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09.02.2010
 

Fotokunst

Dieser Becker hat Kreativ-Bums!

Von Nora Reinhardt

Beim Namen "Boris Becker" denken die meisten nur an einen: an "Bobbele", den Wimbledonsieger aus Leimen. Das könnte sich bald ändern - mit der ersten umfassenden Werkschau des renommierten Fotokünstlers Boris Becker.


Der Journalist Holger Gertz spekulierte einmal, wie es wäre, wenn es in Deutschland zwei Franz Beckenbauers gäbe, einen in München, einen in Berlin-Marzahn. "Dieser Marzahner Franz Beckenbauer müsste damit leben, dass jeder an den Münchner Franz Beckenbauer denken würde. Die meisten würden ihn sogar für einen Hochstapler halten, wenn er sagte: Ich bin Franz Beckenbauer", schrieb Gertz.

In Deutschland leben nun zwei Boris Beckers, die es beide - und das macht es kompliziert - zu internationaler Bekanntheit gebracht haben. Während der Tennisballkünstler Becker zuletzt Höchstpreise für die Vermarktung seiner Hochzeitsfotos erzielt hat, erreicht Fotokünstler Becker Höchstpreise für seine stilprägenden Werke: Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Fotografen - und einer der besten. Einen Franz-Beckenbauer-Effekt gibt es dennoch: Beim Namen Boris Becker denken die meisten noch immer an ihr "Bobbele".

Mit etwas Glück ändert sich das nun: In Köln und danach in Linz ist die erste Retrospektive des Fotokünstlers Boris Becker zu sehen, der großformatige Stillleben fotografiert hat: Architektur, Natur, Objekte.

Die Kuratoren Gabriele Conrath-Scholl und Martin Hochleitner haben eine Fotoauswahl getroffen, die die künstlerische Entwicklung Beckers über die Jahrzehnte nachvollziehbar macht: von den strengen, kühlen Linien der Hochbunker bis zu den poppig-bunten Artefakten.

Grafische Arbeiten mit der Kamera

In den achtziger Jahren studierte Boris Becker an der Kunstakademie Düsseldorf - genau wie Candida Höfer und "Struffsky": Thomas Struth, Thomas Ruff und Andreas Gursky. Seine ersten in der Retrospektive ausgestellten Arbeiten, Studien zu überirdischen Bunkern, sind noch während dieser Zeit entstanden - und das sieht man auch: Die optische Ähnlichkeit zu den Fotografien seines Lehrers Bernd Becher ist enorm, sind Bernd und Hilla Becher doch international durch ihre strengen Schwarzweiß-Kompositionen von Hochöfen bekanntgeworden.

Becker fotografierte Hochbunker um Hochbunker, Candida Höfer sammelte Fotos von Bibliotheken, und Thomas Struth produzierte eine Serie von Museen - immer schlicht, schön, klar. Aber wenig originell. Die Ausstellung zeigt, wie sich Becker nach und nach von dieser Bildsprache löste: Er fotografiert erst farbig, dann nicht mehr nur das große Ganze, sondern Details. Seine Fotos werden zu grafischen Arbeiten mit der Kamera.

Es folgt die stilprägende Serie der "Felder und Landschaften": Becker wählt die Ausschnitte so, dass die strukturelle Regelmäßigkeit der Salatköpfe oder die geometrischen Muster der Ackerfurchen in den Fokus rücken. Er fotografiert nur, was da ist, ohne Inszenierung - und macht doch keine dokumentarischen, sondern künstlerische Fotos. Die neueren Arbeiten, die "Fakes" und "Artefakte" sind dann lockerer, künstlicher, bunter.

Wunderliche Objekte mit Geschichte

Die witzigsten Fotos der Retrospektive beinhaltet die "Fakes"-Reihe. Vor einem kräftigen farbigen Hintergrund hat Becker wunderliche Objekte fotografiert: einen Zaunpfosten, in dem Zigarettenpäckchen stecken; eine Konservenbüchse mit der Aufschrift "Grüne Erbsten" und "Beste Quälität"; eine aufgesägte Bowlingkugel, die 1999 den Weg von Costa Rica nach Deutschland antrat.

Die Gegenstände haben alle ein Geheimnis: In ihnen waren Schmuggelwaren versteckt oder Markenpiraterie-Produkte. Die kuriose Geschichte blitzt oft nur in den sachlichen Bildtiteln auf. "Bowling Kugel Kokain Costa Rica, 1999" etwa deutet nur an, dass jemand Koks in einer Bowlingkugel transportieren wollte.

In den vergangenen 25 Jahren sind die Fotografien also witziger, anregender und individueller geworden. Das Fazit: Der Tennisballkünstler Boris Becker hat seine größten Erfolge längst hinter sich, bei dem Fotokünstler Boris Becker könnten sie noch folgen.


Buch Andy Lim (Hrsg.): Boris Becker. Fakes. Darling Publications Verlag. 48 Euro.

Ausstellung: Boris Becker. Fakes, bis zum 28. Februar im Kulturforum der Herz-Jesu-Kirche in Köln.

Buch Photographische Sammlung/ SK Stiftung Kultur und die Landesgalerie am Oberösterreichischen Landesmuseum (Hrsg.): Boris Becker. Photographien 1984 - 2009. Dumont Verlag. 68 Euro.

Ausstellung " Boris Becker. Photographien 1984 - 2009" bis zum 28. Februar in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur in Köln. Ab 18. März in der Landesgalerie Linz.

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insgesamt 42 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.02.2010 von GanzSchlauer: Danke!

An dieser Stelle kurzer Beifall von meiner Seite! Und ich dachte schon, ich hätte Wahrnehmungsstörungen ... Und da uns Frau K. so schön die Diskussion verhagelt hat, können wir den Thread wahrscheinlich einschlafen lassen. [...] mehr...

16.02.2010 von hobbymoralist: Nochmal Eva,

da es nicht mehr um den Artikel geht, mein letzter Kommentar: Wir kennen uns nicht. Ich war noch nie in einem Forum über Fotografie. Wie gesagt, ich bin eher ein Kunstbanause. Als Fazit bleibt also nur, dass es offenbar weitere [...] mehr...

11.02.2010 von Hagbard: .

Na ja, für sich genommen wirken die Bilder wenig spektakulär. Sie sind auch aus dem Zusammenhang gerissen, will mir scheinen. Das: http://www.youtube.com/watch?v=C-wJzycRDIo ist auch ganz interessant. Ich glaube, es ist [...] mehr...

11.02.2010 von Eva K: Lieber Hobbymoralist

Ja, hypsch deftig ausgedrückt. Ein Mensch, der sich Hobbymoralist nennt, grade frisch im Forum angemeldet sich mit seinem Erstposting sofort über meine Postings hier zu diesem speziellen Thema hermacht und sich moralisiernd [...] mehr...

11.02.2010 von hobbymoralist: Liebe Eva K

danke, immerhin haben Sie den Artikel verstanden, damit sind Sie gefühlt hier in der Minderheit (ich hab's nicht ausgezählt). Und dass Ihnen Beckers Bilder nicht gefallen, kann man Ihren Zeilen entnehmen ("Scheiße", [...] mehr...

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