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03.03.2010
 

Zwiebelfisch

Ich bin dann mal auf Partnersuche

Von Bastian Sick

Wer immerzu auf Arbeit ist, der muss auch mal auf Urlaub sein. Denn wer zu viel auf Achse war, ist irgendwann auf Kur. Und wer zu oft auf Koks war, ist irgendwann auf Entzug. Das ist nicht unbedingt auf Linie, und ist es überhaupt auf Deutsch?


Vor einiger Zeit wandte sich ein Mitarbeiter der Freiburger Stadtverwaltung in einer E-Mail an mich und bat um Rat. Er schrieb, die Vorzimmerdamen in seiner Behörde seien verunsichert, weil sich einige Anrufer darüber lustig machten, wenn sie am Telefon sagten: "Der Chef ist auf Termin". Ich habe mich über diese E-Mail gefreut, nicht nur, weil ich sogleich spürte, dass sie Stoff für eine neue Kolumne liefern würde. Vor allem freute ich mich über die Verwendung des schönen, aber leider viel zu selten geworden Wortes "Vorzimmerdamen".

Und hier ging es um Vorzimmerdamen in Not! Keine Frage also, dass ich beherzt eingreifen würde. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Freiburger Vorzimmerdamen bereits eine beachtliche Abstraktionsleistung vollbringen, wenn sie einem Anrufer auf Hochdeutsch erklären, der Chef sei "auf Termin". Als gebürtige Badenerinnen könnten sie ebensogut sagen: "Dä Schef isch nit do" oder "Seller isch gange un kummt hit au nimmi"*. Stattdessen entschlossen sie sich zu einer überregionalen Variante und schickten den Chef "auf Termin". Das wird zwar von allen Deutschen verstanden, aber offenbar nicht von jedem gutgeheißen. Die Jury bei "Deutschland sucht die Supervorzimmerdame" gibt der Präposition "auf" in Verbindung mit dem Wort "Termin" allenfalls die Note "umgangssprachlich". Denn "auf Termin" zu sein, gilt als ebensowenig elegant wie "auf Arbeit" oder "auf Schalke" zu sein. Gut, das mit Schalke nehme ich zurück, auch wenn ein paar Dortmunder deswegen enttäuscht sind.

Es gibt zahlreiche Formulierungen, in denen "auf" vor einem Hauptwort ganz selbstverständlich ist: auf Wunsch, auf Verlangen, auf Befehl, auf Kredit, auf Ehrenwort, auf Rezept. Aber nur in wenigen Fällen lässt sich das Ganze noch mit "sein" verbinden: Geschäftsleute können auf Reisen sein, Musiker sind gern auf Tour, Lastwagenfahrer sind ständig auf Achse, und früher waren Handwerksgesellen oft auf Wanderschaft. Dies würde stilistisch von niemandem beanstandet.

Doch wer irgendwo verkürzt "auf Probe" ist, der ist in der längeren (und stilistisch besseren) Version "zur Probe angestellt". Auch die geläufige Formulierung "Er ist auf Bewährung" ist nur eine umgangssprachliche Verkürzung des Ausdrucks "Er wurde auf (noch besser: zur) Bewährung freigelassen".

Man kann irgendwo bei irgendwem "auf Besuch" sein, obwohl es dem stilgebildeten Gastgeber lieber ist, sein Besuch wäre "zu Besuch". Man kann auf Diät sein, auch wenn es vielleicht eleganter wäre, eine Diät zu machen oder - noch kürzer - Diät zu halten. Und wenn's nicht hilft, dann ist man früher oder später "auf Kur". Aber auch das ist umgangssprachlich. Wer dem Sprachstandard genügen will, der ist "zur Kur" statt "auf Kur". Denn bei der Kur kommt es schließlich auf die Anwendungen an, und mit der Anwendung der passenden Präposition fängt es schon mal an.

Das Gleiche gilt auch für den Lehrgang und die Fortbildung: "Ich bin auf Fortbildung" klingt so, als handele es sich um einen Kursus für Monteure, denn von denen weiß man, dass sie berufsbedingt oftmals lange "auf Montage" sind. Wer schon willens ist, sich fortzubilden, sollte beherzt bei seinem Sprachstil anfangen und sich selbst "zur Fortbildung" empfehlen.

Die meisten Konstruktionen mit "auf" und "sein" gehen auf das Wandern zurück. Auf Wanderschaft oder auf (der) Walze war man schon zu früheren Zeiten. Nach diesem Vorbild wurden die Wendungen "auf Reisen sein", "auf Tournee sein" und "auf Achse sein" gebildet. Und wer, so wie einst die Handwerksgesellen, auf Wanderschaft ist, der ist gleichzeitig auch auf Suche: nach einem Bett, einer warmen Mahlzeit, nach neuer Arbeit. Somit lassen sich auch alle Formen der Suche mit "auf" und "sein" verbinden: auf Schatzsuche sein, auf Abenteuersuche sein, auf Partnersuche sein.

Da der Drogenrausch gern mit einer Reise gleichgesetzt wird (weshalb man ihn auch Trip nennt), bürgerten sich Formulierungen "auf LSD", "auf Gras" und "auf Speed" ein. Dem Drogentrip folgt häufig der Entzug, und da auch das als eine Reise verbucht werden kann, ist hier gleichfalls die Konstruktion mit "auf" und "sein" möglich: Wer zu oft auf Koks war, ist irgendwann auf Entzug.

Wenn die Freiburger Vorzimmerdamen sich nun darüber wundern, dass man zwar guten Gewissens "auf Reisen sein", "auf Jobsuche sein" und "auf Drogen sein" kann, andererseits jedoch Naserümpfen verursacht, wenn man "auf Arbeit" oder "auf Termin" ist, so könnte ich's verstehen. Aber Sprachkritik ist weniger eine Frage der Logik als vielmehr der Gewöhnung und des persönlichen Geschmacks. Zum Glück kann es mir einerlei sein, ob die Chefs dieses Landes "auf Termin" sind oder "auf Urlaub". Mich interessiert auch nicht, ob ihre Vorzimmerdamen "auf Zack" oder "auf Trab" sind. Solange sie nicht "auf Trapp" sind, wie man auch immer wieder mal lesen kann. Hauptsache ist doch, dass niemand "auf 180" ist, denn das wäre nicht gut für sie oder ihn und schadete nur unserem Gesundheitssystem, das ohnehin ständig auf Reform ist.

Das wär's für diesmal von meiner Seite. Wenn Sie noch Fragen haben: Ich bin mal kurz auf Klo!


*Auf Hochdeutsch: "Der Chef ist nicht da!" und "Er ist fortgegangen und kommt heute auch nicht mehr wieder".

(c) Bastian Sick

Auf Tabelle sein
auf Achse sein
auf Arbeit sein / besser: auf der Arbeit sein, arbeiten
auf Arbeitssuche sein
auf Besuch sein / besser: zu Besuch sein
auf Bewährung sein / besser: zur Bewährung freigelassen sein
auf Diät sein
auf Draht sein
auf Drogen sein (auf LSD/auf Koks/auf Ecstasy/auf Speed/auf Crack etc. sein)
auf Entzug sein (infolge des vorangegangenen Beispiels)
auf Fortbildung sein / besser: zur Fortbildung sein, sich fortbilden
auf Helium sein / anders ausgedrückt: wie die Chipmunks sprechen
auf 180 sein / besser: wieder zur Ruhe kommen
auf Kur sein / besser: zur Kur sein
auf Kurs sein
auf Linie sein
auf Lehrgang sein / besser: zu einem Lehrgang sein, einen Lehrgang machen
auf Montage sein
auf Partnersuche sein
auf Reise(n) sein
auf Safari sein
auf See sein
auf Termin sein / besser: einen Termin haben, im Gespräch sein
auf Tour(nee) sein
auf Trab sein / nicht: auf Trapp sein
auf Urlaub sein / besser: im Urlaub sein, in den Urlaub fahren, Urlaub machen
auf Wanderschaft sein
auf Zack sein

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