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18.02.2010
 

Debatte um Islamkritiker

Im Zweifel für den Populisten

Aus Den Haag berichtet Henryk M. Broder

2. Teil: Mörder von Filmemacher van Gogh als Zeugen benannt

Die Staatsanwaltschaft ermittelte monatelang, analysierte Wilders' Auftritte und Reden und schaute sich auch seinen Kurzfilm "Fitna" an, der im wesentlichen aus Koran-Zitaten besteht und aus Bildern von islamistischen Terrorakten.

Am Ende kam die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass keine Straftat vorliegt, die Ermittler fanden nicht einmal einen Anfangsverdacht und lehnten die Einleitung eines Verfahrens ab. Worauf die holländischen Menschenrechtler und Vertreter muslimischer Organisationen, die Wilders angezeigt hatten, das übergeordnete Gericht anriefen. "Klageerzwingungsverfahren" nennt man so etwas in Deutschland. Nicht ganz so dramatisch lief es in Berlin, wo auch schon gegen den ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin und den Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky wegen abfälliger Bemerkungen über Muslime oder die Unterschicht ermittelt wurde, wenn auch erfolglos. Im erzliberalen Holland wies das Appellationsgericht die Staatsanwaltschaft an, ein Verfahren gegen Wilders zu eröffnen - gegen die Überzeugung der Ankläger, die auch bei der Verhandlung Anfang Februar wort- und lustlos im Gerichtssaal saßen und mit ihren Blicken Löcher in die Luft bohrten, während der Vorsitzende in einem halbstündigen Vortrag fast alle Anträge der Verteidigung ablehnte.

18 Zeugen benannt, die Wilders Sicht bestätigen sollten

Moszkowicz hatte 18 Zeugen benannt, die Wilders Ansicht bestätigen sollten, dass der Islam eine gefährliche, gewaltaffine und intolerante Ideologie ist, die ihre Angehörigen ebenso unterdrückt, wie sie die "Ungläubigen" diskriminiert und verfolgt. Auf der Liste der Zeugen standen Historiker, Islamkundler, Ex-Muslime und Überzeugungstäter wie der Mörder des Filmemachers Theo van Gogh, Mohammed Bouyeri, der auch nach seiner Verurteilung zu "lebenslänglich" keine Spur von Reue zeigt. Bouyeris Aussage, das war die Idee von Wilders und Moszkowicz, sollte den Richtern deutlich machen, dass der Koran, wörtlich genommen, eine "Anleitung zur Gewalt" ist.

Mohammed Bouyeri ist ein in Holland geborener Muslim, seine Eltern kommen aus Marokko. Doch die Richter wollten ihn nicht anhören, wobei man ihnen zugestehen muss, dass sie nicht die Vernehmung eines Mörders scheuten, sondern wohl eher den Krawall vermeiden wollten, der mit seinem Erscheinen vor Gericht verbunden gewesen wäre. Denn nichts wäre dem Gericht peinlicher gewesen als eine Demo der Bouyeri-Freunde vor oder im Gerichtssaal, die ebenso wie ihr Idol überzeugt sind, dass Theo van Gogh durch sein respektloses Verhalten gegenüber dem Islam seine Ermordung selbst verschuldet hat. Und dass Wilders keinen Deut besser ist und die gleiche Strafe verdiene.

Sein Anwalt spricht von einem "politischen Prozess"

Die drei Zeugen der Verteidigung, die das Gericht zugelassen hat, sollen nun nicht in öffentlicher Sitzung sondern von einem Untersuchungsrichter hinter verschlossenen Türen gehört, ihre Aussagen dem Gericht als schriftliche Zusammenfassung vorgelegt werden. Moszkowicz spricht von einem "politischen Prozess", bei dem die Rechte des Angeklagten einer höheren Räson geopfert werden. Tatsächlich könnten sich angereiste Prozess-Besucher fragen: Haben die Holländer noch alle Speichen am Rad? Geht es in dem Verfahren um ein Delikt? Oder um eine Demonstration, dass Holland seine Beziehungen zur islamischen Welt nicht unnötig strapazieren möchte? Wer bedroht wen? Wie viele islamische Hassprediger, die zur Gewalt aufrufen, habt ihr bis jetzt vor Gericht gestellt? Das Verfahren gegen Wilders wird sich eine Weile hinziehen. Ein Jahr oder auch länger.

Wilders sagt, er habe "kein Vertrauen in das Gericht, das an der Wahrheit nicht interessiert" sei. Alles, was er über den Islam und den Koran gesagt habe, sei erstens wahr und zweitens vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Moszkowicz, der Jurist, sieht die Sache etwas anders als sein Mandant. Das Gericht habe nicht über richtig oder falsch, wahr oder unwahr zu entscheiden, sondern allein darüber, ob Wilders gegen irgendein Gesetz verstoßen habe. Und das sei "einfach nicht der Fall".

Über die Behauptung, der Islam sei eine "Religion des Friedens" könne man ebenso geteilter Ansicht sein wie über einen Vergleich des Koran mit "Mein Kampf". "Aber sind die, die sagen, dass der Islam eine Religion des Friedens sei, schon mal vor ein Gericht gestellt worden, obwohl sich jeder Zeitungsleser täglich vom Gegenteil überzeugen kann?", fragt Moszkowicz. Allein die Tatsache, dass Wilders rund um die Uhr bewacht werden muss, während seine Gegner frei agieren können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen, sei schon anschaulich genug. "Nicht die Islamisten leben gefährlich, sondern diejenigen, die sich mit dem friedliebenden Islam anlegen", so der Anwalt.

Notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Sowohl Wilders wie Moszkowicz sagen, sie würden damit rechnen, dass sie den Prozess erst einmal verlieren. Beide sind jedoch fest entschlossen, den Fall bis vor das Oberste Gericht der Niederlande zu bringen und auch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als letzte Instanz. Bram Moszkowicz richtet sich auf eine längere Strecke ein.

Dabei liegt die größte Herausforderung noch vor Wilders, es sind die Parlamentswahlen im Mai kommenden Jahres. Nachdem Wilders Partei für die Freiheit bei den Europawahlen 2009 nur einen Sitz weniger errang als die Christdemokraten und damit zur zweitstärksten politischen Kraft in den Niederlanden wurde, hat sie inzwischen noch weiter zugelegt und liegt in den Umfragen auf Platz eins - vor den Christ- und den Sozialdemokraten, die sich in Holland entweder die Macht teilen oder einander abwechseln.

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er im Falle eines Wahlsieges den Auftrag zur Regierungsbildung bekäme, mehr als gering. Aber möglich wäre es schon, dass eine der etablierten Parteien mit der Partij voor de Vrijheid koalieren würde. Dann könnte Geert Wilders Innen- oder Justizminister in der Regierung ihrer Majestät werden. Und der erste amtierende Minister, der sich zugleich wegen "Volksverhetzung" vor einem Gericht verantworten müsste.

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insgesamt 308 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.02.2010 von Jule2005: .

um mit den Worten Abdel-Samads zu antworten. Und vielleicht überdenken Sie einfach mal folgendes: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6076119/Gebrauchsanweisung-fuer-Islam-Versteher.html mehr...

21.02.2010 von MrChance: Gleiches Recht

Also muß auch die Bibel verboten werden, da Personen unter Nennung der Bibel Abtreibungskliniken bomben und Mordanschläge auf Ärzte (z.B. in den USA) verüben. mehr...

21.02.2010 von Annika Hansen: Ein starkes Stück...

Das ist doch wiederum doch ziemlich dreist von Ihnen. Argumente haben Sie nicht. Dafür vergleichen Sie eine Foristin mit Herrn Wilders, der laut Ermittlungsverfahren der niederländischen Staatsanwaltschaft: Die [...] mehr...

21.02.2010 von quone: .

1. Nein nicht die Mehrheit aber ein beträchtlicher Teil. Da sind wir uns einig 2. Unter welchen Einwanderern gibt es denn die Probleme noch in grosser Zahl ausser unter moslemischen? 3. Ja es gibt eine Menge die ihren [...] mehr...

21.02.2010 von elandy: naja

Zu 1. Ja, solange "beträchtlich" nicht die Mehrheit meint. Denn das stimmt nicht. Zu 2. Sicher haben viele muslimische Migranten Integrationsprobleme, aber weder ist dafür der Islam die Hauptursache, sondern ihre [...] mehr...

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