Hamburg - Am Mittwoch verbreitete die Nachrichtenagentur dpa einen Korrespondentenbericht mit Reaktionen auf die Bundeswehr-Exzesse in Mittenwalde. Darin wurde unter anderem eine Frau mit den Worten zitiert: "Gesoffen wird doch überall. Was glauben Sie denn, wie es hier auf dem Land zugeht, wenn einer bei den Trachtlern oder der Blasmusik dazugehören will."
So ein Satz klingt glaubwürdig, er stimmte aber nicht. Zwei Tage später zog dpa die Meldung zurück, am Samstag verschickte Deutschlands größte Nachrichtenagentur einen Bericht in eigener Sache - Titel: "dpa-Mitarbeiter fälscht Mittenwald-Bericht - Zusammenarbeit beendet".
Es habe sich herausgestellt, dass der Mitarbeiter aus Bayern den Bericht frei erfunden hatte. Chefredakteur Wolfgang Büchner, zuvor SPIEGEL-ONLINE-Chefredakteur, kündigte an, juristische Schritte gegen den Autor einzuleiten. Die Zusammenarbeit sei mit sofortiger Wirkung beendet.
Die dpa ist damit zum vierten Mal in fünf Monaten auf einen Fälscher reingefallen - diesmal aus den eigenen Reihen. Im September hatte die Agentur über einen erfundenen Selbstmordanschlag in einer amerikanischen Kleinstadt namens Bluewater berichtet. Im Dezember stolperten die Journalisten über eine gefälschte Pressemitteilung, nach der die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" drei Personen mit aktuellem Flüchtlingshintergrund in ihren Stiftungsrat aufnehmen wolle. Und im Januar vermeldete dpa fälschlicherweise den Rücktritt von Republikaner-Chef Rolf Schlierer. Chefredakteur Büchner hatte bereits nach dem Bluewater-Fall auf Einhaltung der hohen Qualitätsstandards der dpa gepocht und interne Maßnahmen eingeleitet.
Im aktuellen Fall wurden nicht nur Zitate von anonymen Personen erfunden - auch Adolf Hornsteiner, der Bürgermeister von Mittenwald, und ein angeblicher Ex-Gebirgsjäger tauchen in dem Bericht auf. Der Mitarbeiter hat laut dpa zugegeben, dass er weder mit Hornsteiner noch mit anderen in seinem Bericht zitierten Personen wie dem angeblichen Gebirgsjäger gesprochen hat. Die Agentur entschuldigte sich bei den falsch zitierten Personen.
cte/dpa
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Für den Rausgeworfenen stelle ich mich hiermit gerne nachträglich zum zitieren zur Verfügung. Es stimmt, dass überall Gesoffen wird! Deutschland ohne Bierfahne wäre wie Malle ohne Sonne. Alkoholismus fängt in Sportvereinen [...] mehr...
Mindestens ein Drittel aller Journalisten ist inzwischen in der Claqueurie Stammgast, da dürften die gefälschten Zitate bei der dpa nur die Spitze des Eisberges sein. Fälschen, Abschreiben, Klauen, Plagieren, das sind alles [...] mehr...
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