Von Tobias Becker
Borussia Dortmund spielt nicht mehr im Westfalenstadion, sondern im Signal-Iduna-Park, Schalke 04 nicht mehr im Parkstadion, sondern in der Veltins-Arena, Eintracht Frankfurt nicht mehr im Waldstadion, sondern in der Commerzbank-Arena. Könnte sich da das Theater Oberhausen nicht auch gegen Geld umbenennen, zum Beispiel in Abu-Dhabi-National-Oil-Spielstätte Oberhausen? Und könnten dann vor und während der Vorstellungen nicht Werbespots über den Vorhang flimmern? "Vielleicht ist das gar nicht so weit weg", unkt Schorsch Kamerun, der alte Punk. "Vielleicht geben auch Theater bald ihre Identität her, um an Geld zu kommen."
Kamerun ist Sänger der Goldenen Zitronen, Mitbetreiber des Golden Pudel Club in Hamburg und seit einigen Jahren auch Theaterregisseur. Im monströs verschuldeten Oberhausen, einer 220.000-Einwohner-Stadt im westlichen Ruhrgebiet, inszeniert er nun "Abseitsfalle", ein Fußball-Theater-Projekt zur Krise der Kommunen.
Mehr als ein alberner Regieeinfall
Die Spielanordnung: Ein stinkreicher Investor aus dem Nahen Osten verspricht, entweder das finanzschwache Zweitliga-Kellerkind Rot-Weiß Oberhausen zu unterstützen oder das mindestens ebenso arme Theater Oberhausen, dessen städtischer Zuschuss von 2009 bis 2013 von 8,4 auf 7,4 Millionen Euro sinken soll und das sich obendrein immer mal wieder mit Schließungs- und Fusionsplänen herumschlagen muss. Wenn Kamerun nun also ankündigt, den Abend mit Werbeblöcken zu unterbrechen, dann ist das mehr als irgendein albern verspielter Regieeinfall. Es ist eine Warnung.
Kameruns Inszenierung wird in Bussen beginnen, die die Besucher vom Theater am Will-Quadflieg-Platz zur Sporthalle der Gesamtschule Osterfeld bringen. Dort kämpfen Theater und Club dann um die Gunst des Sponsors, sportlich und musisch. Für das Theater treten Schauspieler an, aber auch Techniker, der Pförtner und eine Dramaturgin; in der Elf von Rot-Weiß Oberhausen stehen Fans, ein Sportjournalist und der Vereinspräsident Hajo Sommers, der im Hauptberuf die Oberhausener Kleinkunstbühne Ebertbad betreibt.
Verändert Sponsoring die Kultur?
Es ist eine bange Frage, die Kamerun in seiner Inszenierung stellen wird: "Ist der öffentlich-rechtliche Untersuchungsraum als Gegenmodell zu privatisierter Profitkultur noch zu retten?" Also: Wird Sponsoring, wie es im Sport üblich ist, nach und nach die kommunale Kulturförderung ersetzen? Und falls ja: Wird das die Kultur verändern?
Viele Theatermacher würden mit privatwirtschaftlichem Einfluss wohl ein Problem haben. Jürgen Hennemann, Verwaltungsdirektor des Theaters Oberhausen, hat ein ganz anderes: "Wir haben gar keine Sponsoren in Oberhausen", sagt er. Große Firmen mit großem Marketingetat gebe es nicht. "Solch ein Konzept würde hier gar nicht funktionieren, ob man es nun will oder nicht." Bei der Kamerun-Inszenierung zum Beispiel werde es eine Sponsoren-Wand im Foyer geben; wer sich und seine Firma darauf präsentieren wolle, habe nur 150 Euro zahlen müssen. "Die Wand war kaum zu füllen."
Hennemann ist sich sicher: "Wenn man die Kultur in dieser Region erhalten will, muss man die Kommunalfinanzen auf andere Beine stellen." Oder einen stinkreichen Investor im Nahen Osten finden.
Abseitsfalle. Uraufführung am 16. März, weitere Vorstellungen am 25., 27. März und am 29. April, Beginn jeweils 19.30 Uhr. Produktion des Theaters Oberhausen in der Sporthalle der Gesamtschule Osterfeld, Kartentelefon 0208/857 81 84.
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