert.

Es hat ein Gschmäckle

Honi soit qui mal y pense sagt da der Franzose: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der redliche Schwabe kennt für diesen ästhetisch-moralischen Riechvorgang nur ein Wort: Gschmäckle. Und kein Zweifel: Die Sache hat ein Gschmäckle, einen mehr als faulen Beigeschmack, den auch die forsche Entrüstung von Guido Westerwelle nicht aus der Welt schafft.

Gewiss sind politische Entscheidungsprozesse in der parlamentarischen Demokratie komplexer als ein physikalischer Vorgang à la "Oben rein, unten raus", und auch zehn Milliardäre können nicht die Politik der Bundesrepublik Deutschland bestimmen.

Aber sie können sie beeinflussen. Und da reicht manchmal auch ein einziges Exemplar dieser Sorte.

Dazu braucht es freilich einen freundlich gestimmten Geschäftspartner. Die FDP kam da gerade recht. Mit ihrem manischen Mantra von der Steuersenkung hat sie sich derart verrannt, dass das wunderbare Geschenk für die Hotelbranche als leicht realisierbare Aktion geradezu auf der für einschlägige Großspenden empfänglichen Hand lag.

Es hilft nichts - die Selbstverteidigung der auf ihre liberale Bürgerlichkeit so stolzen Partei hat trotz aller demokratietheoretischer und legalistischer Argumente einen Todfeind: den bürgerlichen Anstand. Wer will: Sitte und Moral. Jenseits aller Debatten über die Begrenzung und Transparenz von Parteispenden gilt: Diese Spende ist sittenwidrig.

Die FDP wird es noch begreifen. Solange bleibt sie zu Recht die "Mövenpick-Partei".

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 947 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.02.2010 von kdshp:

Hallo, so ist es deswegen sollte das verboten werden. Gazprom schröder war der gipfel der unverschämtheit ! mehr...

31.01.2010 von Tolotos: Parteien kann der Wähler abstrafen, käufliche Expolitiker aber nicht!

Das allein würde wohl nicht so viel nutzen, solange wie Personenspenden mit lukrative Jobs schon während (oder falls nicht zulässig eben nach) der politischen Tätigkeit für willfährige Klientelvertreter nicht auch stärker [...] mehr...

31.01.2010 von Morotti:

Nein, dann ergreifen die Parteien noch mehr Besitz vom Staat. mehr...

31.01.2010 von e44-tw27:

Ja, besser kann man es kaum formulieren. Parteispenden gehören deshalb komplett verboten. Die Parteienfinanzierung müsste folglich der Staat selbst organisieren. Nach strengen Regeln selbstverständlich und in der Zuständigkeit [...] mehr...

31.01.2010 von Morotti:

Stimmt, wenn man will kann Marktwirtschaft auch effektiv sein. :-)) mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Gesellschaft
alles zum Thema FDP

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP



TOP