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29.01.2010
 

Geschichte von unten

Historiker Howard Zinn ist tot

Howard Zinn (2006): Anderer Blick auf die GeschichteZur Großansicht
AP

Howard Zinn (2006): Anderer Blick auf die Geschichte

Leitfigur der Geschichtsschreibung von unten, Vordenker der amerikanischen Linken, Kriegskritiker: Howard Zinn war einer der prägenden Historiker des 20. Jahrhunderts. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

Hamburg/New York - Er war ein Verfechter der "Geschichtsschreibung von unten": Howard Zinn schilderte historische Ereignisse nicht aus der Sicht der Herrschenden, sondern aus der durchschnittlicher Zeitzeugen: etwa des einfachen Soldaten, eines verfolgten Indianers oder armen Bauern. Seine "A People's History of the United States" ("Eine Geschichte des amerikanischen Volkes") wurde zum Bestseller und auch in Deutschland verlegt.

Zinn, Jahrgang 1922, war zugleich eine Leitfigur der amerikanischen Linken. Er beteiligte sich an Friedensdemonstrationen und meldete sich oft in Interviews zu Wort. Im Zweiten Weltkrieg flog das New Yorker Arbeiterkind in einem Bomber mit und durfte als Kriegsheimkehrer studieren. Später polemisierte er, dass es einen gerechten Krieg nicht geben könne und griff die amerikanische Außenpolitik scharf an. Besonders heftig kritisierte der in Boston lehrende Professor den Vietnam-Krieg.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Zinn 1971 im Zusammenhang mit den "Pentagon-Papieren" bekannt. Dabei handelte es sich um ein Geheimdokument des US-Verteidigungsministeriums, das Kriegsvorbereitungen der USA in Vietnam offenlegte. Der Regierungsmitarbeiter Daniel Ellsberg hatte die kompromittierenden Unterlagen Zinn gezeigt, bevor er sie in Zeitungen veröffentlichte. Zinn verteidigte Ellsberg später vor einem Untersuchungsausschuss. In seinem Buch "Man kann nicht neutral sein auf einem fahrenden Zug" schrieb er: "Die Geheimnisse, die durch die Pentagon-Papiere offengelegt wurden, mochten für Politiker unangenehm sein oder den Profiten von Unternehmen schaden. Aber das war nicht dasselbe, wie der Nation, dem Volk zu schaden."

Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der streitbare Wissenschaftler bereits am Mittwoch auf einer Reise im kalifornischen Santa Monica. Er wurde 87 Jahre alt.

sha/dpa

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